Druckschrift 
3 (1846) [Cal - Deu]
Entstehung
Seite
681
Einzelbild herunterladen
 

681

Dänemark.

König selbst erklärte aber: „nun wollen wir Alle sparen." Das Budget und die Finanz-berichte sind auf Verlangen der Stände jährlich vollständiger geworden, aber die Normensind hinsichtlich der Hauptsachen nicht inne gehalten, namentlich sind die Ausgaben fürsMilitärwesen fortwährend stark überschritten worden. Deshalb haben die Stände immervom Neuen und immer energischer auf Ersparung gedrungen und auf bessere Verwendungder Ausgaben. Außer dem Militärwesen haben sie besonders die Eivilliste und die Apa-nagen , welche von dem Könige willkürlich bestimmt worden, das Pensions- und Gratial-wesen sowie die Diplomatie zum Gegenstände ihrer Rügen gemacht, die bis jetzt aberwenig Beachtung gefunden haben. Um das Pensionswesen zu reguliren, ist von der Re-gierung ein Gesetzentwurf ausgearbeitet worden, wobei aber der Wunsch zu sparen nichtberücksichtigt zu sein scheint, woneben auch noch das Gratialwesen, das so enorme Sum-men verschlingt, wahrscheinlich ferner fortbestehen soll, weshalb denn die Oppositions-presse nicht mit Unrecht meint, man solle doch auch auf die ärmeren blassen etwas Rück-sicht nehmen, auch diesen einmal Fürsorge zuwenden. Für die Melioration innererZustände, des Forstwesens, des Ackerbaues, des Fabrik-und Gewerbewesens, der Künsteund Wissenschaften wird dabei Wenig aufgewendel; fürEisenbahnen hat die Regierung sichinteressirt, aber durch Geldmittel sie wenig gefördert und kein durchgreifendes System an-genommen und verfolgt, so daß im Herzcglhum Holstein, wo nur durch Privatbetrieb dieEisenbahnen zu Stande gekommen sind, von Regierunqswegen keine nutzbaren Eisenbahnenangeregt, geschweige denn hergestellt worden sind. Den Ständen kann man allerdingszum Vorwurf machen, daß sie diese Angelegenheiten noch nicht speciell genug zur Sprachegebracht haben. Wenn dennoch sich eine recht gute Bilanz im Finanzwesen zwischen Ein-nahme und Ausgabe herausgestellt hat und jährlich sogar Etwas von der Staatsschuld getilgtist, so rührt dies daher, baß das Land in dem letzten Jahrzehent sehr glückliche Conjuncturengehabt hat, daß die Ernten gut gediehen, die Productenpreise hoch standen und Viel aus-geführt wurde. Dazu kommt seit 1838 eine große Mehreinnahme des Zollwesens aus denHerzogthümern, welche trotz dem, daß die Regierung sie den Herzogthümern allein in Aus-sicht gestellt hat, in die gemeinschaftliche Staatscasse floß. Dennoch bleibt die finanzielleLage höchst bedenklich, und die Finanzverwallung mangelhaft, so daß, wenn einmal dieConjuncturen Umschlagen und schlechte Jahre eintreten sollten, leicht Verlegenheiten ent-stehen können. Nach dem letzten Finanzbericht vom Jahr 1844 betrug am 31. Dec. desgenannten Jahres die Staatsschuld 110,750,306 Rbthlr. 60 bß. Die Einnahme desJahres 17,522,962 Rbthlr. 80K bß. Die Ausgaben beliefen sich auf 16,362,793 Rbthlr.78^ bß., so daß sich also ein Ueberschuß von 1,160,169 Rbthlr. 2^ bß. herausstellte. DieAusgaben für das königl. Haus betrugen 686,209 Rbthlr., wozu noch kommen 271,871Rbthr. 76 bß. für die königl. Schlösser und an Apanagen 550,415 Rbthlr. 32 bß. DerSee-Militär-Etat nahm weg 2,232,762 Rbthlr. 54H bß. Der Land-Militär-Etat dieSumme von 4,198,824 Rbthlr. 24 bß. Die Diplomatie oder das Departement der aus-wärtigen Angelegenheiten 335,981 Rbthlr. 45 bß. Das Pensions- und Gratialwesen1,493,720 Rbthlr. u.s.w.

Der finanzielle Zustand zunächst, dann aber eine derartige Bewegung in den Herzog-thümern und das Vorbild, welches man in Norwegen sah, rief endlich das Verlangen inDänemark hervor nach einer freien Staatsverfassung, besonders als der jetzt regierendeKönig, der die norwegische Verfassung gegründet oder doch beschworen hatte, den Thronbestieg. Deputationen des Volks erinnerten ihn gleich daran und später, als er von derKrönung zu Friedrichsburg nach Kopenhagen zurückkehrte, auch die Communalrepräsen-tanten dieser Stadt. Der König antwortete ablehnend, die norwegische Constitution seiin der Eile gemacht, sie hätte sonst auch besser sein müssen, was wohl nichts Anders heissenkann als aristokratischer, in Dänemark müsse man auf der Grundlage fortbauen, welcheder hochselige Vorgänger gelegt habe. Das Volk sprach sich dann in Petitionen an dieStändeversammlungen gleichfalls für eine freiere Verfassung, besonders für das Steuer-bewilligungsrecht aus und diese richteten desfallsige Anträge an die Regierung. Da flössendenn aus der Idee der Staatseinheit der Herzogthümer mit Dänemark und nach dem Vor-gänge Preußens die Vorschläge zur Einrichtung ständischer Ausschüsse. Die dänischen