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3 (1846) [Cal - Deu]
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Dalberg. 645

sie sind aber nur auf ruhigere Zeiten berechnet. In der Gefahr eines nahe bevor-^stehenden Umsturzes ist der Beifall wahrer deutscher Patrioten und die stillschweigendeBilligung rechtschaffener Männer hinreichend, um diejenigen Mittel als rechtmäßigzugebrauchen, welche allein die öffentliche Sache retten können: und wenn es nicht anderssein kann, so biete der Erzherzog die Mannschaft in Masse auf und, taub bei den Klageneiniger Uebelgesinnten und den furchtsamen Bedenklichkeiten einiger Kurzsichtigen, er-greife er das Ruder, um das Schiff aus dem Schiffbruche zu retten." So äußerte sichDalberg über die Lage des Vaterlandes zu einer Zeit, wo noch Rettung möglich gewesenwäre. Seine Stimme war eine Stimme in der Wüste. Der französische Einfluß, dersich schon bei der Reichsdeputation zu Regensburg, in den Jahren 1802 und 1803, durcheine gebieterische Einmischung geltend gemacht hatte, befestigte sich immer mehr, bis ihmunter günstigen Umständen die fast willkürliche Entscheidung unseres Looses zusiel. Wenaber trifft der schwerste Tadel, den Sieger, der nach Siegers Brauche seine Macht zumeigenen Vortheil zur Ungebühr benutzt, oder den Besiegten, der durch eigene Schulddiese Macht erhoben und befestigt hat ? Wer sich selbst nicht zu retten vermag, findet infremdem Beistände, der ihn retten soll, nur früher oder später seinen Untergang. Derfranzösische Einfluß ging, bei späterem Wechsel des Glücks, an andere Mitbewerber über;werden diese ihn zum Glücke Deutschlands großmüthiger üben?

Am 25. Juli 1802 verschied Friedrich Karl Joseph von Erthal zu Aschaffenburg,und Dalberg folgte ihm in der Regierung. An drei Jahre früher war ihm das BisthumConstanz zugefallen. Von dem schönen Kurstaate, der auf 170 Geviertmeilen 350,000Menschen mit zwei Millionen Gulden Einkünften zählte, blieben ihm nur karge Reste, dasFürstenthum Aschaffenburg, das arme Eichsfeld und die Stadt Erfurt mit ihrem Gebiete.Die.außerordentliche Reichsdeputation, welche am 24. August 1802 zu Regensburg ihreSitzungen begann, sollte die Mittel einer verhältnißmäßigen Ausgleichung des erlittenenVerlustes und einer billigen Entschädigung bestimmen und anweisen. Man konnte nurgeben, wenn man nahm und nehmen ließ sich nur, wo der Besitzer sein Eigenthum nichtschützen konnte. Man theilte, wie man immer theilt, wo der Stärkere und der Schwä-chere sich mit ihren Ansprüchen gegenüberstehen; die Löwentheilung, eine Fabel, die inder Geschichte eine Wahrheit, so alt wie die Geschichte ist. Der Reichsdeputations-Receßvom 25. Februar 1803 übertrug den Stuhl von Main; auf die Domkirche zu Regensburg,mit der die Würde eines Kurfürsten, Reichserzkanzlers, Metropolitan-Erzbischofs undPrimas von Deutschland auf ew ige Zeiten vereinigt bleiben sollte. Von welcher Dauerdie ewigen Zeiten im diplomatischen Style sind, ist bekannt. Da das Geistliche ohne dasWeltliche so wenig als die Seele ohne den Leib bestehen kann, so wurde die Ausstattung desKurfürsten Erzkanzlers auf die Fürstenthümer Aschaffenburg und Regensburg, die Reichs-stadt Wetzlar in der Eigenschaft einer Grafschaft und einige andere Besitzungen begründet.Den Gesammtbetrag der jährlichen Einkünfte aus den überwiesenen Landen schlug manzu 600,000 Gulden an. Da die bewilligte Entschädigung indessen auf eine Million fest-gesetzt war, so sollte, was an dieser Summe abging, aus dem Ertrage des Rheinschiff-fahrtsoctroi ergänzt werden. Wie mislich das Erheben und Eintreiben dieses Beitragswar, den verschiedene Regierungen der Uferstaaten zu leisten hatten, läßt sich begreifen,und der gute Dalberg konnte sich davon durch die Erfahrung überzeugen. Einige Jahrespäter, da die ewigen Zeiten vorüber waren, erhielt er Frankfurt, Fulda und Hanau,wofür Regensburg an Baiern abgetreten ward.

Die Ausstattung des Kurfürsten Reichserzkanzlers war eben nicht glänzend ausgefallen.Karl Theodor aber hatte wenige Bedürfnisse und auch bei beschränkten Mitteln wardes ihm nicht schwer, Nothleidende zu unterstützen. In einer stürmischen, gefahrvollen Zeit,wo die Last des Krieges das Volk erdrückte und die Verpflegung der Heere die Hilfsmittel desLandes erschöpfte, sorgte er väterlich für das Wohl seiner Unterthanen und war bemüht,in allen Zweigen der Verwaltung Ordnung und Sparsamkeit und Verbesserungen jederArt einzufühcen. An der Schuld von anderthalb Millionen, die auf Regensburg lastete,trug er in den sieben Jahren, die er dieses Land regierte, über 166,000 Fl. ab, vermin-derte die Abgaben, gründete eine musterhafte Anstalt zur Unterstützung der Armen, legte