Druckschrift 
3 (1846) [Cal - Deu]
Entstehung
Seite
658
Einzelbild herunterladen
 

658 Dalmatien.

setzt, daß die Obrigkeiten der Städte der Republik huldigen und ihre Truppen unter denFahnen des Freistaates gegen den gemeinschaftlichen Feind fechten sollten. Zm I. 997begab sich Urseolo nach Zara, der ältesten Bundesgenossin der Venetianer in Dalmatien,und nahm die Huldigung von allen Städten und Inseln der Reihe nach an, nur Curzolaund Lesina wollten es lieber mit den Narentinern halten, als auf ihre Unabhängigkeit ver-zichten ; dafür mußten sie auch noch vor ihren Bundesgenossen büßen, denn der Doge be-mächtigte sich ihrer mit Gewalt und verheerte erst hierauf das Gebiet von Narenta, mitdessen räuberischen Einwohnern er erst dann einen Frieden schloß, als er sie ganz ohnmäch-tig gemacht zu haben glaubte. Aus dieser Demülhigung der Seeräuber und der scheinbarenUnterwerfung Dalmatiens zogen die Venetianer kaum einen andern Vortheil, als daß sichihr Doge den Titel eines Herzogs von Dalmatien beilegenzu dürfen vermeinte;dafür gerieth aber Venedig wegen Dalmatiens mit den Eroaten in einen langwierigen undkostspieligen Krieg, der zu Gunsten der Letzteren endete, deren König Crescimir Peter seitdem I. 1052 den Titel eines Königs von D almalien annahm, ohne daß die Vene-tianer Einsprache dagegen zu machen gewagt hätten.

Schon in jener Zeit übte die hohe Geistlichkeit, wie in anderen Staaten unseres Erd-theils, so auch in Dalmatien einen großen Einfluß aus. Die dalmatinischen Bischöfehatten schon viel früher das Volk bewogen, nach ihren wechselnden Interessen und Ansich-ten, bald an den Patriarchen von Eonstanlinopel und bald an den römischen Bischof unddie von ihm ausgestellten Ansichten und Lehrsätze sich anzuschließen. Auf den Rath des Erz-bischofs von Spalato, Laurentius, übertrug auch damals Demetrius Zwonimir seine Län-der dem Papst Gregor VII., um sie von ihm als Lehen der Kirche wieder zurück zu em-pfangen, wofür er an den römischen Stuhl eine jährliche Summe von 200 Byzantinernzu bezahlen versprach. Von da an wurde Dalmatien der Zankapfel aller benachbartenReiche und im Innern der Tummelplatz der wildesten Oligarchie. Jeder der Nachbarnsuchte alte oder neu erworbene Rechte und Ansprüche geltend zu machen; Jeder, der Machthatte und im Lande Anhänger fand, suchte sich nach dem Tode Demetrius Zwonimir's(1087) auf den verwaisten Thron emporzuschwingen ^). Inmitten dieses anarchischenKampfes betrat eine neue Macht den Schauplatz. Ladislaus, König von Ungarn, Schwa-ger des letzten Königs von Eroatien und Dalmatien, machte seine Ansprüche mittelst einesHeeres geltend, überzog einen Theil Dalmatiens und eröffnete dadurch einen Krieg um denBesitz dieses Landes, der erst mit dem im 1.1433 mit K. Sigismund abgeschlossenenWaffenstillstand« factisch endete. In diesem ganzen Zeiträume von vierthalbhundert Jahrenziehen außer der wechselseitigen Eifersucht, Bekämpfung und Verdrängung der Ungarn, Vene-tianer und Byzantiner besonders zwei Ereignisse die Aufmerksamkeit des Geschichtsforschersauf sich, die Einwanderung der Morlaken und der Einfall der Mongolen. Die Ersterenbevölkerten einen Theil, die Letzteren verwüsteten, mit Ausnahme der festen Seestädte, diemeisten Gegenden Dalmatiens. Nur langsam erholte sich das Land von diesem Unfälle,um so später aber, als die Fehden der Ungarn und Venetianer auch nicht ohne große Ver-wüstungen abliefen. Daß unter so ungünstigen Verhältnissen das Volk immer tiefer inRohheit versank, wird daher Niemanden wundern, um so weniger aber dann, wenn manerwägt, daß auch mit der Verzichtung der Ungarn auf Dalmatien der Friede noch keines-wegs dem Lande gesichert wurde. In dieser Zeit hatten nehmlich die Venetianer die wil-den Osmanen zu ihren Nachbarn auf dem Festlande Dalmatiens erhalten. Diese beun-ruhigten seit dem I. 1462 Dalmatim und fügten dem offenen Lande bei jedem der oftwiederkehrenden Streifzüge großen Schaden zu. Ein beständiger Kriegszustand war dienatürliche Folge dieses Verhältnisses, der selbst durch die Friedensschlüsse nicht beseitigetwmde, da die räuberischen Einfälle einzelner Horden, um Beute zu machen, fortdauerten

2) S. I. E. L. Simon de Sismsndi's Geschichte der italienischen Freistaaten imMittelalter. Aus dem Französischen. Zürich 1807. 1. Lhl. S. 425 u. f. Geschichte derRepublik Venedig. Nach dem Französischen des Grafen Dar» bearbeitet von 1>r. Hein-rich Bolzenthal. Leipzig 1824. I. Lhl. S. 33 u. f. vr. I. A. Feßler, die Ge-schichten der Ungarn und ihrer Landsaffen. Leipzig 1815. I. Bd. S. 483 u- f.