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3 (1846) [Cal - Deu]
Entstehung
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643
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Dalberg. 643

Mittel es zu befördern und zu sichern und in gefahrvoller Zeit es vor Zwist und Spaltungzu bewahren, zum Gegenstände hatte. Dalberg kannte die Krankheit seines Vater-landes und verzweifelte nicht an seiner Rettung. Er meinte, nur ein engeres Band, dasden Kaiser mit dem Reiche und den Reichsstanden inniger einigte und der Verfassung undRegierung eine größere Einheit und mehr Nachdruck gäbe, könnte es gegen die Gefahrensichern, die ihm droheten. Der Kaiser Joseph theilte diese Ansicht über die Natur desUebels, hielt aber die vorgeschlagenen Mittel zur Heilung, wenn auch für zureichend, dochfür schwer zu finden.Es ist der Stein der Weisen, sagte er in einem Schreiben anDalberg vom l 3. Juli 1787, der kaum zu entdecken sein wird, weil es darauf an-kömmt, die verschiedenen Interessen zu vereinen, besonders der Untergebenen, die vorsätz-lich die Angelegenheiten Deutschlands verwirren und sie wahrhaft zu einer unerträglichenPedanterie machen, um die Fürsten abzuschrecken, ihre Angelegenheiten durch sich selbst zubetrachten, und sie über ihre eigenen Interessen zu verblenden, sie in Abhängigkeit zu er-halten und sich nothwendig zu machen. Wenn sich, schließt der Kaiser, unsere gutendeutschen Mitpatrioten wenigstens eine patriotische Denkungsart geben könnten, wenn sieweder Gallomanie noch Anglomanie, weder Prussiomanie noch Austromanie hätten,sondern eine Ansicht, die ihre eigene wäre, nicht von Andern erborgt; wenn sie wenigstensselbst sehen und ihre Interessen prüfen wollten, während sie meistens nur das Echo einigerelenden Pedanten und Jntriguanten sind!" Eine Manie, die gefährlichste von allen,welche die übrigen Manieen erzeugt hat und erhielt, die Manie der Absonderung von derGesammtheit, des Privatvortheils wegen, hat der Kaiser übersehen. Dieses Erbübelder Deutschen, das sich bei ihrer großen Zersplitterung durch zahlreiche Geschlechter fort-gepflanzt und mit der Zeit verschlimmert und befestigt hat, ein Gemeinwesen, in dem sichfast Nichts als gemein erhielt, die Sprache ausgenommen, indem der Theil auf Kostendes Ganzen oder der übrigen Theile gewinnen wollte und seinen Vortheil selbst im Nach-theile der Gesammtheit suchte, dieses Erbübel hat Deutschland zu Grunde gerichtet. Eshätte ein Karl der Große, ein Peter von Rußland, ein Napoleon mit mächtigerHand die getrennten Pfeile in ein Bund zusammenfassen und befestigen müssen, um ihnenStärke und Dauer zu geben. Aber Naturen wie diese sind seltene Erscheinungen inJahrtausenden, und wenn auch die Zeit sie gefunden hat, dann finden sie nicht immer dieZeit, in der ein solches Werk gelingen mag. Dalberg, der sein Ansehen und seinenEinfluß immer vergrößert sah, 1788 zum Eoadjutor des Fürstbischofs von Constanz undein Jahr früher zum Eoadjutor im Hochstifte Worms ernannt worden war und mit jedemTage an öffentlicher Achtung gewann, wollte, was er vermochte, zur Einigung und Kräf-tigung von Deutschland thun. Was ihm gelungen wäre, ist wohl vorauszusehen, auchwenn sich alle Umstände seiner redlichen und schönen Absicht günstig gezeigt hätten. Daaber zog das Gewitter einer furchtbaren Revolution an dem Himmel von Frankreich auf undtrug seine sengenden Blitze und verheerenden Stürme über die Nachbarlande. DiesesEreigniß verwirrte alle Zirkel der berechnenden Politik. Leidenschaft, Voructheil, Be-schränktheit deuteten die Erscheinung nach ihrer Weise, um sie nach ihrer Weise zu benutzen.Der aristokratische Dünkel sah in ihr einen Helotenaufstand, den man nicht schnell undstreng genug bestrafen könne. Der leichtfertige Uebermuth der französischen Ausgewander-ten nährte und bestärkte diese Meinung. In der nur zu bekannten Proklamation desHerzogs von Braunschweig sind die Gesinnungen der vornehmen Welt, wie sie damalsvorherrschten, ohne Rückhalt ausgesprochen. Wenige Höherbegabte hatten Einsicht undBesonnenheit genug, um in der französischen Revolution den gewaltsamen Uebergang zueiner neuen politischen und gesellschaftlichen Ordnung der Dinge in Europa zu erkennen odernur zu ahnen. Noch Wenigere begriffen, daß man eine Revolution erzwungenhatte, weil Reformen verweigert worden waren. Das ist immer der Fall;aber darf man sich wundern, daß damals so selten begriffen ward, was man jetzt noch nichtbegreifen will?

An den Thoren Frankreichs wurden die französischen Prinzen und ihr zahlreichesGefolge mit Auszeichnung empfangen und gastfrei ausgenommen. Der Kurfürst Erthal,ein Mann von Geist und Einsicht, prachtliebend wie er war, scheute keinen Aufwand, um

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