Druckschrift 
5 (1847) [Fou - Gir]
Entstehung
Seite
278
Einzelbild herunterladen
 

278 Fruchtsperre.

Menschen zwar immer bedauerlich, aber nicht so groß ist, als es hie und da geglaubt wird,und zwar die Entstehung höherer Preise erklärlich zu machen, nicht aberdie Besorgniß eines wirklichen Nothstandes im Lande zu erregen ge-eignet ist." Vollständige statistische Mittheilungen über das Ergebniß der Ernte undden Bedarf sind bis jetzt (Ende 1846) in keinem deutschen Staate bekannt gemacht wor-den ; die Statistik, so wichtig für die Regierungen wie für den Handel und die Industrie,bedarf noch sehr der Pflege und Ausdehnung Selbst in den Vereinigten Staaten, wodoch weniger regiert und geschrieben wird als aus dem europäischen Festlande, veröffentlichtdie Regierung sorgfältig gearbeitete Uebersichten über die landwirthschaftliche Production.

2) Ankauf von Lebensmitteln im Auslande. Wenn die Statistik dieGröße des durchschnittlichen Bedarfs und die Resultate der Ernte an die Hand gegeben hat,so läßt sich annähernd die Menge der einzusührenden Nahrungsmittel bestimmen, und derStaat hat Mittel in der Hand, die Speculation aufzumuntern und zu schleunigster Herbei-schaffung des Fehlenden zu veranlassen. Dies ist in Frankreich geschehen. Die Regie-rung bestimmte, daß alle Lieferungen für das Landheer und die Flotte nur in ausländischemGetreide und daraus bereiteten Stoffen zu geschehen haben, gestattete Vergütungen undbezeichnet« die Häfen, woher die Bezüge zu nehmen seien: sie wußte den Handel rasch zubeleben; er kaufte am Rhein, in Holland, selbst in England, bis dort die Preise höherstiegen, in den Häfen der Nord - und Ostsee wie des schwarzen Meeres, in Aegypten undItalien; in der Hälfte des December war der Bedarf gedeckt und die Preise begannen zuweichen. Die Einfuhr in den ersten zehn Monaten des Jahres 1846 hatte, nach einerofsiciellen Angabe im Moniteur, 2,637,417 metrische Centner Getreide, meist Weizen, be-tragen, wozu noch 30,966 Centner Mehl kamen, von Anfang November bis Mitte De-cember aber wurden 3H Millionen Hektoliter Getreide eingeführt, das Vier- bis Fünf-fache der durchschnittlichen Einfuhr, etwa ^ der durchschnittlichen Weizenproduction undüber ^ der gesammten Getreideproduction. Auf Staatsrechnung unmittelbar wur-den keine Aufkäufe gemacht, denn man erinnerte sich, daß der Staat im Jahre 1817 an80 Millionen Franken, welche für Ankauf von Früchten aufgewendet worden waren,49 Millionen verloren hatte, ohne ein merkliches Resultat zu erzielen; eben so hatte dieStadt Paris, welche den Einkauf und Verkauf selbst besorgte, 26 Millionen eingebüßt,und später die Erfahrung gemacht, daß sie weit billiger zukomme und mehr ausrichte, wennsie den Aermeren wohlfeiles Brod dadurch verschaffe, daß sie den Bäckern den Unterschiedvergüte (dafür wurde 1830 die Summe von 1,400,000 Franken ausgegeben). DieBrodpreise aber standen Mitte December 1846 nicht so hoch wie im Jahre 1830. InDeutschland und der Schwei; haben mehrere Regierungen Getreide im Ausland kaufenlassen. Baiern ging voran; die zu diesem Zweck bestimmte Summe soll gegen 2 Mil-lionen betragen haben; eS wurden auch die Gemeinden aufgemuntert, Lebensmittel an-zukaufen, wohlfeil an die Bäcker abzugeben und dafür die Abtragung ihrer Schulden aufzwei Jahre einzustellen. Würtemberg folgte diesem Beispiele, und dem auf 5. Ja-nuar 1847 einberufenen Landtage sollen die hierauf bezüglichen Vorlagen gemacht werden;die Gemeinden wurden ermächtigt, die Überschüsse früherer Jahre zum Ankauf von Vor-räthen zu verwenden. Baden und Großh. Hessen ließen ebenfalls bedeutende Quantitätenin Holland kaufen, desgleichen die freie Stadt Frankfurt. Diese in allen Zeitungenverkündeten Aufkäufe brachten allerdings einen willkommenen Zuschuß von Lebensmitteln,allein sie trieben die Preise in Holland, welche für die inländischen maßgebend waren, mehrin die Höhe, als es bei geräuschloser Vermittlung der Ankäufe durch den gewöhnlichenHandel der Fall gewesen sein würde. Der für badische Rechnung gekaufte Weizen kambis Mannheim auf 19Fl. 32Kr. zu stehen, während das Malter noch kurz zuvor um18 Fl. bezogen worden war.

3) Oeffentliche Arbeiten und Unterstützungen. Der ganz außerordent-liche Nothstand in Irland hat dahin geführt, daß in der letzten Zeit gegen 300,000Menschen täglich bei öffentlichen Arbeiten beschäftigt werden, welche ohne diesen Nothstandnicht oder doch erst später und allmälig vorgenommen worden wären. Diese Menge vonArbeitern wird aus Staatsmitteln kärglich bezahlt und es zeigt sich, daß die Wirkung für