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5 (1847) [Fou - Gir]
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Friedrich der Zweite.

Er sah die Sachen wirklich so an, wie er sich in einer seiner Schriften ausdrückte (inden während seinen Lebzeiten gedruckten Werken, 1. Thl. S. 382):In Königreichenberuht die Regierung nur auf dem Despotismusdes Souverains; dieGesetze, dasMilitär, der Handel, die Industrie und alle anderen Theile der Staatsverwaltung sinddem Eigensinne eines einzigen Menschen unterworfen". Übereinstimmend damit warunter ihm die ganze Regierung eine bloße Maschine, die zwar auch nach seinem Tode nocheine Zeit lang anscheinend in dem gewohnten Gange fortging, von der aber, sobaldStürme eintraten, klar ward, daß der belebende Geist von ihr gewichen und nur die tobteForm allein noch übrig geblieben sei.

Die Pr esse war zwar frei, aber man gebrauchte sie zunächst nur in Dingen, überwelche der König selbst spottete. Hätte dagegen ein Mann von Talent und Geschicklichkeitseine Feder dazu anzuwenden versucht, die absoluten Hcrrscherrechte unsanft zu berühren,und hätte er den Beifall des Volks erlangt gewiß, Friedrich wäre hier anders verfahrenals bei einem nichtssagenden, elenden Pasquille, so unbedeutend, daß er es in jeder Bezie-hung verspotten (niederer herabhängen lasten) konnte; ein Kerker in Spandaumöchte das Mildeste gewesen sein, was ein solcher Schriftsteller zu gewärtigen ge-habt hätte.

Gerade eben so bei Majestatsverbrechen.

Es war leichter, die Freiheit im Munde zu führen, als sie wirklich im Leben zu dulden.Friedrich sagte, er sei nur der erste Diener des Staats, aber er sagte es auch nur.Wie ist Einer Bedienter, dem Niemand befiehlt, der keinen Herrn über sich erkennt?der sich nach Gutbefinden Gesetze macht und giebt und keines annimmt? nach Willkürohne Gesetze straft?" (Ardinghello von Heinse,Thl. 1-S. 302.)

Friedrich trat rechtzeitig von der öffentlichen Schaubühne ab; er hatte genuggelebt, hatte ausgedient sein Wicken war beendigt. Obwohl er viel beigetragen zurschnelleren Ausbildung dessen, was in den nächsten Jahren nach seinem Tode hervortrat,so hätte er doch sicherlich die neue Gestaltung der Dinge (bei längerem Leben) nicht mehrbegriffen, ihren Geist und ihre Kraft nicht mehr zu erfassen vermocht. Auch er selbst würdesein Jena gesunden haben, wie seine alten Generale und seine alten adeligen Officiere, welcheausschließlichEhre" besitzen sollten, der That nach aber vor der Taktik der Nichtadeli-gen bald genug wie Spreu im Winde zerstäubten.>

Allein um Friedrich's Wirken richtig zu beurtheilen, müssen wir die Sache noch voneiner anderen Seite betrachten. Ungeachtet aller eben hervorgehobenen Momente, bleibtseine Epoche immer welthistorisch, wird sie nicht blos in der Geschichte derKciege, sondernauch in der der Eultur und der Menschheit eine bedeutende Seite füllen. Er war esvorzugsweise, der an der Spitze einer wichtigen und großen Uebergangsperiode stand.Sind die moralischen und politischen Kräfte eines Staats" (oder der ganzen Menschheit!)in todartige Auflösung übergegangen, so kann das Volk" (die Menschheit)nur durchein außerordentliches Ereigniß gerettet werden, durch die Schmach und Wehen einer Er-oberung und Unterjochung oder durch innere Umwälzung, in welcher neues Leben gewecktwird. Es giebt Zeiten, wo sich die Erschlaffung über ein ganzes System von Staatenausdehnt. Alsdann können nur welthistorische Begebenheiten die Menschheit aus ihrerSchlaftrunkenheit wach rütteln." (Messender g.) So bei Friedrich's kriegerischemAuftreten. Wie wenn ein morastartig faulendes Gewässer durch Erdbeben Und Orkanewieder zum lebendig hinfließenden Bache werden kann, so damals die Menschheit. Donnerund Sturm gehörten dazu, sie aus dem todartigen Schlafe zu neuem Leben und Sein zuerwecken. > Zwischen der unbedingten Knechtschaft zu Anfänge des achtzehnten Jahrhun-derts und den gewaltigen Ansprüchen zu Ende desselben war ein erleuchteter Despo-tismus, als vermittelndes und vorbereitendes Glied, nöthig. Die freisinnigenWorte arbeiteten der Verwirklichung der Sache vor; die religiöse Freiheit der Be-gründung der bürgerlichen; die Freilassung der Presse zur philosophischen For-schung wirkte ein auf die Benutzung derselben in politischen Fragen; und selbst Fried-rich's Vorliebe für die französische Sprache gewährte den großen Gewinn, daß die Deutschensich mit den in der französischen Literatur entwickelten, schon ungemein weit vorangeschrit-