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1 (1922) Buddenbrooks : Verfall einer Familie
Entstehung
Seite
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Tony war noch nicht fertig; aber sie ließ ihren Kopf imvoraus aufs Kissen sinken, verschränkte die Hände im Nackenund betrachtete auch ihrerseits sinnend die Zimmerdecke.

„Ich werde natürlich einen Kaufmann heiraten", sagtesie. „Er muß recht viel Geld haben, damit wir uns vor-nehm einrichten können; das bin ich meiner Familie und derFirma schuldig", fügte sie ernsthaft hinzu. „Ja, ihr solltsehn, das werde ich schon machen."

Gerda hakte ihre Schlaffrisur beendet und putzte ihrebreiten, weißen Zähne, wobei sie sich ihres elfenbeinernenHandspiegels bediente.

„Ich werde wahrscheinlich gar nicht heiraten", sagtesie ein wenig mühsam, denn das Pfesserminzpulver behin-derte sie. „Ich sehe nicht ein, warum. Ich habe gar keineLust dazu. Ich gehe nach Amsterdam und spiele Duos mitPapa und lebe später bei meiner verheirateten Schwester ..."

„Wie schade!" rief Tony lebhaft. „Nein, wie schade,Gerda! Du solltest dich hier verheiraten und immer hierbleiben . . . Höre mal, du solltest zum Beispiel einen vonmeinen Brüdern heiraten . . ."

„Den mit der großen Nase?" fragte Gerda und gähntemit einem kleinen zierlichen und nachlässigen Seufzer, wobeisie den Handspiegel vor den Mund hielt.

„Oder den anderen, das ist ja gleichgültig . . . Gott,wie ihr euch einrichken würdet! Jakobs müßte es machen,Tapezierer Jakobs in der Fischstraße, er hat einen vornehmenGeschmack. Ich würde täglich zu Besuch kommen . . ."

Aber dann ließ sich Mlle. Popinets Stimme vernehmen:

„H.ll! voraus, mssclames! zu Bette, s'il vous plsit!Sie werden sich heute abend nicht mehr verheiraten!"