schweigend und warteten auf den Konsul. Die Luft wardumpf. Draußen war das letzte Stück Blau verschwunden,und tief, schwer und trächtig hing der dunkelgraue Himmelhernieder. Die Farben des Zimmers, die Tinten der Land-schaften auf den Tapeten, das Gelb der Möbel und derVorhänge, waren erloschen, die Nuancen in Tonys Kleidespielten nicht mehr, und die Augen der Menschen warenohne Glanz. Und der Wind, der Westwind, der eben nochdrüben in den Bäumen auf dem Marienkirchhof gespielthatte und den Staub auf der dunklen Straße in kleinenWirbeln umhergetriebe» hatte, regte sich nicht mehr. Eswar einen Augenblick vollkommen still.
Da, plötzlich, trat dieser Moment ein . . . ereignete sichetwas Lautloses, Erschreckendes. Die Schwüle schien ver-doppelt, die Atmosphäre schien einen, sich binnen einer Se-kunde rapide steigernden Druck auszuüben, der das Gehirnbeängstigte, das Herz bedrängte, die Atmung verwehrte ..drunten flatterte eine Schwalbe so dicht über der Straße,daß ihre Flügel das Pflaster schlugen . . . Und dieser un-entwirrbare Druck, diese Spannung, diese wachsende Be-klemmung des Organismus wäre unerträglich geworden,wenn sie den geringsten Teil eines Augenblicks länger ge-dauert hätte, wenn nicht auf ihrem sofort erreichten Höhe-punkt eine Abspannung, ein Überspringen ftattgefundenhätte . . . ein kleiner, erlösender Bruch, der sich unhörbarirgendwo ereignete und den man gleichwohl zu hörenglaubte . . . wenn nicht in demselben Moment, fast ohnedaß ein Tropfenfall vorhergegangen wäre, der Regen her-niedergebrochen wäre, daß das Wasser im Rinnstein schäumteund auf dem Bürgersteig hoch emporfprang . .