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3 (1846) [Cal - Deu]
Entstehung
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650
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650 Dalberg.

drücke Reichskrieg und Neichsfriede wurden Worte ohne Sinn, vergeblich suchte manDeutschland mitten im deutschen Reichskörper/' Und so verhielt es sich. Es war ein al-tes Lied, das mit den Worten ansing:

Das liebe hcil'ge rbm'schc Reich,

Wie hält's nur noch zusammen?

Und weil es Nichts mehr zusammenhielt, siel es aus einander. Das bisherige Reichs-oberhaupt schien es auch keine große Ueberwindung zu kosten, sich von solchen Reichsglie-dern zu trennen. Der Kaiser Franz entsagte feierlich der Kaiserkrone Deutschlands underklärte seine deutschen Ecbstaaten, die bisher zu dem Reiche gehört hatten, von demselbengetrennt. Die Auflösung des deutschen Reichs machte einen tiefen schmerzlichen Eindruck,der durch das verletzte Nationalgefühl bis zur Erbitterung gesteigert ward. Und doch be-stand ein deutsches Reich schon lange nicht mehr. Reichsglieder bekämpften sich, führtenmit dem Reichsoberhaupte Krieg und schlossen sich in Verträgen und Friedensschlüssenfremden Mächten an, die als Reichsfeinde handelten. So mächtig ist das Wort, die leereForm, daß sie den Menschen oft mehr als die Sache gelten. Die Schwäche Deutschlandslag gerade in der Form, die ohne Inhalt, in dem Worte, das ohne Sinn und Bedeutunggeworden war, und der Untergang dieser Form, des Wortes, erzeugte Schmerz und Er-bitterung, da man den Untergang der Sache, des Inhalts, sich schon lange gewöhnt hattefast ohne Lheilnahme zu sehen. Man könnte beinahe versucht sein, diese seltsame Erscheinung durch die Herrschaft des Lügengeistes zu erklären, dem der Mensch, nach einem Aus-drucke der Schrift, verfallen ist. Gern zieht er die süße Täuschung der bittern Wahrheitvor, und wenn er keinen gefälligen Betrüger findet, betrügt er sich selbst. Da der großeCäsar im Verdachte stand, die Hand nach dem königlichen Diadem auszustrecken, sieler ein Opfer des Meuchelmords. Der feige und verschlagene Aug ust und die Ungeheuer,die ihm folgten, übten die schrankenlose Herrschermacht mit unerhörter Willkür und Grau-samkeit, indem sie Namen und Formen der republikanischen Verfassung verächtlich be-stehen ließen. Eine anständige Gesellschaft trägt kein Bedenken, einem wüsten Leben denZutritt zu gestatten, da die freche Rede, selbst das leichtsinnige Wort, Jeden, der siewagte, ausschließen würde. Was ist auf solche Weise nicht Alles bei uns Form und Re-densart geworden? Man hebt die freie Presse auf, um die Freiheit der Rechtlichen undRedlichen gegen Frechheit zu schützen. Zur Sicherung der Person und des Eigenthumsder guten Bürger baut man Gefängnisse und Schaffotte, zur Beförderung des National-wohlstandes, zur Belebung des Handels und der Gewerbe sagt man unerschwinglich -Steuern an, führt Zölle und Mauthen ein, aber Alles zum Besten der getreuen Unter-thanen- Und sollten die Rechtlichen und Redlichen, die guten Bürger, die getreuen Un-lerthanen die wohlwollende Absicht nicht ehren und dankbar anerkennen ? Wie Vieles istin unfern Constitutionen, Gesetzen und Anordnungen nicht in diesem Geiste, nur einfreundliches Wort, um «ine harte Verfügung mit Anstand einzuführen? Der Moderder Verwesung wird uns erträglich, lügt das gleisnerisch übertünchte Grab nur das Daseindes Lebens. Den Becher, den uns die Willkür mit herbem Tranke reicht, nehmen wirohne Widerstreben an, ist nur der Rand desselben mit dem süßen Safte liberaler Floskelnbestrichen. Welchen Zorn hat nicht die Warschauer Rede des Kaisers Nicolaus (1835)erregt! Und was sagte sie? Nichts Anderes als was geschehen war, was Polen schonhärter und schmachvoller hatte erdulden müssen, was auch andere Regierungen sich gegenunglückliche Besiegte schon oft erlaubt. Das Wort war es also, was die Theilnahme,das Gefühl der Gerechtigkeit und Menschlichkeit empörte und nicht die That!

Die alte Reichsverfassung hatte den Unterlhanen gegen die Eingriffe der fürstlichenMacht einigen Schuß gewährt, die Rheinbundesacte gab den Rheinbundesfürsten eine un-beschränkte Souverainetät. Sie nahm und verschenkte, das Recht des Besitzes so wenig alsden Wunsch der Völker achtend, Länder nach Gutdünken, und wie es die Selbstsucht undder Eigennutz des französischen Machthabers, dem die feile'Kunstfertigkeit Tal leyr and'sin dieser Sache diente, zweckdienlich fand. Diese Schmach ward tiefgefühlt, und diesliefe Gefühl verkündete den Tag der rächenden Vergeltung, der auch kommen sollte. Dal-berg stand im Verdachte, zu der Rheinbundsacte mitgewirkt zu haben, und sein