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3 (1846) [Cal - Deu]
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Dalberg.

Brüder und eine Schwester hatte, ward zum geistlichen Stande bestimmt, der ihm dieglänzendsten Aussichten in die Zukunft zu gewähren schien. Unter seinen Vorfahren zähltedie Kirche angesehene Diener, Heribert, Erzbischof und Kurfürst von Köln, Wolf-gang, Erzbischof und Kurfürst von Mainz, Johann, Bischof von Worms, undAdolph, Fürstabt von Fulda, und Karl Theodor sollte keinem berühmten Spröß-linge seines Geschlechts nachstehen. Seine frühere Erziehung und Bildung erhielt er unterder Aussicht und Leitung seines Vaters, besuchte dann die Universitäten Göttinqen undHeidelberg, schloß hier seine akademische Laufbahn und erhielt die Würde eines Doctorsbeider Rechte. Bei dieser Gelegenheit schrieb er eine Promotionsschrift in lateinischerSprache, welche 1761 im Druck erschien und von den Fähigkeiten und Fortschritten ihresVerfassers ein günstiges Zeugniß gab. Darauf kehrte er nach Mainz zurück und setzte imväterlichen Hause und auf Reisen, die er durch verschiedene Gegenden Deutschlands machte,seine Bildung fort.

Unter dem Kurfürsten von Mainz Friedrich Karl Joseph blüheten Kunstund Wissenschaft, die nicht nur eine großmüthige Unterstützung und Aufmunterung, son-dern bei dem Fürsten selbst wie bei seiner glänzenden Umgebung eine freundliche Theil-nahme fanden. Unter der aufgeklärten und sorgfältigen Leitung des Kanzlers v. Benzelerhob sich die Universität zu einem wohlverdienten Rufe, der sie den ersten HochschulenDeutschlands mit Recht an die Seite setzte. In den meisten Fächern waren Männer an-gestellt, welche Proben ihrer Meisterschaft gegeben haben. Für den öffentlichen Unterrichtward freigebig und mit Aufmerksamkeit gesorgt und zur zweckmäßigen Bildung von Schul-lehrern eine Normalschule errichtet, welche die Landschulen mit fähigen Leuten versah.Das Theater gehörte zu den besten, die man in Deutschland kannte und ward im Schau-spiel vielleicht nur von dem in Mannheim übertroffen, wenn es ihm nicht zur Seite stand.Die Kapelle war vorzüglich und zählte ausgezeichnete Künstler. Es herrschte ein leben-diges Streben und freies Wirken auf der Bahn der geistigen Entwicklung, und die höher»Stände verschmähten es nicht, sich mit den Bürgerlichen in gleichen Kampf um den Preisder wissenschaftlichen Bildung und humanen Gesittung einzulassen. Friedrich der Großeund Kaiser Joseph gaben in ihren Staaten ein überraschendes Beispiel von freisinnigenAnsichten, edelmüthigen Grundsätzen und von Achtung für Vernunft und Recht, für Auf-klärung und Entwicklung der geistigen Anlagen und materiellen Kräfte, die, wenn auchvielleicht manchmal misverstanden und übereilt, doch wunderbare Folgen hatten, und dgZBeispiel der Hochgestellten ging für die Niedern nicht verloren. Eine allgemeine Reforttibrach sich Bahn, das sah man. Klöster wurden in katholischen Ländern aufgehoben undihr Vermögen zum Besten des Unterrichts oder für Staatszwecke verwendet. Der Aber-glaube fand seine entschiedensten Gegner selbst in Ständen und Personen, die es früher fürihren Beruf gehalten hatten, ihn zu pflegen. Die Misbräuche des Papstthums, desMönchswesens und des geistlichen Einflusses wurden schonungslos gerügt, und von dentheologischen Kathedern schleuderten eifrige Professoren die Blitze ihrer beredten Dialektikgegen den Hildebrandismus. Man sprach nur von Duldung und gegenseitiger Anerkennungmenschlicher Rechte, ohne Rücksicht auf Confession und Stand. Der erste geistliche Kur-fürst berief ausgezeichnete Protestanten in sein Land, und Männer wie JohannesMüller und Georg Förster wurden mit verdienter Auszeichnung behandelt. Daskatholische Deutschland machte, mit seltenen Ausnahmen, seine Reformation naturgemäß,weil sie durch Einsicht, Glauben und Meinung vorbereitet war, ohne bürgerlichen Hader,oder Kampf und Blutvergießen.> Es war eine merkwürdige Zeit, in welcher unser Dal-berg seine große, verschlungene Laufbahn begann. Liberale Gesinnungen und Gefühle,wie wir sie jetzt heißen, beseelten die verschiedenen Stände, welche in allen öffentlichen undgesellschaftlichen Verhältnissen sich einander näherten und reinmenschlichen Beziehungengern eine Stimme gaben, wo bisher nur Standesvorzüge und Auszeichnungen der Geburtund des Ranges das Wort geführt hatten. Man ging dem philosophischen Jahrhundertemit raschen Schritten entgegen und die Nähe dieses goldenen Zeitalters wurde mit Zuver-sicht angekündigt und mit Frohlocken begrüßt. Die Sonne der Aufklärung sah man überdie Erde sich erheben, die aus dem langen Schlafe einer dumpfen Unwissenheit und einesStaatS-Lerlkon. HI. 41