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3 (1846) [Cal - Deu]
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Dalberg.

dm Dalberg als dm Würdiger» und Werthern gewünscht. Der Schmerz macht oftungerecht, und die Ungerechtigkeit sieht man dem Schmerze, des Grundes wegen, der ihnerzeugt, gern nach. Wo die öffentliche Gesinnung durch Parteien und den hadernden Geist,der sie beseelt, gespalten ist, da darf auch der Redlichste nicht auf Anerkennung zählen.Das Wesen selbstständiger Gemeinheiten, Körperschaften, Stände und Innungen ist derFürstenmacht nicht hold, die nach Einheit strebt. Aber Dalberg's Streben trat selbstdiesem freien Wesen nie mit feindlicher Absicht entgegen. Wenn es an ihm hier getadeltward, daß er, altgläubig, das Lutherthum nicht über das Papstthum setzte, dort, daß erals wahrer Katholik seinem Glauben und dem Glauben seiner Väter nicht den Sieg überdm Protestantismus gab, dann läßt man hier und dort den Tadel für das gelten, was erist. Wie Viele konnten dem Fürsten es nie vergeben, daß er dem verhaßten und verachte-ten Geschlechts der Juden dm Zwinger einer Gaffe öffnete, in die es ein christlicher, alt-reichsstädtischer Gebrauch aufgeschichtet zusammendrängte; ja daß er ihm sogar gestattete,die Spaziergänge der Christen zu betreten! Solcher Vorwurf fällt freilich dem Unbefan-genen seltsam aus; doch darf man sich über ihn nicht wundern. Wo es die Interessen destäglichen Lebens, die Vorurtheile der Angewöhnung und Erziehung oder eines misverstan-denen Glaubens gilt, da herrscht nur zu oft das Gemeine vor. Die Freiheit spricht Jevergern als sein angebornes Recht, aber fremde Sklaverei auch als sein wohlerworbenes undererbtes an.

Auch Frankfurt verdankt Dalberg vielseitige Verbesserungen seines Staatshaus-haltes. Er beförderte Bildung und Unterricht, trennte auch hier, wie er zu Regensburggethan, das Waisenhaus von dem Zuchthause, mit zartem Sinne Noch und Dürftigkeitvon Vergehen und Verbrechen scheidend. Er regelte Nie Verwendung der öffentlichen Gel-der , gründete eine Hilfscasse für verarmte Gewerbsleute, unterstützte die Staatsdiener undhilfsbedürftigen Wittwm, wendete durch seinen Einfluß, den er mit Nachdruck geltendmachte, von Frankfurt eine Contcibution von mehr als einer Million Franken ab, di« derBürgerschaft von Frankreich angesetzt worden war, und trug zur Verschönerung der Stadtund ihrer Umgebung so wesentlich bei, daß sie eigentlich sein Werk genannt werden kann.Der Verfassung, die er im August 1810 dem Großherzogthume Frankfurt gab, erwähnenwir nicht, weil sie als eine flüchtige Erscheinung der Zeit vorübergegangm ist, obgleich siefür seine freisinnigen Ansichten und wohlwollende Gesinnung Zeugniß giebt.

Dm bittersten Tadel hat sich Dalberg durch sein Verhältnis zu Frankreich undNapoleon zugezogen. Wie er für sein deutsches Vaterland gesinnt und was er ver-sucht, um es vor der Schmach fremder Herrschaft und Unterdrückung zu bewahren, ha-ben wir zum Theil erwähnt. Die Geschichte sagt, was die Reichsstände gethan undwie Dalberg 's Warnung und Mahnung ausgenommen worden ist. Daß Preußen sich1795 durch den Baseler Frieden mit Frankreich abgesunden und sein Beispiel auf anderedeutsche Staaten nicht ohne Einfluß geblieben, Frankreich das bekannte und beliebte:Theile um zu herrschen" erleichterte, erzählte die Zeitgeschichte. So kam es dann undmußte wohl so kommen, daß Frankreich seit dem Rastadter Eongresse seinen verderblichenEinfluß auf Deutschland immer mehr befestigte und erweiterte, bis die außerordentlicheReichsdeputation zu Regensburg unter französischer und russischer Aufsicht das Werk dereigenen Verstümmelung und Zerfleischung selbstmörderisch vollendete. Mächtigere undGrößere als Dalberg haben sich vor Napoleon gebeugt und sich seinem Willen alseiner unabweisbaren Nothwendigkeit gefügt, vordem Manne, der seinen Namen durchglorreiche Siege in drei Welttheilen verherrlicht, der sich aus eigenen Mitteln ein Reichgegründet, wie es seit Karl dem Großen in Europa nicht bestanden, der Könige mit ei-nem Federzuge entthront und eingesetzt, der ein großer Feldherr, ein großer Staatsmannund ein großer Gesetzgeber gewesen ist, nur kein großer Mensch. Die wahre Größe, diereine menschliche, die uns dem Heiligsten und Höchsten, dem Ideale, in dem wir dieGottheit uns versinnlichen und verehren, näher bringt, hätte Napoleon nicht zumGründer eines gewaltsam zusammengefügten Reichs, zum Dränger unsers Welttheilsund zum Eidam des Erben der Cäsaren gemacht. Geschlechter wie Einzelne ernten, was