Calvin
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eingeführte Zurückweisen von der Abendmahlsgemeinschaft hat ohnehin auchdas Urchristenthum nicht vom Uctheil der Gemeinde oder ihrer Vorsteher abhängig gemacht,vielmehr ausdrücklich, nach 1 Cor. 11, 28., der eigenen Prüfung, also dem Ge-wissen, überlassen. Gerade darauf aber hielt Calvin mit seinen Rigoristen, daß er alsLehrer und Sittenbeobachter das Abendmahl des Herrn denen von der Kirchenzucht sich ent-fernenden Mitbürgern durchaus nicht gewähren könne.
Genf war damals gerade noch in auffallend großer Sittenzerrüttung aus der Zeitder viele Familienzwietracht stiftenden Kriege mit Savoyen und der pfäfsischen Uebermacht.Calvin's Strenge erschien als den Umständen noch allzu wenig angemessen. Die Gegen-partei, den Syndikus (die jährlich wählbare höchste Magistratsperson) an ihrer Spitze,bewirkte 1538 durch eine Bürgerversammlung den Beschluß, daß Calvin, Farel undCo rald innerhalb zwei Tagen die Stadt zu verlassen hätten, weil sie das Abendmahl zuhalten verweigerten.
Dennoch siegte Calvin's Standhaftigkeit. Nicht nur fand er sogleich bei dem Senatzu Straßburg an der Seite von Bucer, Capito, Hedion, Niger eine akademische Anstellungund die Gelegenheit, eine französische Kirchengemeinde nach seinenDisciplinar-Grundsätzendort zu stiften, durch Widerlegung des Cardinals Sadoletus, eines beredten Vertheidigersder Mittelalterskirche, zunächst den Genfern und durch andere Ausarbeitungen allgemein-hin zu nützen, auch 1541 auf den Religionsconventen zu Worms und Regensburg persön-lich zu wirken und auf Melanchthon, dessen Milde er zu benutzen verstand, einen allzu im-posanten Eindruck zu machen. Sogar den Genfern selbst schien der beharrliche Mann sounentbehrlich, daß sie Alles anwendeten, bis er den 13. Septbr. 1541 wieder zu ihnen inseine frühem Aemter zurückkehrte, nunmehr aber natürlich mit noch weit größerem undübermächtigem Ansehen einwirkte.
Er selbst hatte indeß durch Auslegung des Briefs an diefRömer und durch weitereBearbeitung seiner Jnstitutio oder Glaubenslehre sich noch tiefer in seine eiserne Präde-stinationslehr e hineinversetzt und ihr zugleich eine gewaltige Wirksamkeit auf denStaat und das Leben vorausbestimmt. Denn Calvin war der Mann, in welchem seineTheorie unaufhaltsam in P caxis überging. Sein Gott, zu dem sich der Geist Calvin's ge-rade nach dem, was er nach seinem Maßstab für Vollkommenheit hielt, erhob, hat vonEwigkeit nicht blos die freiwillige Selbstbestimmung und Thätigkeit aller wollenddenkendenWesen und das Dasein aller für sie nöthigen Mittel gewollt und vorhergesehen.Der von Calvin seinem eigenen Charakter gleich gedachte Gott sollte absolut aus sich selbstund nur um seiner selbst willen einen Weltplan, eine alles Große und Kleine umfassendeVorherbestimmung festgesetzt haben. Er ließ sodann jenen Absoluten alle die Kräfteund Wesen, welche dieses unermeßliche Drama vollbringen oder ins Unendliche fort durch-. spielen sollten, nicht nur erschaffen und in Thätigkeit versetzen, sondern auch so stellen, daßalles Gute, was sie wollen und vollbringen, einzig das Werk seiner Gnade sei und von ihm- komme, alles Böse aber und das Nebel entstehe, sobald die Wollenden nicht unbedingt sei-nem Willen und Gebot gehorchten. Offenbar ist nie ein mehr durchgreifender Absolutis-mus als theologisches Ideal aufgestellt worden.
Das Specielle davon zu prüfen wäre hier nicht an der Stelle. Hier soll nur im All-gemeinen eine Andeutung gemacht werden, daß, wenn ein solches vorherbestimmtes Schö-pfungsdrama zu denken wäre, alsdann das Ideal eines Gottes darin bestehen müßte, daßebenderselbe allumfassende Geist vorerst all das unendliche Schauspiel ewig nicht nur vorher-wüßte, sondern auch selbstnach seinen kleinstenTheilen zum Voraus unabänderlich bestimmte,alsdann die spielenden Werkzeuge alle verwirklichte, unaufhörlich in Kraft erhielte und zurAufführung des Vorherbestimmten in unabänderliche Ordnung und Thätigkeit versetzte, .also eigentlich selbst alle Rollen bewegte, zugleich aber von Ewigkeit zu Ewigkeit der allge-genwärtige Zuschauer des vorhergewußten und gewollten, immerfort selbst zu machendenund nie zu beendigenden Meisterstücks sein müßte. Unstreitig ist es den Theologen darumzu thun, der Gottheit alles denkbare Vollkommene zuzuschreiben. Aber dergleichen un-denkbare Phantasiespiele entstehen, wenn der nur allmälig denkende Mensch das, was fürihn in seiner Unvollkommenheit eine relative Vollkommenheit ist, nehmlich die Verstandes-