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Gagern, H. W. A. v.
hielten, wandte sich v. G. zum Großherzogthum Hessen, zu dem er durch seines Vaters Be-sitzungen in Rheinhessen im Unterthanenverbande stand. 1820machte er zu Gießen sein Exa-men und wurde Accessist, 1831 Landgerichtsassessor; als solcher erfolgte 1823 seine Berufungzur Aushülfe im Geheimen Staatssecretariate des Ministeriums des Innern und der Justizunter v. Grolmann. 1824 wurde er Regierungsassessor und 1829 wirklicher Regierungs-rath. Bei der neuen Organisation der Verwaltungsbehörden (1832) erfolgte seine Beförde-rung zum controlirenden Beamten des Ministeriums des Innern und der Justiz mit dem Prä-dicate eines Regierungsrathes. Um dieselbe Zeit wählte ihn auch der Wahlbezirk Lorsch, wo erfrüher Beamter gewesen, zu seinem Vertreter aus dem bald zu eröffnenden Landtage. Hr. v.G. war seit seinen Univecsitätsjahren bis dahin nur einmal öffentlich aufgetreten. Nehmlich1827, als der damalige Abgeordnete v. Kuder sechsjährige Finanzperioden (statt der bishe-rigen dreijährigen) in Antrag gebracht hatte, durch seine, diesem Anträge stark entgegentre-tende Schrift: „lieber die Verlängerung der Finan-perioden und Gesetzgcbungslandtage".Auch enthielt diese Schrift v. G-'s politisches Glaubensbekenntnis '„Es liegt in der Naturder Kräfte", hieß es darin, „daß sie geübt werden, und in der Natur der Gewalt, daß siesich auszudehnen sucht. Diese Kräfte und Gewalten im Staate, das monarchische, aristokrati-sche und demokratische Element zu begränzen, so daß sie sich neben einander dulden müssen,hat der menschliche Scharfsinn das System der repräsentativen Verfassung erdacht und dieGeschichte es ausgebildek". Auf dem Landtage von 1832—33 wurde v. G. Berichterstatterder Adresse auf die Thronrede. Diese Adresse, obwohl in gehaltener, umsichtiger Sprache,doch im Geiste männlichen Ernstes und rückhaltsloser Freimüthigkeit sich aussprechend undnamentlich auf „neuere, das hessische Staatsrecht bedrohende Bekanntmachungen" hindeu-tend, „welche unter der großen Mehrheit der Hessen unselige Zweifel erzeugt", ließ in den höhe-ren Regionen dunkle Wolken aufsteigen. Hr.v. G. wurde zugleich Präsident des Finanzaus-schusses und Berichterstatter hinsichtlich des Rechenschaf.sberichtcs von 1830—32. Beidenmeisten wichtigeren Diskussionen nahm v. G. das Wort; hauptsächlich bei Principienfragen.Er hatte immer den ganzen Gegenstand durchdrungen, zudem (einigen gemacht, mit Fleiß sichdarauf vorbereitet. Genau durchging er ihn, wenn er das Wort hatte, keine Position ließ erunbesetzt, nach allen Seiten hin ließ er die Streitmacht seines kräftigen, wohlgemeinten undtüchtigen Wortes sich entwickeln, immer suchte sein Geist dabei Höhepunkte auf, von denen auserdasoft ärmliche und unbedeutende Material durchdrang (wie z.B. bei derDiscussion überden Torfstich), und immer konnte er sich das Zeugniß geben, daß er überzeugungsmäßig, mitredlichen, wenn auch meist mit sieglosen Waffen gefochten- Doch so schlimm war's noch nichtaufden Landtagen von 1832—33 und 1834. — Zwar wurde v. G. alsbald nach Auflösungdes Landtages von 1832—33 pensionirl, aber, obgleich ohne bedeutendes eigenes Vermö-gen, nahm er seinen Abschied, und nicht ohne Opfer vorgenommene Anschaffung liegenderGüter erwarben ihm an der Stelle der Besoldung einen anderen Titel der Wahlfähigkeit:die Zahlung des erforderlichen Steuerquantums. Der Wahlbezirk Lorsch sandte ihn auchwieder auf den neuen Landtag. Er wurde abermals Mitglied des ersten Ausschusses undPräsident desselben. Bei der Discussion der Adresse auf die Thronrede unterstützte erdieselbe, die in sehr milden Formen gehalten war, weil er, wie er sagte, wünschte, diesenneu beginnenden Landtag glücklich zu Ende gehen zu sehen; aber er erwähnte dabei (fastnothwendig) seiner, als Mitgliedes der Majorität des aufgelösten Landtages, als „Mitgliedesdieser tief verletzten und schwer beleidigten Majorität", und bezeichnet? die Ankündigungwegen Auflösung jenes Landtages als „das übereilte Product einer gereizten Stimmung".Wie die Kammer sich dabei verhielt, bezeichnete ihren Charakter während der ganzen Si-tzung. Die ministerielle Minorität war zwar noch Minorität wie 1832—33, aber sie warunendlich rührig geworden, sie war, ungeachtet ihrer fortdauernden numerischen Unmackt,aus der Defensive in die Offensive übergegangen, denn viele ihrer früheren geistreichstenGegner fehlten nun, und die Temperatur der Zeit war im Allgemeinen ihr günstig geworden.Als eine der wichtigsten Arbeiten v. G-'s auf diesem Landtage ist sein 17 Druckbogen star-ker Bericht über die Organisation der Verwaltung?behörden zu bezeichnen- Aber ein nochgrößeres Bekanntwerden erfuhr seine Rede, womit er den Antrag des Abgeordneten Ilr.Heß, welcher eine größere Sicherung der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit des Richter-