623
Credit-System.
Endlich beschuldigt man den Credit, inmitten des Staats eine Region zu bilden, inwelcher das geringste Ereigniß die verderblichsten Folgen haben kann und wo das Glücks-spiel auf eine beklagenswerthe Art betrieben wird.
Von solchen Ansichten ausgehend, müßte man nicht nur den öffentlichen, sondernauch den Privat-Credit abschaffen, das ganze Productions-Geschaft beruht auf dem Wech-sel - Verhältniß zwischen den Capitalisten und den Producenten. Wenn dieses Verhälmißbedroht scheint, so entstehen Besorgnisse, das Vertrauen verschwindet, und alles gesell-schaftliche Wirken gerath ins Stocken; sofort zeigt sich das Spiel, der ganze Handelsstandspeculirt auf das Steigen und Fallen der Waarenpreise. Um nun dergleichen zu verhüten,müßten alle bestehenden Verhältnisse ausgehoben werden.
Es ist wahr, die Schwankungen, die sich auf der Börse in dem Preis der Rentenzeigen, sind fühlbarer als die Veränderungen der Waaren-und Wechselpreise, allein auchhierin liegt ein Vortheil: diese Schwankungen enthüllen den Gang der Regierung undsetzen Jedermann in Stand, dem Staat den Puls zu fühlen. An der Börse wird allerdingsgespielt; um aber das Spielen zu verhindern, müßte man den Zufall ganz aus der Naturverbannen. So lange es noch müßige Existenzen in den großen Hauptstädten giebt, wirdgespielt werden: wer Nichts thun und doch seine Lage ändern will, wird sich dem Gewinnoder dem Verlust aussetzen; so lange man kein Mittel finden kann, allen Ueberschuß derThätigkeit durch Beschäftigung zu sättigen, wird es Spielergeben, und auch ohne Börsewird man Mittel finden, durch einen Wurf eine Aenderung in seiner Lage zu bewirken.
Das Resultat der hier geführten Controverse ist demnach folgendes: um großen Auf-wand machen zu können, muß der Staat die Production emporheben: die ganze unermeß-licheLukunfl ist da, um seine Anticipationen zu decken, wenn anders sein Aufwand zumBesten-der Zukunft berechnet war — im entgegengesetzten Falle würden ihm die Händebald gebunden sein: man hat gegen ihn die Bürgschaft der öffentlichen Meinung, die sichfreilich auch oft tauschen laßt, außer der es aber in der Welt keine Bürgschaft mehr giebtals die ewigen Naturgesetze, die jedem Uebel sein Ziel setzen.
So hat Lafitte als Organ jener kosmopolitischen Banquiers, die, gegen gute Bezah-lung, der schlechtesten wie der besten Sache dienen, das jetzt herrschende Credit-Systemdargestellt, ein System, das bestehen wird, so lange man die Voraussetzung gelten läßt,auf der es beruht, die Voraussetzung nehmlich, daß man den Krieg nur mit Metallgeldführen könne. Diese Voraussetzung aber ist grundlos; der Krieg läßt sich, wie Staats-rath von Bosse vortrefflich bewiesen hat, auch mit Papiergeld führen. Daß man mit sol-chem Gelbe unverständig und unredlich umgehen kann, hebt seinen Nutzen so wenig auf,als den Gebrauch eines Messers dessen Mißbrauch zum Dolche. Der Nutzen des Papier-geldes zur Bezahlung der Kriegskcsten besteht darin, daß Geheimniß bleiben kann, in wel-cher Masse es dazu verwendet wird, daß durch seine Ausgabe also der Beschluß des Kriegesnicht vor der Zeit verrathen wird; ferner läßt sich das Papiergeld am leichtesten versendenund vertheilen, am bequemsten aufbewahren; seine Anschaffung macht so gut als keineKosten, und die Regierung kann mit chm alle Ausgaben, sobald sie zahlbar werden, aufder Stelle berichtigen.
Aber die Bezahlung mit Papiergeld > sagt man, ist trügerisch, weil es sich entwerthetund dann zu einer großen Calamität wird. Der Einwurf wäre schlagend, wenn jene Ent-werthung nothwendig erfolgen müßte. Sie ist aber nicht nolhwendig, nicht unvermeid-lich, weil England seinen langen Krieg mit Papiergeld geführt hat, welches eine solcheEntwerthung nicht erlitt. Es fragt sich also nur, wie man seine Entwerthung verhütet?Nun können schon bei seiner ersten Ausgabe Schwierigkeiten entstehen, wenn sie ohneVorbereitung zur Bezahlung der Kriegskosten erfolgt, oder wenn das Papiergeld entwederals eine ganz neue Erscheinung, oder wegen seines früheren Misbrauches mit Mistrauenausgenommen wird. Bringt man es jedoch, wie z. B. die preußischen Tresorscheine, vorder Kriegskostenzahlung in Umlauf, wird es überall in seinem Vortheile gezeigt, um esüberall suchen zu lassen, ist die Freiheit seines Umlaufs nicht beschränkt, kann es Jeder-mann nach Gutdünken geben oder nehmen, so ist ihm bald Vertrauen und Gunst verschafft.Ist aber dieses einmal erreicht, ist das Papiergeld in die Hände des Volks gebracht, so kann