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5 (1847) [Fou - Gir]
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Gallicanische Kirche.

dieser doppelten kirchlichen Aristokratie und Hierarchie (des Ordo und der Jurisdiction) ge-langte man später zu einem fast monarchischen Primat des römischen Bischofs oder Papstes.Doch nur in dem Abendlande; und auch hier war der Papst längere Zeit nur primus interpsres, ohne verletzende Gewalt, und der Primat noch mit jenen Grundsätzen vereinbarlich.

Völlig verletzend aber, selbst für die obenangeführten beiden Grundprin-cipien der christlichen katholischen Kirche, war die Umwandlung jenes päpstli-chen Primats und überhaupt der kirchlichen Verhältnisse, welche im späteren Mittelalterund vorzüglich seit Gregor VII. die Päpste zu bewirken wußten.

Schon seit dem dritten Jahrhunderte hatten die Bischöfe von Rom das natürlichemoralische Ansehen, welches ihre apostolische, in der Hauptstadt der Welt gegründetKirche neben denen der anderen Patriarchen durch Uebergewicht an Bildung, an Mittelndes Einflusses und an Zutrauen für ihre Zeugnisse über die Aechtheit christlicher Lehrenund Gebräuche behauptete, zu wörtlichen Ansprüchen auf einen rechtlichen Vorrang,allmälig fast auf ein jüdisches Oberpriesterthum und auf eine größere Autorität, auf einenPrimat vor allen anderen Patriarchen und Bischöfen benutzt. Sie gründeten dieselbenallmälig auf eine angeblich dem Apostel Petrus übertragene höhere Autorität, auf eineangebliche Gründung der römischen Kirche durch Petrus und eine angebliche un-unterbrochene und stets mit höherem Ansehen anerkannte Nachfolgerschaft der römischen Bi-schöfe in diesem Primat. Doch fanden alle Vorzüge und Anmaßungen, welche- die übri-gen apostolischen Kirchen und Patriarchen, die griechische und afrikanische Kirche stets,widersprachen, welche auch noch das allgemeine erste Concilium325 nicht anerkannte, undwelche bis jetzt sehr starken Gegenbeweisen gegenüber noch nicht evangelisch und historischerwiesen werden konnten, lange Zeit nirgends Zustimmung ^). Vielmehr beantwortetendie übrigen Bischöfe solche Prätenstonen nach Cyprian^) mit der Erklärung, daß alleApostel gleich gewesen. Spätere ökumenische Eoncilien erkennen blos einen äußerenRangunterschied, weilRom die erste Stadt derWelt sei, so daß der Patriarchvon Eonstantinopel den zweiten Rang habe^)- Nur in einem Theile der allgemeinenkatholischen Kirche, nur in dem europäischen Westen, wurde der römische Primat und all-mälig auch seine despotische Gestalt durchgesetzt. Sie wurden hier unterstützt durch vor-übergehendeZeitursachen, durch die Unwissenheit und Rohheit der germanischenVölker und ihr damaliges Bedürfniß der Erziehung und einer Bändigung ihrer anarchi-schen faustrechtlichen Zustände vermittelst einer theokratischen pciesterlichen Autorität^),an deren Spitze um so natürlicher die Bischöfe der alten Hauptstadt Rom traten, da die-selbe, nach der Trennung der mocgenländischen Kirche, im Westen die einzige apostolischeKirche war, und viele Germanen von ihren Priestern mit der Bekehrung zum Ehristen-thume auch Lehre in alterthümlicher Eultur erhielten. Es förderten sie ferner die ausweltlicher Herrschsucht der Fürsten, insbesondere auch der Karolinger, mit den Päpsten ge-schlossenen Allianzen, durch welche eben diese Karolinger die Absetzung der Merovingerdurchsetzten, und Karl's des Großen Erneuerung der römisch-kaiserlichen Weltherrschaft.Sie siegten endlich vorzüglich durch die von allen diesen Umständenunterstützten beispiellosen betrüglichen Einschwärzungen verfälsch-ter und gänzlich untergeschobener geistlicher und weltlicher Urkunden.Schon der Papst Aosimus hatte im fünften Jahrhunderte die Genehmigung eines An-trags, welcher in die Schlüsse eines nicht allgemeinen und auch nicht als gültig bestätigtenConciliums zuSardi ca im Jahre 344 (c. 3—4) Aufnahme fand, und nach welchemvonnunanbei Beschwerden eines Bischofs über eine Provinzialsynode der Bischof vonRom aufgefordert werden sollte, zwar keineswegs selbst zu entscheiden, aberdoch für Auswahl einer unparteiischen Synode oder anderer Schiedsrichter zu sorgen, fälsch-

24) Eichhorn, S. 65. 70. 78. 82. Gieseler, Kirchengesch. 1, 161.

25) iZpist. 71, 3. In der Schrift äs unitate eeclesise drückt er fleh so aus: Hoc

«rant utigus et eeteri spostoli, guock tint ketrus, pari ennsortio praeckiti et twnoris etpotestatis. '

26) 6. (üonstLntinop. (381) 83. Liwlcsäon. 28.

27) S. oben Band M. S. 748.