Galltcauische Kirche. 307
lich dem allgemeinen n icäischen Concilium (325) untergeschoben, dem selbst auch einsolcher Vorzug des Papstes noch fremd war^). Man suchte nun durch eine verfälschteÜberschrift des Conciliums den Primat des Papstes zu erweisen^). Die Afrikaner aberentdeckten den Betrug und verboten auch solche Appellation nach Rom. Und erst der KaiserValentinian führte blos fürs Abendland und durch weltliches Gesetz auf dieBitte Gregor's des Großen dieses päpstliche Recht ein. Justinian gab allen Patriarchenin ihren Sprengel» eine solche höhere Autorität in Streitsachen, wobei jedoch stets die Syn-oden entschieden und der Papst auf Italien beschränkt wurde ^o). Den stärksten Wider-spruch Cyprian's gegen Anmaßung des päpstlichen Primats fälschte man jetzt zu einemBeweis für denselben um ^). Aehnliche verfälschte Urkunden mußten jetzt häufiger päpst-liche Prätenstonen unterstützen ^), hjg endlich unter den Karolingern die ganze verfälschteSammlung kirchlicher Gesetze des falsche n Jsido r's zuTage kam. In ihr hattendie „frommen Dichter", wie die Ultramontanen diese Verfälscher nennen, den ächten kirch-lichen Autoritäten von der Apostel Zeiten an theils ganz falsche Urkunden, theils Verfäl-schungen in ihren ächten Bestimmungen untergeschoben, um mit ihnen, zur Vernichtungder Rechte des Staats, der kirchlichen Gesellschaft und ihrer legitimen Behörden, mit völ-liger Umkehrung insbesondere auch jener obigen beiden christlichen Haupt-grundsätze der selbstständigen Staatshoheitsrechte über das äußereVerhältnis der Kirche zum Staate und über das natürliche Gesell-schaftsrecht der kirchlichen Gesammtheit in Beziehung auf ihre ge-meinschaftlichen inneren kirchlichen Verhältnisse, eine lheokratische undmonarchische despotische Oberherrschaft der Päpste als anerkannte göttliche und altkirchlicheEinsetzung zu beweisen ^). Jene zuvor erwähnten Umstände, insbesondere auch die AllianzGregor's Vll. mit der Herrschsucht der kaiserlichen Vasallen machte es endlich diesem gewalti-gen Manne möglich, die Widersprüche gegen die Aechtheit dieser Urkunden und ihrer Bestim-mungen, wie die des gelehrten Erzbischofs Hincmar von Rheims, gewaltsam zu unter-drücken ^), und, nachdem jetzt die griechische Kirche protestirend sich getrennt hatte, in West-europa mit allen Mitteln kluger List und stets wachsender Gewalt das in diesen betrüglichenUrkunden enthaltene päpstliche hierarchische System mehr oder minder vollständig insLeben zu rufen. Mehrere seiner Nachfolger, wieJnnocenzlli. und Bo n ifaciusVlll.,suchten dann demselben die höchste Ausdehnung zu geben, obgleich von weltlicher undgeistlicher Seite niemals alle Protestationen erstarken.
Nach außen hatte nach diesem Systeme die Kirche, und an ihrer Spitze der Papst,frei von jeder weltlichen Oberaufsicht und Einmischung, auch selbst nur in ihre weltlichenRechtsverhältnisse, ihrerseits weltliche Macht und die Oberherrschaft, die höchste inappellableGesetzg-bungs- und Richter- und Strafgewalt auch über den Staat und die Fürsten ^).
Im Innern der Kirche sollte der Papst als Gottes Stellvertreter, als Gott aufErden, Inhaber und Quelle aller geistliche^ wie aller weltlichen Gewalt sein. Er war durchkeine wirkliche Schranke, ja bei beliebigem und göttlich unfehlbarem Auslegungs-, Dispen-sations- und Reservations-Rechte, kaum dem Wortlaute nach an die kirchlichen Grundge-setze des Glaubens Und der Disciplin gebunden- Er war der absolute, der inappellablehöchste Gesetzgeber, Regent und Richter der Kirche und der Welt. Die Bischöfe und selbstdie Concilien sollten nur seine von ihm ernannten abhängigen Diener und Räthe sein. Erwar, diesen Grundsätzen nach, der schrankenloseste Despot, den die Erde jemals sah^).
Auch wurden erst jetzt und zur Unterstützung des theokratischen hierarchischen Systems
28) Eichhorn I. S. 66 — 74. und Gieseler I. S. 265.
29) Eichhorn S. 79.
30) 6. 29. <ie episcopsnä. biov. 137, 5. 131, 3—5.
31) S. die vorigen Noten.
32) S. Note 30.
33) S- auch oben Bd. II. Art. Brevier.
34) Eichhorn I. S. 147 flg.
35) Eichhorn S. 180 flg.
36) Eichhorn S. 171 flg. Der kapa Deus, gui potost omnia extra zus, suprazus, contra gus!
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