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5 (1847) [Fou - Gir]
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Gagern, H. CH. G. v.

achte oranische Partei versteht", sagte er 1821, und setzte freilich hinzu:Allein allerdingsfinde ich in dem Ausspruche des Weisen: minari ckiscrimine «»mi principem, xpiam^uaei-i, weit mehr für mich Ueberzeugendes als in allen Empfehlungen der Legitimität."Im Jahre 1830 sprach er vondemokratischen Excessen" deranderen Kammer", unddiese andere Kammer wurde doch damals nicht aufgelöst; indemnehmlichenJahrelichtete er einen Bericht von sieben Zeilen gegen die Preßfreiheit,selbst nur in inländischen Dingen, undrangirte, ebenfalls in dem nehmlichenJahre, einen in der zweiten Kammer gestellten Antrag auf Aufhebung des Cölibats zu denprotestantischenAnmaßungen". Im Jahre 1832 eiferte ec gegen dielockeren Blätter,die sich frecher Weise die vierte Gewalt nennen"; adoptirte gegen die neueren politischenTheoretiker den buonapartischenNamen derIdeologen" alsdas Glimpflichste"; meinte,schon ahmten die Griechen die constitutionelle Sprache anderer Staatennur zu viel"nach; erklärte sich 1833 gegen ein Petitionsrecht der Staatsbürger in Bezug auf allge-meine politische Interessen; meinte doch 1835, es seisehr wünschenswerth, daß ein Preß-gesetz erlassen würde", aber mit dem Zusatze: sei ein solches Pceßgesetz erlassen,mögedasselbe nun mild oder streng sein, so habe man dann wenigstens immer eine feste Regel";und bemerkte auf dem nehmlichen Landtage:Was nun meine Person betrifft, so gehöreich allerdings zu jener ziemlich stolzen Classe des deutschen Adels, die die Ehre und Natio-nalität vor anderen bewahrt hat, so lange sie bestand", wobei fast komisch die Behaup-tung klang:Durch meine Besitzungen und vermöge des Art. 14 der Bundesacte nahmich hier in ständischer Versammlung Platz", da er doch allein der Gnade seines Fürstendieses verdankte. Ueberhaupt dachte er seiner Eigenschaft alsMediatistrter" oft, undzwar mit Wichtigkeit und sehnsüchtigem Verdrusse. Es ist begreiflich, daß in einer soscharf ausgeprägten Individualität und bei in bestimmten Ansichten so weit vorgerücktemLebensalter die neueren Erfahrungen Deutschlands in Sachen der Presse nicht den vollenwünschenswerthen Eindruck auf Hrn. v. G. machen konnten; im Gegentheil, noch am10. Dec. 1841 berührte er ungünstigdie Composition unserer Literatoren, ihre Man-nigfaltigkeit, Dürftigkeit, Ideologie, ihre deutsche Derbheit, die gar leicht in Anderesausschlägt", aber dabei bemerkte er doch, daß bei Weitem die große Majorität erweiterte,besser regulirte Preßfreiheit mit Ungeduld erwarte, daß bitter die Beschränkungen desDrucks ständischer Verhandlungen in öffentlichen Blättern empfunden würden u. s. w.

Als Schriftsteller ist Hr- v. G. besonders durch dieResultate der Sittengeschichte"(6 Bände, 18081822, Frankfurt a. M-; neue Auflage, 1837, Stuttgart);die Na-tionalgeschichte der Deutschen" (Bd. 1. Wien, 1812; 2. Ausl. 2 Bde-, Frankfurt a. M.,18251826), die bis zum Frankenreiche geht, und durch die Schrift:Mein Antheilan der Politik" (4 Bde., Stuttgart, 18231833), rühmlich)! bekannt. Außerdem suchteer bisweilen durch Flugschriften und hauptsächlich als Journalist in die Stimmung der Zeiteinzugreifen und zur Verständigung beizutragen- Sein Antheil an der Allgemeinen Zeitungund seine Autorschaft der dort erschienenen Reihe von Aufsätzen unter der Ueberschrist:Va-terländische Briefe" ist bekannt. Jm J. 1838 erschien:Ansprache an die deutsche Nationüberden Vorgang zu Köln. Zur Besänftigung und Verständigung. Von H.C. Freiherrn vonGagern" (Frankfurta.M.,1838). Die Schrift bezog sich eigentlich nur auf die gemischtenEhen und war dabei einAnekdoton aus den diplomatischen Denkwürdigkeiten des freiherrli-chen Verfassers. Er hielt darin dafür, der Erzbischof habe in dem ihm gegebenen DilemmaseinAmt niederlegen" müssen;die Hinwegführung des Erzbischofs" seidie mildeste,anständigste und zugleich die behutsamste" Art, seiner Wirksamkeit ihn zu entziehen, gewesenu. s. w. Noch bis in die neueste Zeit war Hr. v. G. schriftstellerisch thätig. So gab erim Jahre 1840 seineKritik des Völkerrechts, mit praktischer Anwendung auf unsre Zeit"(Leipzig, F. A. Brockhaus) heraus und seine neueste Schrift ist eineZweite Ansprache andie deutsche Nation über die kirchlichen Wirren, ihre Ermäßigung und möglichen Ausgang,Leipzig, F. A. Brockhaus, 1846." Bei dem Zwiespalt zwischen Liberalismus und Aristo-kratismus und bei der diplomatischen Art anzudeuten und zu sprechen, hat Hr- v. Gagernsich nicht populär machen noch eine Parteibedeutung sich verschaffen können. Häufiggeht es ihm meist wie einer Cassandra; seine Standesgenossen glauben ihm nicht oder