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Friedrich der Zweite.
man, ein welthistorisches Ereigniß sei geschehen, und ungeachtet des hohen Alters desKönigs schien dies doch meistens ein schwer zu fassender Schlag. Man nannte ihn denGroßen, ja den Einzigen, und es war keineswegs kriechende Schmeichelei, obwohldie letzte Benennung eine Ueberschätzung des Mannes beweist.
— Friedrich besaß jedenfalls viele glückliche natürliche Anlagen: einen klaren Blick,durchdringenden Verstand, dabei eine Thatigkeit, wie sie, mit dieser Ausdauer und ineiner so langen Reihe von Jahren, nicht viele Menschen entwickeln. Als Feldherr war erjedenfalls der Erste des ganzen vorigen Jahrhunderts. Rechne man dazu noch den Vor-theil, welchen ihm seine Stellung als Staatsoberhaupt, als geborener König, ge-währte, so ist es leicht begreiflich, daß er tief in die Verhältnisse seiner Epoche einwirkte.Da er überdies in geistiger Beziehung mehrfach seinen Zeitgenossen vorausgeeilt war, soergab sich eben so ein bedeutender Einfluß auf die Folgezeit.
Wenn wir nun näher auf die Sache eingehen, so überzeugen wir uns freilich, daßbei vielen Leuten mindestens die Hälfte ihrer Hochschätzung Friedrich's durch dessen Feld-herrntalent hervorgerusen wurde. Nimmt man die Eroberung Schlesiens und besondersden siebenjährigen Krieg hinweg, so verschwindet der Grund eines großen Theiles ihrerBewunderung. „Der narbenbedeckte, eisgraue Grenadier, der in der Glorie der Lorbeeren„von Hohenfriedberg, von Lissa, von Liegnitz, in dem Schrecken von Kollin, an dem„Abende von Kunnersdorf mit und unter ihm gestritten, oder auch nur bei friedlicher„Musterung als Flügelmann von der Stieselspitze seines vorbeireitenden Königs gestreift„worden uvar und nie ein anderes Wort als: „„Vorwärts!"" aus seinem Munde„vernommen hatte, — fuhr am Abende seines Lebens noch von der Krücke auf und schil-derte mit Jünglingsgluth alle Augenblicke, wo er seinen geliebten Fritz gesehen und ihn„vor Freuden fast angeweint hatte." — Dies und Aehnliches heben uns die Schilderungenam Meisten und mit den glühendsten Farben hervor. Allein wir können in dieser Be-geisterung des alten Soldaten, der sich zwar brav in den Kugelregen gestürzt, aber für eineSache, die er gar nicht kannte, gar nicht zu beurtheilen im Stande war, sonach nicht ausEnthusiasmus für eine auch von ihm begriffene, auch ihm klare und theuere Idee — miteinem Worte, wir können in dieser „durch das Berühren der Stiefelspitze" eines Menschenhervorgebrachten Elektrisirung nur das durch glücklich geführte Kriege jederzeit bei den(wenn selbst nur als Maschinen) daran Theil nehmenden Truppen hervvrgerufene, fastinstinctartige Gefühl, keineswegs noch den Beweis eines im Interesse der Humanität undder Menschheit statt gehabten höheren Wirkens erblicken. —
Eben so 'wenig kann es in diesem edleren Interesse für den König entscheiden, daß erseinen Staat durch Eroberung einer reichen Provinz vergrößerte. Im Gegentheile hatdiese Erwerbung, mit den zahllosen Kriegsverheerungen, die ihr wie ein Fluch währendeines Zeitraums von 24 Jahren aus dem Fuße folgten, unendliches Uebel über Millionengebracht.
Friedrich's wahre Größe ist also gerade da nicht zu suchen, wo sie die Meistenfinden wollen.
Betrachten wir nun sein Wirken als Regent, nicht als Eroberer.
Hier suchte er Alles zu umfassen, die einzige lenkende Hand der ganzen, fast bisins Kleinste gehenden Staatsmaschine zu sein. Und bei seiner unermüdlichen Thätigkeitwußte er nicht nur, wie ein Sybarite, tagtäglich den Kochzettel als wichtige Angelegenheitzu behandeln, sondern auch eben so tagtäglich (selbst in seiner letzten Krankheit von Mor-gens 4 Uhr an) alle einlausenden Acten zu erledigen, so daß der preußische Unterthan, dessenSache an den König ging, den Tag der zu empfangenden Antwort mit Bestimmtheit zumVoraus berechnen konnte.
Man hat umständlich zu erweisen gesucht, daß Friedrich das materielle Wohl seinerUntcrthanen gewollt habe —> als ob es noch eines Beweises b edürse, daß Jedermann seineBesitzungen (denn nur so ist die Sache anzusehen!) lieber in blühendem als in elen-dem Zustande erblicken möchte. Dagegen ist allerdings der Umstand bemerkenswerth, baßFriedrich im Allgemeinen immer die besten Mittel zu wählen und diese rasch und mit Kraftanzuwenden und durchzusühren verstand, so daß wohl wenige Eroberer ihre Länder in so