Druckschrift 
3 (1846) [Cal - Deu]
Entstehung
Seite
649
Einzelbild herunterladen
 

Dalberg. 649

cember 1805 der Friede von Pcesburg folgte, gaben Deutschland willenlos in des SiegersHand. Napoleon hatte indessen den verwegenen Aufruf des Kucerzkanzlers nicht ver-gessen. Als ec auf der Rückkehr nach seiner Hauptstadt nach München kam, wo die Ver-mählung seines Stiefsohns Eugen milder Prinzessin Auguste von Baiern gefeiertwerden sollte, ließ er den Kurerzkanzler dahin bescheiden, um den Ebebund einzusegnen.Bei dieser Gelegenheit stellte er ihn des Aufrufs wegen zur Rede, tadelte sein Benehmenmit harten Worten und suchte ihn nach seiner Weise durch heftige Aeußerungen einzuschüch-tern. Dalberg rechtfertigte sich mir seiner Pflicht, die er gewissenhaft erfüllt, undwollte den Versuch nicht strafbar finden, in einer schweren, verhänqnißvollen Zeit seinedeutschen Mitstände zur Eintracht ermahnt zu haben. Er fügte die Worte bei: tzuant üm»i, 8ire, so n'ai rien ü perckre, voun m'aror <isjü mi« L la <li«Ie vt ü I'euii. Einglückliches und treffendes Wortspiel mit dem Reichstage und Diät, und weil der Rhein-schifffahrtsoctroi, das Wasser also, sein dürftiges Einkommen ergänzen sollte. Wäre er demAusdrucke dieser Gesinnung treu geblieben! Er hatte noch Größeres zu verlieren als wasverloren war, noch Werthvolleres als was ihm Reichstag und Zölle ersetzen konnten. Erverlor es in den Augen Vieler, indem er den Cardinal Fesch, einen Oheim Napoleon 's,zu seinem Coadjutor und Nachfolger ernannte. Durch diesen fast unbegreiflichen Schrittverletzte er das deutsche Nationalgefühl empfindlich und die deutsche Ehre vergab ihm niedie Schmach, sich freiwillig unter das Joch der Fremden gebeugt zu haben. Dieser soauffallende Vorgang würde sich indessen auf eine sehr einfache Art erklären lassen, wennman der glaubwürdigen Versicherung nicht widersprechen könnte, daß die diplomatischeVormundschaft Deutschlands das Bestehen eines geistlichen Staates zweckwidrig gefundenund im wohlverstandenen Interesse ihres Mündels denselben ausgeboten und in Parcellenschon wirklich losgeschlagen gehabt. Dalberg, von diesem Vorhaben durch seinen Mi-nister Albini zur rechten Zeit unterrichtet, that sogleich die geeigneten Schritte bei Na-poleon, um diesem Schlage vorzubeugen, und es gelang ihm, denselben für sich zu ge-winnen, indem er dessen Oheim, den Cardinal Fesch, zu seinem Coadjutor und Nach-folger vorschlug. Gewiß ist, daß Dalberg mit dem Ausdrucke inniger Dankbarkeit imVertrauen erwähnte, wie er die Erhaltung des Staats, dessen Regent er war, einzig N a -p oleon schuldig sei. Wenn Dalberg seine Erkenntlichkeit zu weit getrieben habensollte, dann lag das in seinem Charakter, und er hat sich dessen weniger zu schämen als ersich des Gegentheils schämen müßte. Ohne Zweifel schmeichelte sich Dalberg mit dergutmüthigen Hoffnung, Napoleon 's Wohlwollen zu gewinnen, ihn der deutschen Sachegeneigt zu machen und für sie durch einen nahen Verwandten günstig zu stimmen. Vondieser Wahl ward dem römischen Stuhle und Sr. kaiserlichen Majestät, dem allerhöchstenReichsoberhaupte, die gebührende Anzeige gemacht, um ihre Genehmigung zu erlangen.Der Kaiser Franz, seinem Charakter treu, lehnte in einem kurzen aber würdevollenSchreiben vom 18. Juni 1806 diesen Act der Schwäche von sich ab. Napoleon da-gegennahm die Ernennung seines Oheims wohlgefällig auf, mit der Erklärung, daß sieDeutschland Vortheil bringen werde. Deutschland, das wahre, ächte Deutschland wollteNichts von dem Vortheile wissen, der ihm von Frankreich kommen sollte. Mit Rechtfürchtete es die Danaer, selbst wenn sie Geschenke boten, und was Napoleon den Völ-kern, besonders aber den fremden, schenkte, brachte ihnen wenig Segen. Der verheißeneVortheil ward Deutschland bald in der Rheinbundsacte wirklich gewährt. Die alte Reichs-verfassung, die sich schon lange selbst überlebt hatte, ward aufgehoben und mehrere süd-deutsche Staaten, erst Baiern, Würtemberg, Baden, die Landgrafschaft Hessen und dasGebiet des Kurerzkanzlers, wie es sich jetzt gestaltete, nebst anderen kleinen Gebieten tra-ten zu einem Bunde zusammen, welcher der rheinische hieß und unter dem Schutze Napo-leon's stand, der auch den Titel eines Protectors desselben führte. Bald nachdem dieerste Scheu vorüber war und die Fürsten die Vortheile erkannten, die ihnen die Bundes-acte gewährte, schlossen sich ihr auch andere, selbst nordische Staaten an. In der Urkunde,durch welche die Rheinbundsfürsten sich von ihrer bisherigen Verbindung mit dem deut-schen Reiche lossagten, hieß es:Schon von früherer Zeit an mußten nothwendig alleBegriffe von einem gemeinschaftlichen Vaterlands und Interesse verschwinden. Die Aus-