Druckschrift 
3 (1846) [Cal - Deu]
Entstehung
Seite
662
Einzelbild herunterladen
 

662 Dalmatien.

gegen höher stehen als die Morlaken und in jedem Hause wenigstens Ein Bewohner desLesens und Schreibens kundig sein.

Unter allen Gewerben und Beschäftigungen, in denen der Dalmatiner überhauptnoch geringe Fortschritte gemacht hat, ist die Fischerei das bedeutendste und beschäftigt Tau-sende von Händen; dieselbe Wichtigkeit hat auch die Schifffahrt; auch die Gewinnung vonSeesaft, welche schon seit Jahrhunderten an diesen Küsten im Gange ist, gehört zu denerheblichem Erwerbszweigen und lieferte in den Jahren 1819 bis 1828: 1,051,570, undim Jahr 1834: 195,397 Ctr. Meersalz; die wichtigsten Salz-Etablissements sind zuStagno im Ragusanischen, zu Arbe, Dignisca und Pago in Ober-Dalmatien. Dagegenstehen der Ackerbau und die Landwirthschaft überhaupt noch auf einer sehr niedrigen Stufe,und erst den Bemühungen der österreichischen Regierung, welche zu diesen Zwecken jährlichan 6000 Fl. C. M. verwendet, gelingt es nach und nach, das Ackergerälhe, Oelpressenund Wagen zu verbessern und den Obstbaum zu veredeln, auch lohnende Versuche mit derSeiden- und Jndigo-Cullur zu veranstalten. Auch die Fabrikation und städtische Betrieb-samkeit sind gegen alle übrigen Länder der Monarchie noch weit zurück, so daß Dalmatienfast alle Fabrikate aus der Fremde, von Venedig, Triest, Fiume und aus dem Auslandebeziehen muß, wohin auch der größte Theil seiner rohen Stoffe geht.

Darum ist auch Dalmatiens Hand el nicht so bedeutend, als er sonst nach der über-aus günstigen Lage des Landes sein müßte; nur die Schifffahrt, besonders die Küstenschiff-fahrt und der Verkehr mit benachbarten türkischen Provinzen ist ziemlich lebhaft. Die dal-matinische Schafwolle, die ursprünglich feinste der Monarchie, geht meist nach Triest undvon dort nach England, wo sie für spanische Merinos-Wolle gelten mag. Der Handelfindet meist zur See statt, der Landhandel ist der schlechten Straßen wegen auf einzelnetürkische Earavanen und auf den Verkehr mit den Montenegrinern beschränkt, welcher aufdem Bazar von Eattaro vor sich geht.

Künste und Wissenschaften und die Geistescultur, besonders jene der un-teren Volksclassen, sind in Dalmatien noch immer in einem höchst unerfreulichen Zustande.Die Republik Venedig that für die Bildung Dalmatiens durch eine Reihe von Jahrhun-derten fast gar Nichts, und die Dauer der österreichischen Regierung ist noch zu kurz, alsdaß ihre Bemühungen schon reichlichere Früchte getragen haben könnten. Die wissenschaft-lich gebildeten Männer sind entweder Fremde oder besuchten italienische Universitäten. Fürdie Dichtkunst herrscht noch die größte Vorliebe. Da überdies in den See - und Küsten-städten meist italienisch gesprochen wird, so sind Lebensweise, Sitten, Theater und diehäuslichen Einrichtungen unter den höheren Volksclassen durchgehends italienisch. Inden Städten werden die von der Regierung eröffneten Unterrichtsanstalten häufig besucht.Es erfreut sich aber Dalmatien auch in der Landessprache einer eigenen Literatur, derenWerke bis in das 15. Jahrhundert zurückgehen ^). Für höhere Geistesbildung wirkenin Dalmatien die philosophische und theologische Lehranstalt und die Hebammenschule zuZara mit 16 Professoren und (1834) 138 Schülern, die Gymnasien zu Zara, Spalatound Ragusa, welche (1834) von 297 Schülern besucht wurden, während in den übrigenErbstaaten gewöhnlich Ein Gymnasium fast noch einmal so viele Schüler zählt. DieVolksschulen zerfallen in 7 Haupt-, 37 Trivial- und 4 Mädchenschulen, mit 12 Kateche-ten, 61 Lehrern, 12 Gehilfen, 3635 Schülern und einem Aufwand« von 18,599 Fl.E. M., worunter sich 47 katholische und 1 jüdische Schule befinden. Die Zahl der schul-fähigen Kinder belief sich auf 12,989, von denen 3635 die Schule wirklich besuchten- Fürdie öffentliche Erziehung der männlichen Jugend sorgt ein Convict zu Zara, 1834 mit 49Zöglingen und 2 Lehrern und einem Aufwande von 13,780 Fl. C. M., von denen 20 un-entgeltlich erzogen wurden. Der Gesammtaufwand für alle Schulen, Bildungs- und Er-ziehungsanstalten belief sich (1834) auf 82,188 Fl. C. M. Das Museum für Alter-thümer zu Spalato ist die einzige aus 3 Mitgliedern bestehende Gesellschaft, welche die

15) Fr. Sartori historisch'-ethnographische Klebersicht der wissenschaftlichen Cultur,Geistesthätigkeit und Literatur des österreichischen Kaiserthums, nach seinen mannigfaltigenSprachen und deren Bildungsstufen. Wien 183V. Bd. 1. S. 63 u. f.