Druckschrift 
Chlodosinda : Trauerspiel in fünf Akten und einem Vorakt
Seite
119
Einzelbild herunterladen
 

119

faltet, wie ermüdet, die Hände und wirst einen schmerz-lichen Blick zum Himmel.

Nieator (für sich.)

Für jetzt ist diese Bestie gezähmt!

Schon aber sehe ich die Zeit sich nahen,

Wo sie auf ihren Bändiger sich stürztUnd ihn dafür erbarmungslos zerfleischt.

Chlodosinda

(auf Nicator zugehend, sehr bewegt.)

Ihr habt der rohen Menge mich entrissen,

Nehmt meinen warmen Dank in schwerer Stunde.

Nieator.

O Königin! Ihr wollt mir danken, mir?

Der ich Euch den Gefahren Preis gegeben?Könnt Ihr verzeihen, was ich Euch gethan?

Chlodosinda.

Uraca sprach mir schon von Eurer Wandlung,

Und wenn noch bange Zweifel in mir lebten,

So hat sie dieser Augenblick genommen.

Uraca

(auf Chlodosinda zutretend.)

Verweile nicht, denn jegliche MinuteKann diese Schreckensscene wiederholen.

Komm, folge mir, ein Ausweg ist noch frei,

Die Wache ist bestochen, eile nurl

Nicator.

Es ist zu spät! unmöglich ist die Flucht!

Denn schneller, als des Feuers wilde FlammeVerbreitet sich die Kunde großer Dinge,

Und mächtig ist Toledo's Priesterschaft.

Chlodosinda.

Auch fühl' ich Schaam auf meinen Wangen brennen,Daß ich, die meines Königs Namen trägt,

Durch feige Flucht ihn zu beflecken suchte.