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3 (1846) [Cal - Deu]
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Dasberg.

kehrteer nach Negensburg zurück, wo er einzig seinem erzbischöflichen Berufe in einsamerStille lebte, bei eigenem Mangel Nothdürstige unterstützte und am 10. Februar 1817 indem 75. Jahre eines geprüften und vielbewegten Lebens starb.

Was die Entsagung Dalberg 's entschied, war ohne Zweifel der Stand der öffent-lichen Angelegenheiten, wie ste sich durch den raschen und fast beispiellosen Glückswechselin Europa und besonders in Deutschland gestaltet hatten. Ihm blieb keine Hoffnung einereinflußreichen Wirksamkeit, vielleicht nicht einmal die einer ehrenvollen Erhaltung seinerweltlichen Macht. Er entsagte ihr um so williger, da er lebensmüde den Kampf um ir-dische Güter meiden wollte, gegen die Alter und Erfahrung ihn mit Gleichgültigkeit erfüllt.Er war dahin gekommen, wo alles Streben für die Welt nach langen Jahren großer Hoff-nungen und Entwürfe und eben so großer Täuschungen mit dem Gefühle endet, daß Alleseitel sei. Das Spiel des Lebens, in dem man versucht und wagt, kann nur anziehen undunterhalten, solange man in ihm einen Einsatz hat und zu gewinnen oder zu verlierenhofft oder fürchtet. Daß er die Ernennung des Prinzen Eugen zu seinem Nachfolger durchNapoleon bestätigte, war nicht staatsklug, weil er sich dadurch nur schaden, dem Prin-zen selbst aber und dem Lande Nichts nützen konnte. Vielleicht glaubte er sich an sein ge-gebenes Wort gebunden und durch Anordnungen verpflichtet, die für gesetzlich gegoltenhatten. In dem Ausdrucke des Gefühles der Dankbarkeit, durch den er sich und den gefal-lenen Helden ehren wollte, der in glücklichen Tagen sich ihm wohlwollend erwiesen hatte,brachte er ein Opfer, dessen Werth vielleicht gerade darin liegt, daß er ihm selbst wie Na-poleon keinen Vortheil mehr bringen konnte- Der blindenAnhänglichkeit und Ergebungkonnte man ihn nicht beschuldigen, das hatte er in schwierigen Verhältnissen bewiesen.Während seines Aufenthalts zu Paris im Jahre 1810 sprach er dem französischen Kaiserohne Rückhalt seine Misbilligung über die Härte aus, mit welcher der Papst P ius VIl.von ihm behandelt ward. Er trug kein Bedenken, den ganzen Zorn des gereizten Macht-habers auf sich zu nehmen, indem er das mishandelteHaupt der Kirche mit strengem Ernstevertheidigte. Als der Krieg gegen Rußland entschieden war und Napoleon sich nachDresden begab, kam er den 14. Mai durch Aschaffenburg, woerDalberg einige Stun-den sah. Dieser sprach dem Kaiser seine Besorgnisse über den Erfolg einer Unternehmungaus, die ihm in ihren Ursachen weder hinlänglich begründet, noch in ihren Wirkungen ohnegroße Gefahren schien. Zugleich schilderte er ihm die bedenkliche Lage Deutschlands und dieeben nicht beruhigende Stimmung der Gemüther, die sich an manchen Orten offenbarte.Napoleon nahm die wohlgemeinte Mittheilung mit der Kälte auf, die dem Rathgeberzeigte, wie wenig man ihm ein Urtheil in dieser Sache zutraue.

Zu dem Entschlüsse D alb er g's, sich von dem öffentlichen Leben zurückzuziehen, hatdie schmähliche Behandlung, die er von der Presse im Dienste eines leidenschaftlichen Par-teihasses zu erdulden hatte, ohne Zweifel viel beigetragen. Er war kein Mann für Zeitenheftiger Bewegung und tiefer Erschütterung, die alle Kraft des Menschen zum Kampfefordert und im Kampfe sich nicht ängstlich in der Wahl der Mittel zeigt, wenn sie nur zumSiege führen. Sind die Gemüther durch große Interessen aufgeregt, die hier angesprochenund vertheidigt, dort versagt und bestritten werden, dann theilt die Welt sich in Parteien, dienach Parteien-Art alles Recht und alle Vorzüge wie alles Unrecht und alle Gebrechen nur aufEiner Seite finden. Aller Fanatismus erklärt mit seinem Koran in der Hand: Entwederglaubst du, was in ihm geschrieben ist, dann bist du ein Gläubiger, einKind des Lichts unddes Paradieses würdig; oder du glaubst es nicht, dann bist du ein Ungläubiger, der Finsternißverfallen und verdammt. In solcher Zeit erwarte man nicht Gerechtigkeit, Schonungund Milde. Es gilt den Sieg, und siegen muß man oder untergehen. Kein Ruf stehtfest, keine Tugend bleibt ungelästert, kein Verdienst wird anerkannt; es giebt nur Sün-der und Gerechte, jenachdem man zu einer Fahne schwört. Wer hier im Triumphe zumCapitol emporgetragen wird, sieht sich dort unter Verwünschungen vom tarpejischen Fel-sen herabgestürzt. Napoleon und Lafayette, Brougham und Peel, Goetheund Hugo haben ein gleiches Loos, nur in verschiedenen Reihen. In solcher Zeit desUebergangs, wo Bestehendes untergehen und Neues entstehen soll, ist der natürliche Zu-stand der des Krieges, in dem die Waffen gelten und die Gesetze schweigen, und den der