Calvin.
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in Glaubenssachen auf den Leuchter gestellt war, andere forschende Geister in leb-hafte Bewegung, um sofort zum Weitergehen Versuche zu machen. Doch, weil diese sichauf das Feinere erstreckten, konnten sie thsils nur schwieriger in den Berichtigungen, theilsnicht populär werden. Melanchthon allein war scharfsichtig genügt), mit Aengst-lichkeit zu ahnen, was für Gahrungen noch aus manchen Dogmenformeln entstehen wür-den, die ebenfalls nur auf venerirten Auctoritäten beruhten und von der Einfachheit derSchrift, der einzigen ächten Quelle unserer Kenntnisse über den Sinn des Urchristenthums,abweichend, doch das zu Offenbarende in passendem Ausdrücken als jene Offenbarungselbst offenbar zu machen die Miene haben. Hatte man dock nur sogleich bis zu der Ge-müthsruhe im Betrachten kommen können, daß alle dergleichen Verschiedenheiten gewöhn-lich wohlgemeinte Versuche waren, den Vater, den Sohn und das Heiliggeistige hochgenug zu verehren und dennoch die Einheit Gottes, gegen alle an unvollkommene Götter sichanschließende Vielgötterei, als das Unentbehrlichste festzuhalken.
Servet's Geschichte ist an sich und wegen ihrer Folgen so merkwürdig, daß deringeniöseste Kirchengeschichtsforscher, der einst Göttingische Canzler vonMosheim, sieunter dem Titel: Anderweitiger Versuch einer vollständigen und unparteiischen Ketzer-geschichte (Helmstädt 1748 ) auf 500 Seiten in Quart so vollständig und (den philosophi-schen Theil abgerechnet) so mustermäßig durchgeprüft und dargestellt hat, wie noch keineandere ähnlich verwickelte Particulargeschichte.
Michael Serveto, geb. 1509 zu Villa Nueva in Aragonien, war ein Spanieran Genie, aber auch im Temperament. Er wurde dem Calvin, so lange dieser selbstverfolgt noch zu Paris war, schon 1533 als ein gegen die Athanasianische Art, diesesMysterium denkbar zu machen, heftig protestirender Neuerer bekannt. Heftig erklärteman sich in jener Zeit wider Alles, was man als theologische Täuschung zu enthüllen meinte,weil die Voraussetzung, daß für das Seligwerden der theoretisch irrthumsfreie Glaube undnicht blos das redliche und thätige Glaubenwollen von Gott zur arbiträren Bedingung ge-macht sei, jeden Wahrheitsfreund wegen der Modisicationen des Inhalts seines Glaubensallzu ängstlich machen mußte.
Servet's Geist insbesondere war von der Elasse, die sich gern mit vielerleiWißbarem beschäftigt, manche Berichtigung mehr ahnet als zur Klarheit bringt, umsolebhafter aber durch die das Dunkel durchblitzenden Lichtstrahlen sich irritirt fühlt. Auch er
6) Aeußerst merkwürdig ist's, wie Melanchthon, der noch gelehrter als Zwingliund viel affectloser als Luther Forschende, diese Vorschritte zum Richtigeren doch nur mitBcsorgniß — weil auch Er baldmöglichst wieder etwas Stabiles gern gehabt Härte — vor-aussah. Er schreibt an seinen Vertrauten^ Camerarius, und gerade in Beziehungauf Servet, schon im Februar des für diesen tragischen Jahrs 1533 und wagt kaum halbgriechisch seine Ahnung, was wohl zum Ausbruch oder Durchbruch kommen müsse, merken zulassen: llkpl rHx (äs Prinitats) sei« ms semper verirum esse, fürs ut
baec aliguanllo erumperent! övne Deus, guales traxoellias exeitakit baseguaestio all posteros, r? 6srli> rirrllsr« 0 lz ö ? s? ssrlr- üirösraimx rö Hvsüu« ?
(„Guter Gott! welch traurige Schauspiele wird bei den Nachkommen noch die Frage er-wecken: ob der Logos, ob der Geist als Personen subsistiren?") Ißgo ms retsro allillas scripturae voces, guae gubent invecare Obristum (??), dos est ei Iionoremäivinitstis (?) tribuere et plsnum consolstionis est. — Illull ms pessime liabet, eumesellem res (nehmlich die Ansichten des Servet, daß die Wort-: Vater, Sohn, Geistnur verschiedene Verhältnisse der Gottheit, nicht aber gesonderte Personen bedeuten) aj-itataesunt a ?aulo 8amosatenv, nilril extare, praeter levis guaellam apull Lpiplianium,unlle intslligi possit, guill jullicarlnt guillve sscuti sint ki, <zui eumllamnarunt... Im engsten Vertrauen gestand also wohl Melanchthon, man könne sichmit der Auctorität, daß endlich der Logos nicht blos als ewige Vernunft in Gott, son-dern als eine besondere Subsistenz oder Person im Einen und untheilbaren Gotteswesen vonden Bischöfen angenommen wurde, nicht beruhigen; man müßte vielmehr, ächt protestantisch,ihre Gründe prüfen. Diese aber wisse man nicht u. s. w. — Daß Servet dies auchwünschte, nahm ihm dann wohl Melanchthon im Herzen nicht übel, nur daß der spanischeArzt so heftig „erumpirte" und durchbrechen wollte! Können, sollen denn aber Alleso leise auftretende Melanchthone sein? Ist es criminell, dies nicht sein zu können, wasLuther selbst an Melanchthon oft nur belächelte?