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3 (1846) [Cal - Deu]
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balvin.

Alles dies sollt« die Unterwürfigkeit unter Calvinistische Kirchendisciplin um so unver-meidlicher aufnöthigen. Fast unerträglich aber mußten die äußern Beschränkungen wer-den, welche Calvin aus seinem System zum Herrschen des Kirchlichen über das Häuslicheund Bürgerliche ableitete.

Schon den 20. November 1541 wurde zwar seine Kirchenpolizeiordnungvon Senat und Bürgerschaft alsdasJoch desHerrn" zum Stadt- und Staatsgesetzgemacht. Aber die, welche er als Mitvollzieher am meisten gewünscbt hatte, die PredigerFarel und Viret, blieben bei andern Gemeinden, jener zu Neuburg, dieser zu Lausanne,zwar noch als Calvin's Freunde, aber doch wohl seiner nahen Uebermacht überdrüssig.Kein anderer Ausgezeichneter blieb neben ihm. Wer gegen ihn war, bekam entweder alsAnabaptist oder als Libertiner das Anathema. Die gewöhnlichen Ehrentitel, dieer in seinen übrigens gut geschriebenen lateinischen Polemiken austheilte, warenwider-bellende Hunde" oderiVebalano«". Mußte doch, wer gegen ihn und Gott war, unfehlbarzur ewigen Reprobation prädestinict sein. Die Aufreizung war so heftig, daß 1545 dieMeinung sich verbreiten konnte, wie wenn eine entstandene Seuche dadurch bewirkt wäre,daß der Satan dem Pöbel eine Verschwörung eingehaucht habe, die Häuser mit ver-giftetem Schmuz zu bestreichen. Man entdeckte diesen Satansspuk durch Foltern undschickte dann die Gemarterten durch den Henker auf ewig in die Hölle. Keine Reinigungs-weise bleibt im absoluten Prädestinatianismus consequenter. So sehr dreht sich das Staats-recht nach dergleichen theoretischen Phantasieen. Nebenbei aber wurde im theologischenFederkampf nie Stillstand gemacht. Wie um der Seelen Heil willen mußte wegen einesWörtchens vom Abendmahl, das Jesus nicht bestimmt hat, oder wie man vor dem Recht-schaffenwerden vor Gott gerechtfertigt sein müsse, oder über die doch ohnehin verloreneWillensfreiheit, oder darüber, ob denn die Adiaphora wirklich gleichgültig (adiaphorisch)seien u. s. w., disputirt, geschrieben, Conserenz gehalten werden, und wenn dann zu Genfoder Bern eine Glaubensformel im heiligen Geist und aus dem allmälig seiner selbstbewußt-werdenden christlichen Bewußtsein decretirt war, so fand man dies als sehr evangelisch-christlich , schalt aber zu gleicher Zeit darauf als auf eine antichristische Anmaßlichkeit, wennzu Paris die Sorbonne auch ihre Glaubensartikel als Vorschrift promulgirte.

Von all dieser Vielthätigkeit und Excommunicationsgewalt war nichts Anderes dieFolge, als daß der genfer Bürgerstaat immerfort in stillerund heftiger Unzufriedene ge-theilt war, daß ein Hauptgegner der Calvinischen Kirchenzucht, Perrin, bald durch dieVolksstimme (1546) zum Generalcapitän gewählt, bald aber (1547) aus dem Senatgestoßen wurde, in welchem schon die Parteien die Schwerter gegen einander zogen unddie dazwischeneilenden geistlichen Herren, mit Calvin an der Spitze, kaum ein Blutbadunter den Vätern des Vaterlandes verhindern konnten. Dennoch wurde im nächstenJahre (1548) Perrin wieder in seine Würden eingesetzt, aber auch mit einer beschwo-renen Amnestie wie gewöhnlich, zu spät ein Versuch gemacht. Als 1553 einervon Perrin's Partei, Bertelier, welchen das von Calvin präsidirte Presbyterium vomAbendmahl ausgeschlossen hatte, durch den regierenden Senat losgesprochen wurde, braöhCalvin mit aufgehobener Hand auf der Kanzel in die Worte aus:Ich werde mich, nachdes heil. Chrysostomus Exempel, eher umbringen lassen, als daß diese meine Hand einem der(vom Presbyterium) abgeurtheilten Gottesverächter das Sacrament Gottes reichen sollte."Natürlich wurden bei solcher Widersetzlichkeit gegen die Staatsregierung die Worte Petrizur Grundlage genommen, daß man Gott mehr gehorchen solle als den Menschen.

Das Arroganteste war, daß auch wer Calvin's Glaubensmeinungen nicht soganz infallibel finden konnte, in Gefahr kam, wenigstens die Stadt räumen zu müssen.Der Senat ließ sich 1550einbilden, ein übergetretener Carmelitermönch aus Paris, Hieron.Bolsec, müßte bei Strafe des Staupenschlags ihre gute Stadt meiden, weil ihm mehrPelagianismus als Prädestinatianismus anhing. Der letztere wurde dagegen 1551 aufsNeue als alleinseligmachendes Symbol von dem Pastorenconvent zu Genf decretirt, ohneZweifel, weil sie nun eben dazu prädestinirt waren.

Sebastian Castellio hatte eine für jene Zeit treffliche französische und lateinische