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3 (1846) [Cal - Deu]
Entstehung
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Cult.

Da demnach der Cult eines so gedachten Gottes nicht ästhetisch und nicht theoretischwerden konnte, so gingen die moralischen Begriffe von seinen Eigen-schaften in das Politische, in die Satzungen für das häusliche undbürgerliche Leben über. Die ganze Lebens-Ordnung oder Regierung der an ihnGlaubenden mußte sein Cult werden. Die aus Äbrahamiden, aber auch aus einer Mengeerkaufter (in der Vielgötterei erwachsener) Hausknechte bestehende, aus zwölf Horden unterMose, dem Befreier und Gesetzgeber, sich vereinende Nation verehrte ihren nichtsichtbaren Gott, indem sie eine Regierung, anfangs von Priestern, nachher von ^dictatorischen Feldherrn und Richtern (den Suffeten), endlich von Wahl- und dann vonErbkönigen annahm , von welcher die Grundregel war, daß nur was alsihres Gottes Wille gedacht werden könne, für sieGesetz undStaats-ordnung sein dürfe. Die vollständigste Gottesverehrung besteht dort,wo man in Allem und Allem nur den Willen des geglaubten Gottes zu befolgen glaubt.

So sollte der alten Hebräer Gottesreich oder Theokratie durchgängig einCult ihres Gottes sein. Das ganze äußere Leben des Hebräers war dem Vorsatz .nach Gottesverehrung, Befolgung dessen, was der von ihm zum Nationalgott gewählteallgemeine moralische Weltgott theils überhaupthin, theils den Zeitverhältnissen gemäßwollen könne.

Nichts wäre vortrefflicher und also wünschenswerther, als durchaus nur nach dem,wlis Gott - - der Vollkommenwollende als das Reckte und Beste wollen kann, regiert zuwerden. Zum Unglück aber fehlt immer nur die Brücke zum unmittelbaren Uebergang,um jedesmal, was Jener wolle, unfehlbar, das ist ohne Einmischung menschlicher Fehl-barkeit erfragen zu können. Allerdings erhebt den denkkräftigen und redlichwollenden Pa-trioten, wie Mose war, derheilige Gottesgeist" oder die lebhafte Begeisterung für dasGotteswürdige so sehr, daß er durch sein innigstes Bestreben, nur was sein gerechtgütiger )Gott wollen könne, einzusehen und vorzuschreiben, oft in seinen Gesetzvorschriften dasMöglichbeste erreicht. Vom Rechtwollen zum Richtigdenken überzugehen, dieses ist dieMethode, welche uns Erdengeister immer am meisten zum Praktischwahren führte. Da-her ist in den althebräischen Regierungsmaßregeln so vieles theils an sich, theils den Um-ständen gemäß Vortreffliche, das, wenn nur der Geist aus dem überlieferten Buchstabenwie der Funke aus dem Kieselstein, ans Licht gebracht wird, auch jetzt noch Nachahmungs-würdiges«-«; wie das Umwandeln der Priester aus bloßen Opferern in thätige Leiter derrechtlichen, ärztlichen, polizeilichen Bedürfnisse des bürgerlichen Lebens, wie das Beschü-tzen muthiger prophetischer Redefreiheit ohne ein Fesseln an Jnfallibilität der Begeister-ten u. dgl. m.

Aber wie wäre ein Regiertwerden durch das Göttlichgewollte anders ausführbar alsvermittelst dazwischen tretender Menschen? Und diese, wie könnten sie gleich im Anfangganz und rein das Gotteswürdige denken? Wie ist in folgenden Generationen zu verhin-dern, daß sie nicht auch das allzu menschlich Gewollte als göttlich gewollt zu einer egoisti-schen Fessel machen, die nur, wenn nach Jahrhunderten nach und nach nicht nur die Verständig-sten, sondern auch das Volk oder die Meisten für das, was Gott nicht gewollt haben könne,den idealen Maßstab der Vernunft gebrauchen lernen, allmälig abgestreift werden kann?

Auch der viel moralischer als anderswo gedachte Gott des Hebräervolkes wurde als Na-tionalregent doch durch ein Regierungszelt, wenn gleich ohne Bild und blos vermittelst der ,heiligen Gesetzgebungskiste vergegenwärtigt. Die Mittelspersonen der Gottesregierungaber bedurften Opfer, wenngleich Mose moralischrichtig ordnete, daß für eigentlichesSündigen nicht geopfert, also von den Regierenden dadurch Nichts in die Einnahme gezo-gen werden konnte. Wahrscheinlich nur um der Menge willen und sinnbildlich, um dasAufsteigen der Gebete zum Gott im Himmel zu versinnlichen, wurden jeden Morgen undAbend Br andopfer beibehalten und auch bei Feierlichkeiten als Symbole der Hingebungan Gott vervielfältigt.

Auch äußeres An sehen mußte um den unsichtbaren Regenten verbreitet werden;also Tempelcecemvnie statt der Hofetikette. Und wer vermag's alsdann, die Meisten vondiesem unserm immer erst im Sinnlichen geboren werdenden Geschlechts so weit denkend