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3 (1846) [Cal - Deu]
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Cambaceres

Seiten, von den verschiedensten Menschen auf den einen Zweck einer Täuschung undMisleitung zusammengewirkt und wegen der Unterdrückung der öffentlichenWahrheit das Netz nicht zerrissen wird, alsdann bedarf es fast einesHalbgottes,um nicht beherrscht zu werden. Im Scherz brachte man es durch ähnliches Zusammen-wirken schon dahin, daß Menschen mit gesunden Augen blau für grün hielten. Und wieoft werden diese Täuschungen durch Agenten und erkaufte Werkzeuge, oder wenigstens durchMitwirkung fremder Höfe und ihrer Gesandten und durch die Berichte der eigenen Ge-sandten in der Fremde und die von ihnen veranlaßten Briefe unterstützt, so daß eine halbeWelt für eine einzige Täuschung zusammenzustimmen scheint. Wahrlich also sehrviele unumschränkte Monarchen herrschten ungleich weniger selbst als konstitutionelle,denen das Licht einer freien Presse den ganzen Hof und Staat erleuchtet, denen die freieStimme der Wahrheit aller ehrlichen Bürger vernehmbar ist und welche niemals zumbloßen Werkzeug fremder Pläne schändlicher und verrätherischer Höflinge oder auch aus-wärtiger Regierungen herabgewürdigt werden können.

Die Gefahren aber, welche für die Staaten, für die Fürstenhäuser und nicht blos fürFreiheit, Macht und Wohlstand, sondern auch für die Moralität der Völker aus solcherCamarilla-Regierung hervorgehe», diese mögen die Geschichten und Revolutionen vonFrankreich, Spanien, Portugal und von noch manchem andern Staate bezeugen! (S.auch oben Barri.) Es giebt kaum einen tieferen Pfuhl von menschlicher Verdor-benheit, von Hinterlist, Selbstsucht und Lüge, von frecher Sittenlosigkeit, vonMeuchelmord und Raub gegen Fürsten und Völker, als die Geschichten der Höflings-regierungen. Diese Gefahren und Verwerflichkeiten aber sind durch die außerordentlicheGeschichte seit der französischen Revolution auch den Völkern so nahe gelegt, so offenbar undverhaßt geworden, und es könnten irgendwo neue Unfälle, neue Bewegungen und Auf-regungen, nicht etwa von einzelnen freien Meinungsäußerungen, sondern durch möglichegrößere Ereignisse so schnell herbeigeführt werden, daß gerade diese Erwägungen wahrenund treuen Freunden und Dienern der Fürsten und der Völker die sichersten Mittel gegendiese Gefahren, die Freiheit der Wahrheit und freie kräftige Verfassung, am allerstärkstenempfehlen müssen. C. Welcker.,

Cambaceres (Johann Jacob), geboren zu Montpellier den 18. October 1753,stammt von einer Familie, die ausgezeichnete Rechtsgelehrte unter ihren Gliedern zählte,und hat den Ruf, der sich an diesen Namen knüpft, nicht nur behauptet, sondern ihmauch durch die großen Dienste, die er in diesem Fache geleistet, neuen Glanz verliehen.Ohne die Ereignisse, welche die Revolution herbeigeführt, hätte er sich wahrscheinlich indem beschränkten Kreise bewegt, der seinem Leben durch Geburt und Glücksumständevorgezeichnet war. Die tiefe Erschütterung, unter der die alte Ordnung der Dinge inFrankreich zusammenbcach und sich eine neue gestaltete, schuf auch ein neues Geschlechtund neue Menschen, welche die alten Namen und Verhältnisse verdrängten. Bei demAusbruche der Revolution war er über die jugendlichen Jahre der Begeisterung, für welchedie Natur ihn übrigens auch nicht empfänglich geschaffen hatte, hinaus. Er folgte mehrdem Strome, von dessen Wogen er sich tragen und leiten ließ, als daß er auf ihre RichtungEinfluß zu gewinnen gesucht hätte. Seine öffentliche Laufbahn, die ihn zu den höchstenWürden führte, begann mit dem Jahre 1792, wo er in den Convent trat. Früher hatteer nur untergeordnete Stellen bekleidet, von denen die eines Präsidenten des peinlichenGerichts seines Departements die bedeutendste war. Ihn zeichnete keine von den Eigen-schaften aus, die sich in Zeiten großer Bewegung, in Tagen der Gefahr und Noch geltendmachen. Auch im Convente blieb er ohne sichtbaren Einfluß, der sich nur in seiner Wirk-samkeit zur Verbesserung der bürgerlichen Gesetze und der Rechtspflege äußerte. Es lagwohl eben so sehr in seinem Charakter als in den Talenten, die er ausgebildet hatte, daßer jedes entschiedene Auftreten als Volksfühcer, Redner und Staatsmann vermiedund sich als Rechtsgelehrter auf das Fach beschränkte, dem er sich gewachsen fühlte. Beiden stürmischen Verhandlungen, zu denen der Proceß des Königs führte, in welchen seineStimme Gewicht haben konnte, benahm er sich mit kluger Vorsicht. Die Schuld desKönigs gab er zu, bestritt aber dem Convente das Recht, ihn zu richten, stimmte dafür,