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5 (1847) [Fou - Gir]
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Fruchtsperre.

die Erleichterung der Noth kaum merklich ist, während die gewöhnlichen Arbeiten derLand-wirthschaft darunter leiden. Es liegt darin abermals ein trauriger Beweis der Lehre, daßein in seiner Bildung, seinen gesellschaftlichen und Nahrungsverhältnissen vernach-lässigtes Volk, das in sich selbst keinen Trieb und keine Mittel findet, seine Lage zu ver-bessern und sich über schlimme Tage hinauszuhelfen, in ein so tiefes Elend finken kann,daß auch die größten Anstrengungen der Staatsgewalt nur wenig fruchten. Auf der an-dern Seite ist nicht zu verkennen, daß eine zweckmäßige Beschleunigung und Vertheilungin der Ausführung öffentlicher Arbeiten von wesentlichem Nutzen in theuern Zeiten seinkann. Diese Arbeiten aber sollen nicht blos Mittel zur Beschäftigung einer größeren An-zahl Menschen sein, sondern an und für sich einen nachhaltigen Nutzen gewähren, beson-ders durch Verbesserung der Verkehrswege (Landstraßen, Canäle, Eisenbahnen) und Ver-mehrung der landwirthschaftlichen Production (Urbarmachen öder Strecken, Entwässerun-gen, Trockenlegung von Sümpfen u. dgl.). Im Großherzogthum Hessen sind mehrerezweckmäßige Weisungen sowohl an die Baubehörden als an die Domänenverwaltungmergangen, worin denselben anempfohlen wurde, die Arbeiten, wozu die Mittel vorgesehenwaren, möglichst zu solchen Zeiten vornehmen zu lassen, wo der Arbeitsverdienst überhauptseltener wird, auch solche, die erst später zur Ausführung bestimmt waren, früher vor-zunehmen und dabei hauptsächlich denjenigen den Vorzug zu geben, wobei die einfache Hand-arbeit am Meisten Beschäftigung findet (z. B. Straßenbauten). Die französischeRegierung hat den öffentlichen Arbeiten ebenfalls einen verstärkten Aufschwung gegebenund durch Erhaltung eines flüssigen Geldumlaufs mit Hilfe der Bank die Industrie inden Stand gesetzt, ihre Thätigkeit in ungeschmälertem Maße fortzusetzen. JndustriereicheLänder haben gegen andere auch den Vortheil, daß die Bezugsländer, denen sie Getreideabnehmen, geneigt werden, ihnen Manufacturwaaren abzukaufen, so daß sie zuletzt dieFrüchte nicht mit Geld, sondern mit Waaren bezahlen. Da bei steigenden Preisender Lebensmittel die arbeitende Classe ihre Löhne nicht sogleich mit dem erhöhten Bedarf« inein richtiges Verhältniß setzen kann, und gerade in den Wintermonaten die einfache Hand-arbeit schwächer gesucht wird; da ferner die Mehrausgabe für Lebensmittel auch die Mittel-klassen, namentlich die Besoldeten nöthigt, ihren Verbrauch an andern, entbehrlicherenGenußmitteln einzuschränken, wodurch der Gewerbstand leidet so werden in solchenZeiten Unterstützungen nöthig, zu denen die Mittel der Armenpflege nicht ausreichen, auchnicht immer geeignet sind. Auch in dieser Beziehung wird gegenwärtig mehr als frühergeleistet, und namentlich treten die Hilfsvereine in größerer Ausdehnung den Gemeindenund Wohlthätigkcitsanstalten zur Seite. Gemeinden und Vereine haben Anstalten ge-troffen , um Brod und andere Lebensmittel unter den Tax - und Marktpreisen an Unbemit-telte zu vertheilen; es werden Vorräthe im Großen angekaust und zu dem Einkaufspreise,auch noch niederer, abgegeben; an mehreren Orten sind Gemeindebäckereien errichtet wor-den. Von besonderem Nutzen erweisen sich die Suppenanstalten, welche unter derLeitung von Frauenvereinen eine gesunde und nahrhafte Kost in zureichendem Maßebereiten und gegen sehr billige Preise an ganz Arme unentgeltlich abgeben. Endlich sindauch Einrichtungen getroffen worden, um Denjenigen, welche Arbeit suchen, anzugeben,wo solche zu finden ist. Der Geist d.r Association, gerichtet nicht nur auf vorüber-gehende Lindeiung ungewöhnlicher Noth, sondern ausdauernd thätig für die sittliche Heran-bildung der arbeitenden Classen, für die Ausgleichung des Misverhältnisses zwischen Ca-pital und Arbeit überhaupt, scheint in unserem Jahrhundert bestimmt, den Formen derpolitischen Freiheit das Wesen der socialen Gestaltung zu geben, welche an die Stelle dermittelalterlichen Ernährungspflicht des Grundherrn gegen den Leibeigenen und der Cor-poration gegen ihre Angehörigm in einem Verbände freier und gleichberechtigter Menschenzu treten hat. Es bilden sich in Zeiten wie die gegenwärtige die Elemente, aus denensich die noch nicht gefundene Lösung der socialen Aufgabe ergeben wird.

4) Surrogate. Der Ausfall an Nahrungsmitteln bei unzureichender Erntebringt mit den steigenden Preisen auch Vorschläge wohlfeiler Ersatzmittel. Die nehmlichenVorschläge zu Mischungen von Kartoffeln, Rüben, Flechten- und Moosarten, Quecken-wurzel u. dgl. unter das Mehl zum Brodbacken, welche in den Hungerjahren von 1770 bis