624 Kredit-System.
seine Entwertung durch eine Kriegssteuer in Papiergeld, sowie durch ein Anlehen auchin Papiergeld, allerdings verhütet werden.
Die Kciegssteuer darf nicht, niedriger sein als der Zinsbetrag der Kriegskosten mit1 Proc. zu ihrer Tilgung, weil die Kriegskosten eine Schuld sind, die getilgt werden muß,und zwar von dem Geschlechts, welches die Schuld machte, wenn es nicht schlecht wirlh-schaften und seine Kinder mit Schulden belasten will. Wenn also die Kriegskosten mitlOOMill. Papiergeld bezahlt worden sind, und der Zinsfuß zu 4 Procent angenommenwird, so muß die Kriegssteuer wenigstens 5 Millionen betragen.
Diese Kriegssteuer giebt sodann das Mittel, die 100 Millionen Kriegskosten zu ver-zinsen und zu tilgen. Sie zieht ^ des Papiergeldes jährlich aus dem Umlaufe; aber siethut dies erst nach Jahresfrist. Sie wirkt nachhaltig und sichert gut; aber sie giebt dochnicht die volle Hülfe in dem Augenblick, worin es am nölhigsten ist, worin das Papiergeldzuerst in vollen Massen ausgegeben wird und sich am nachtheiligsten anhäufen kann, undsie schützt auch nicht wider seinen Ueberfluß im Verkehre, der sich später ergeben könnte.Dawider kann nur ein Anlehen in Papiergeld Schutz gewähren. Ein solches An-lehen in Papiergeld, gleichzeitig mit dessen Ausgabe für die Kriegskosten eröffnet, wirdden Ueberfluß an Papiergeld unschädlich machen und verhindern, daß man es mit Verlustanbietet, um baares Geld zu haben, weil man den Verlust in Gewinn verwandeln kann,wenn man für das Papiergeld Schuldscheine nimmt und damit Zahlung leistet, und weilder Staat den Verlust, der aus der Seltenheit des baaren Geldes entstehen könnte, durchdie Verzinsung der Schuldscheine übernimmt.
Wie groß ein solches Anlehen im Verhältnis zu dem ausgegebenen Papiergelde seinmüsse, läßt sich im Voraus nicht bestimmen. Wir nehmen aber an, daß in dem hier un-terstellten Falle, wo wir bei einer Ausgabe von 100 Mill- und bei dem Zinsfuß von 4 Pro-cent eine Kciegssteuer von 5 Millionen gefordert haben, ein Anlehen von 30 Millionennothwendlg sei, und wollen nun sehen, wie wir uns des Papiergeldes, nachdem es seineDienste gethan, wieder entledigen können.
Wir werden zuerst die zinstragenden Schuldscheine durch eine jährliche Zahlung von5 Millionen in einem Zeiträume von 7 Jahren wieder einlösen. Die 6 ersten Zahlungenleisten wir dadurch, daß wir die durch das Anlehen eingezogenen 30 Millionen wieder aus-geben, was ganz unverfänglich ist, weil wir in derselben Zeit von 6 Jahren durch die Kriegs-steuer ebenso viele Millionen wieder einziehen; die Zahlung des 7ten Jahres decken wirdurch die Kriegssteuer eben dieses Jahres und ziehen diese durch die Kriegssteuer des 8tenJahres wieder ein. Wir brauchen also nur 8 Jahre, um mit dem Anlehen ganz fertig zuwerden,und können sodann die noch im Umlauf befindlichen 70 Millionen in den nächstfolgen-den 14 Jahren vermittelst der Kriegssteuer einziehen, so daß alles Papiergeld 22 Jahrenach seiner ersten Ausgabe wieder verschwunden sein wird.
Hätten wir die Kriegskosten nicht m t Papiergelde bezahlt, sondern durch ein Anlehenvon 100 Millionen in Metallgeld gedeckt, so würden wir, um dasselbe in 22 Jahren zutilgen, eine Kriegssteuer nicht von 5, sondern von 7 Millionen haben erheben müssen, wo-durch dann bewiesen ist, daß sich der Krieg mit Papiergeld ungleich wohlfeiler führen lasseals mit Metallgeld.
In einem unglücklichen Kriege kann das Papiergeld, allerdings seinen Werth verlie-ren; dies beweist aber Nichts gegen dasselbe, da ihm gewaltsam die Kraft genommenwird, dje Zerrüttungen in der inneren Wirthschaft ferner abzuhalten, die von vorn an auchmit dem glücklichsten Kriege verbunden gewesen wären. Selbst in dem schlimmsten Falle,wenn das Papiergeld bei dem eintretenden Kriegsunglücke völlig entwerthet und außer Um-lauf gesetzt wird, so geschieht doch im Grunde Nichts mehr, als was eigentlich gleich beidem Anfänge des Krieges hätte geschehen sollen: das Land trägt und bezahlt die 100 Mil-lionen Kriegskosten. Das Papiergeld stellt ihren Werth dar, es befindet sich in allen Hän-den, sein Werth verschwindet darin, und Alle tragen also und bezahlen einen Theil derKriegskosten. Ihre Vertheilung ist nicht richtig und sie geschieht mit großer Bedrückungund Zerstörung des Verkehrs, mit schwerer Bedrängniß und Verlust in den Familien; aberwie man die Kriegskosten auf das Land hätte vertheilen wollen, gleichmäßig konnte es nicht