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3 (1846) [Cal - Deu]
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Calvin.

Bibelübersetzung mit vieler Kenntniß verfaßt. Aber besonders in seinem guten Lateinklang Manches nicht mysteriös und orientalisch - bildlich genug. Er fragte sogar, wie dasHohelied in den Kanon gekommen sein könnte, weil man voraussetzte, daß nicht blos alter-thümliche, sondern lauter heilige Ueberreste dort gesammelt sein müßten. Daß aberCastellio die Calvinische Pcädestinationstheorie durch eine mildere Erklärung der Paulini-schen Stelle, Röm. 9., (wenngleich ohne alle Hindeutung auf Ealvin) wegzuraumen ver-suchte, war nach der Anhänger Geschrei eine unerträglich freche Störrigkeit. Der vonCalvin sehr dominirte kleinere Rath von Genf meinte oder wurde zu meinen bewogen, daßdas Staatsregiment dergleichen Geistesgegenstände richterlich zu behandeln habe, undwiderlegte den seingebildeten Forscherdurch Landesverweisung.

Bis zum Abscheulichen aber stieg dieses anmaßlichste Einwirken Calvin's in seinerVerfolgung des Michael Servetus. Für die Staatsrechtsfreunde ist es der Mühewerth, daß wir diese den Calvin für alle Zeiten charakterisirende Handlungsweise nach denHauptzügen schildern, weil die Flammen, durch welche Server von sogenannten Pro-testanten einem Huß gleich behandelt wurde, endlich durch wahrhaft protestantische Ver-theidiger der freien Wahrheitsforschung über alle cultivirte Staaten leuchtend gemacht wur-den und auch wirklich allgemeinhin so hell machten, daß wenigstens in protestantischenStaaten zu dieser Methode, die Ehre Gottes zu schützen, selbst von den schleichendstenzelotischen Delatoren nicht mehr leicht eine Anreizung gewagt werden kann. Servetusist in diesem Sinn allerdings gleichsamdas Opfer für Viele" ge-worden! Umdarüber ganz klar zu werden, müssen wir uns mit Wenigem die damaligeLage theologischer, mit der Religion und Politik nur allzusehr vermischter Untersuchungenvergegenwärtigen. Die Reformatoren zu Wittenberg und Zürich hattenNichts so sehr zu fürchten, als daß man die Menge gegen sie und ihre den Misbräuchenentgegengesetzte Protestation durch den Schein aufreizen könnte, wie wenn sie aus Neue-rungssucht völlige Unchristen geworden wären, weil man damals das Christenthummeist nur als Tradition der kirchlichen Auctoritäten kannte. Schon viel war es daher ge-wagt, die Entscheidung aller Concilien bis hinauf zu den vier ersten ökumeni-schen als unverbindlich zu verneinen.

Hätte freilich das Licht der Geschichte mit einem Mal von den Reformatoren selbstvoll genug erfaßt und verbreitet werden können, so würde sonnenklar geworden sein, daßschon auf der ersten, dem ganzen Imperium als der Oekumene imperatorisch geltend ge-machten Zusammenkunft zu Nikäa der heilige Geist in vielen der versammelten Bischöfenicht sehr repräsentirt war, da nach Gelasius Geschichte K. 8. der Katechumene, KaiserConstantin, die Menge ihrer gegeneinander eingereichten Klagschristen nicht besser alsdurch öffentliches Verbrennen des ganzen Haufens zu entscheiden wußte. Auch die vonihnen festgesetzte, oder eigentlich von Athanasius als Presbyter eindoctrinirte Dogmen-formel von drei in einem Wesen subsistirenden gleich göttlichen und doch in der Wirkungsartverschiedenen Personen würde eher als ein Bau ohne feste Grundlage erkannt worden sein,wenn schon die Reformatoren Vorkenntniß und Muße genug gehabt hätten, das einzusehen,was Fuchs in seiner Bibliothek der Kirchenversammlungen Th-1. S.433 und 383 zwarschüchtern, aber aufrichtig ausspricht, daß nehmlich von allen den Beweisgründen, woraufman jene (Athanasianische) Formel stützte, jetzt fast keiner in dieser Gestalt zu brauchensei. Was war aber das Decretiren eines schweren Dogma, wenn man dafür nur Gründewußte, die nicht zu jeder Zeit überzeugend bleibend

Mit einem Wort. Was die mit der Reformation im Großen und besonders in prak-tischer und politischer Beziehung beschäftigten und belasteten Hauptpersonen durchzuarbeitennicht vermochten, eben das setzte, sobald nur das Princip des Prokestirens gegen Auctorität

5) Die latein. Uebersetzung erschien 1L51 zu Basel, mit einer sehr moderaten, die Re-ligionsverfolgungen rügenden Präfation an König Eduard in England. Einen Wunschvon Goethe, daß die in der Bibel enthaltene Menschengeschichte durch Auszüge aus Jo-sephus in. den biblisch nicht berührten Zeiträumen ergänzt werden möchte, hat Castellio biszum Anfang des Neuen Testaments hin schon erfüllt.