642 Dalberg.
finstern Aberglaubens im glanzenden Morgenroth erwachte. Die leichten Wölkchen, dieaufstiegen und sich am Himmel sammelten, verhießen nur eine Milderung des Sonnen-brandes am heißen Mittag und erfrischenden Regen. Wenige erkannten oder ahneten dasGewitter, das, mit Schrecken und Verheerung, vernichtend und belebend, über die Weltgehen sollte. So aber kam es, und wir stehen noch unter diesem Gewitter. Das schöne,freundliche Bild einer höhern Gesittung und vorurtheiksfreien Bildung mit dem Strebenzum Höchsten, was der Mensch erreichen kann, zur Humanität mit den philanthropischenEntwürfen und idealen Zwecken findet sich vielleicht am treuesten in dem bessern Theile derconstituirenden Versammlung, die später in Frankreich ins Leben trat, dargestellt.
Zu Mainz betrat Karl Theodor die Laufbahn seines inhaltreichen öffentlichenLebens. Er wurde Domicellar in den Erzstiften Mainz und Würzburg, und dann inbeiden Domherr. In dieser Stadt lebten seine Verdienste, die er sich als Rector derUniversität und Schnlrath um den Unterricht und die Erziehung erworben, lang in dank-barer Erinnerung. Im Jahr 1772 ernannte ihn der Kurfürst von Mainz zum wirklichenGeheimenrath und Statthalter von Erfurt. Fast in dieselbe Zeit (1777) fällt die Er-scheinung seiner Schrift: „Betrachtungen über das Universum", durch welche er zu seinemliterarischen Rufe den Grund gelegt. War auch sein Wirkungskreis als Statthalter vonErfurt in dem beschränkten Gebiete nicht groß an Umfang, dann machte er ihn wenigstenswohlthäkig und segenvoll durch sein ernstliches Bemühen, das Glück der Bewohner nachKräften zu fördern. Gerechtigkeit und Menschenliebe leiteten sein Verfahren, und da erEinsicht mit Wohlwollen verband, verfehlten seine Anordnungen selten den erwünschtenZweck. Er erließ weise Verfügungen, die Rechtspflege betreffend, suchte den Landbau zuverbessern, munterte Handel und Gewerbe auf, nicht, indem er ihnen durch Belohnungenein künstliches Leben gab, sondern durch Befreiung von Lasten und Hindernissen, die ihreEntwicklung aufhielten oder störten. Für Unterricht und Erziehung zeigte er sich unermüd-lich, und Kunst und Wissenschaft, denen ihn die eigene Neigung so sehr befreundete, fan-den in ihm einen großmüthigen und eifrigen Beförderer. Die Erfurter Akademie nützlicherWissenschaften verjüngte sich, indem er ihrem siechen Dasein frische Lebenskräfte zuführte.Nicht nur mit Geldmitteln unterstützte er sie, sondern gab ihr auch eine zeitgemäßere Ein-richtung und weckte durch sein Beispiel eine heilsame Nacheiferung. Die herausgegebenenSchriften dieser gelehrten Gesellschaft zeigen, daßDalberg nicht nur ihr einsichtsvoller^Präsident, sondern auch eines der thätigsten Mitglieder war. Was Karl Theodorals Statthalter dem Lande gewesen, davon geben die Gesinnungen der Bewohner, die sieihm bewahrt, ein unverwerfliches Zeugniß. Die einfache Sprache des Volkes, die einegültigere Bürgschaft des Werthes eines Regenten ist als die wohlgesetzte Rede eines besol-deten Akademikers, haben wir selbst zur Zeit an Ort und Stelle vernommen, und gewiß,sie ehrte den wohlwollenden, menschenfreundlichen Dalberg mehr, als der glorreicheLudwig XIV. je von seinem Volke geehrt ward, und in solchen Fällen ist die Stimme desVolkes wahrhaft Gottes Stimme. Erfurt brachte ihn mit dem benachbarten Gotha undWeimar in leichte Verbindung. Er schloß sich den Heroen der deutschen Literatur, Her -der, Wieland, Goethe und Schiller, befreundet an und suchte ihre literarischenBestrebungen durch seinen Einfluß und Beistand zu fördern.
Das Mainzer Domcapitel wählte 1787 einen Eoadjutor und Nachfolger des Kur-fürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal und die Wahl siel auf unfern Dalberg,obgleich der Kurfürst sie ungern sah. Diese Auszeichnung verdankte er vorzüglich demEinfluß von Oesterreich, der sich für ihn geltend machte. Die Statthalterschaft von Erfurtbehielt er indessen bei und fuhr fort, an dieser Stelle der Vater eines Landes zu sein, dasihm schon so viel verdankte. Von hier machte er noch in demselben Jahre eine Reise nachWien, um mit dem kaiserlichen Hofe in persönliche Berührung zu kommen. Die Liebens-würdigkeit seines Charakters, das Wohlwollen seiner Gesinnungen und die Mannigfaltig-keit seiner Kenntnisse gewannen ihm Achtung und Zuneigung, und der edelmüthige Kai-serJoseph, der das Gute aufrichtig wollte, wenn er auch nicht immer das rechte Mittelfand, es zu erreichen, würdigte ihn nach seinem wahren Werthe. Zwischen beiden aus-gezeichneten Männern fand nun ein Briefwechsel Statt, der das Wohl Deutschlands, die