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3 (1846) [Cal - Deu]
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Calvin.

hatte Jurisprudenz studirt. Zur Medicin und Theologie aber zugleich sich abwendend,kam er auf sonderbare, gewissermaßen panlheistische Ahnungen von einer Einheit geistiger,sich doch materiell offenbarender Kräfte. Die Geschichte der Medicin hat (s. Sprengelim Thl. III. 2. Ausl. S. 40 und 544 nach eigenen Untersuchungen) zu seinem Ruhm an-erkannt, daß er zuerst (1552) den sogenanntenkleineren Blutumlauf" oder den durch dieLungen aus der rechten in die linke Kammer des Herzens (Harvey aber den allgemei-nen) entdeckt habe. Er suchte (s. seine Restitutio Otiristisnismi 1,. V. p. 169 der Nürn-berger Ausgabe von Murr 1790) denselben sich durch eine materiell wirkende Spirationoder Forthauchung zu erklären. War es ihm übel zu nehmen, daß er, der die Bibel mitsupernaturalistisch-consequentem Erwarten geoffenbarter Geheimnisse las, da wo biblischvon einem Geist Gottes die Rede ist, sich auch den Geist Gottes überhaupt als eine feine,Alles durchdringende und bewegende Spirationskcafl Gottes deutete und dadurch den nachGenesis 1, 3. auf dem Urgemisch (Chaos) schwebenden Schöpfungsgeist zu erklären ver-suchte ? Das Gehässige und ihm Verderblichste war, daß er gegen die Formeln, welchedie Spiritualität und die ewige Urvernunst (den Logos) wie persönlich neben Gottdem Vater subsistirend beschrieben, oft mit verhöhnendem Ungestüm protestirte.Dies aber war noch die rabulistische Disputirart des Zeitalters, von welcher Calvin ebenso wenig frei blieb.

S erve t wagte sich in seinen intellektuellen Muthmaßungen so weit, daß er der Vor-läufer eines Pantheismus wurde, welcher (wie der Schleiermacher'sche in denReden über die Religion) Alles, auch die Materie, von der Spiritualität ableitet. Servetdachte sich seine materiell wirksame Spiritualität alsdie einzige Substanz, und alsschon criminell angeklagter Gotteslästerer enthielt er gegen Calvin sich eines übermüthigenLachens nicht, da dieser ihn in der Behauptung: Alles was ist, gehöre nur zu der Einen Sub-stanz , der göttlichen! ^) ml siisurclum durch die Frage bringen wollte: ob denn also auchder Satan zu derselben gehöre ? Von einem solchen Geist und Materie in Eines fassendenPantheismus konnte Calvin nicht einmal begreifen, wie ihn ein Anderer zu denken ver-suche. Er meinte, daß man gar keinen Gott haben könne, wenn man ihn nicht als eineAthanasianische Trinität von drei in einer Substanz subsistirenden Personen habe. Unddadurch, daß Servet in leidiger Eiferswuth über das aus drei Personen nach Atha-nasius bestehende Eine Wesen hie und da schrieb: pro uno veoirubetis trieipitem 6er-5er,IM ! (statt des Einen Gottes habt ihr Athanasianer! einen dreiköpfigen, wieCerberus!"), so war er für Calvin natürlich nicht blos ein blasphemerVerletzer seinermenschlichen Concilienformel, sondern der göttlichen als nur Athanasianisch denkbarenMajestät selbst.

In Wahrheit war Servet noch mehr als Calvin Supernaturalist. Er wollte es seinbis zur Schwärmerei und meinte nur, bis zur Apokalypse hinaus, die Bibel, die er orien-talisch studirte, richtiger und sogar den ersten Kirchenvätern (Tertullian, Jrenäus) ge-mäßer zu verstehen. Erst von der Meinung eingenommen, daß durch das Herrschend-werden der Kirche unter Kaiser Constantin l. und dem römischen Bischof Sylvester dieHierodespotie als der apokalyptische Drache das reinere Urchristenkhum zu verfolgenangefangen habe, die dort bestimmten 1260 Jahre der Flucht der wahren Kirche aber, vondort an gerechnet, nunmehr bald ein Ende nehmen würden, glaubte Servet zuverlässigsich verpflichtet, selbst auch als ein Kämpfer aus dem Heere Micha el's hervorzudringen,welches den Drachen mit allen in die Kirche durch ihn eingeführten Jrrthümern besiegen

7) Servet erklärte: Roc midi Kenerals est prinripium, ex trnäues Delorte esse niniiin et rerum nstursm esse s ub s tan ti klein I)si 8piritun>.6<>Ivm. Retut. errorum Ssrveti p. 703. Der sublimste Versuch, um nicht zweierlei Artenvon Substanzen, eine denkende und eine ausdehnbare, zu denken, sondern zu fragen: ob dasAusdehnen oder Materiellsein nicht auch eine Wirkung der denkenden Substanz, d-i. derGeistigkeit, sein könne? Spinoza nahm ein noch Höheres an, indem er nicht das Aus-gedehntsein aus der denkenden Substanz voraussetzte, von welcher wir nur zweierlei Wir-kungen wüßten, das vielfach erscheinende Geistige, als Denken, und das vielfach erscheinendeAusgedehntsein, als Materialität.