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5 (1847) [Fou - Gir]
Entstehung
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Gagern, H. W. A. v.

Rheinhessen bei einem dortigen Gutsbesitzer die Landwirthschaft theoretisch und praktisch er-lernt und späterhin mit seinem Vater, in Bezug auf dessen Gut zu Monsheim, einenPachtcontract eingegangen. Auf dieses Gut begab er sich nun, die Landwirthschaft mitEifer betreibend. Daß er's auch mitKe nntniß that und daß er die allgemeinste Ach-tung seiner neuen Nachbarn besitzt, dafür spricht, daß ihn im Sommer 1837 der land-wirthschastliche Verein in Rheinhessen zu seinem Präsidenten wählen wollte, was nur da-durch unterblieb, daß seine Gegner den Regierungspräsidenten Frhrn. v. Lichtenberg inMainz, einen sehr beliebten Verwaltungsbeamten, in Eoncurrenz mit ihm brachten, so-wie daß, nach Lichtenberg's Tode, seine Erwählung zum Präsidenten des landwirthschaft-lichen Vereins im November 1845 wirklich erfolgte.

Hr. v. G-, obgleich liberal und für die Parolen unserer modernen Zeit: freie Presse,Volksmündigkeit, achtes Staatsbürgerthum, unabhängige Gerichte uns würdige Gesetze,sich bemühend,war doch wenigstensfrüher auch den Principien der Ritterlichkeit, der Aristokra-tie, durch Geburt, Erziehung, später geknüpfte Verhältnisse und Neigung zugewandt.Er trug, wie die Zeitschriftdas Vaterland" von 1833 (Nr. 46) sagte,ein gewisses Ge-präge von Ritterlichkeit, das auch in sein inneres Wesen eingedrungen ist." Aber diesesinnere Wesen war lauter und wahr und, bei bisweilen harter oder spröder Schale, diemehr von Stolz als von Eitelkeit hat, von Liebenswürdigkeit. Jene harte Schale tratwohl bisweilen Personen oder Sachen mit Unrecht zu nahe. So, als er eine Ansicht sei-nes braven College» G. fürkleinlich" erklärte; als er geringschätzend voneinigen Schrei-bern, einigen Gelehrten" sprach, die von der Landauer Assise freigesprochen worden seienu. dgl- Aehnliche andere scharfe Worte, die er der Regierung entgegensetzte, z. B.Lap-palien",Philisterhaftigkeit" u. dgl., während sein System eines der mildesten der Op-position war, und er um einer Vergleichung aus dem französischen parlamentarischenLeben uns zu bedienenregelmäßig mehr im linken Centrum als auf der Linken oder garauf der äußersten Linken Platz nahm. Aber die Warme seiner Empfindungen durchbrachoft das Treiben seiner Theorieen.

v. G. mußte in Rheinhessen erst heimisch werden und sich heimisch machen, ehe er dieUeberzeugungen seiner Jugend und seines männlichen Alters gegen die Reaction von Neuemin thalkräftigen Kampf führen konnte. Die ihm von seinen neuen Landsleuten geworde-nen Auszeichnungen beweisen, daß jene Voraussetzungen eingetreten sind, und sein neue-stes, in die Oeffentlichkeit hervortretendes Verhalten, daß er geneigt ist, in Gemäß dessenzu handeln. Ende Oktober 1846 präsidirte er in Alzey einer Versammlung, welche da-selbst zusammengetreten war, um diejenigen Maßregeln zu becathen, welche zur Aufrecht-haltung der bestehenden Gesetzgebung Rheinhessens und gegen die Einführung eines neuenCivilgcsetzbuches zu ergreifen seien. In Darmstadt wurde das sehr übel vermerkt, undcs gingen Gerüchte, daß man ihn seines Postens als Präsident des landwirthschaftlichenVereins entheben wollte. Indessen hatte er in dieser Beziehung durchaus das Nöthige ge-wahrt und so konnte die Maßregel selbst nicht ergriffen werden. Durch seinen Aufent-halt auf dem Lande und seine neu eingegangenen Familienverhältnisse ist v G. dem Volkeviel näher gerückt, als er früher war, Etwas, was nothwendig wohl auch auf seine po-litischen Gesinnungen, und wenn ich so sagen darf, auf seine gute Meinung vom Volkeeiiigewirkt hat. Anlässe dazu, dies noch entschiedener öffentlich zu zeigen, werden hoffent-lich nicht sehr entfernte Zeiten darthun. Im Laufe des Jahres 1847 finden neue Land-tagswahlen im Großherzogthume Hessen Statt, und v. G-, der schon vor drei Jahren beistattgefundenen Partial-Wahlen landtagsfahig war, ist es auch noch jetzt: ein Umstand,von dem voraussichtlich seine neuen Landsleute Gebrauch machen.

Hr. v. G. hätte was man so sagt eine glänzende Carriere machen können. Vonangesehenen Männern geschätzt, von der Frauenwelt gern gesehen, voll Kraft, Kennt-nissen, Umsicht, und, wenn etwas breiter, doch nie ihres Ziels verfehlender Beredsamkeit,zog er Unabhängigkeit dem Zwange, Abgeschiedenheit dem Glanze, Achtung der WeltTiteln, den Ertrag der Ernte reichem Gehalte, die Launen seiner Wähler sicherer Beför-derung vor. Manche werden ihn keinen klugen Mann deshalb nennen, aber gewiß alleRedliche einen redlichen, braven, ehrenwerthen. Zk.