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Friedrich der Zweite.
berechnende Erleichterung. Frankreich, allenthalben von den Briten zur See besiegt, sahsich bald genöthigt, dem Kriege zu entsagen. Jetzt wollte man allerseits ernstlich den Frie-den. Kurze Unterhandlungen genügten, ihn am 15. Febr. 1763 aus dem SchlosseHubertusburg in Sachsen zum Abschlüsse zu bringen und damit dem siebenjährigen Kriegeein Ende zu machen. Kein Theil gewann einen Fuß brett Landes, man entsagte wechsels-weise allen Entschädigungsforderungen, und der Tractat hatte zunächst nur über die gegen-seitige Auslieferung der occupirten feindlichen Besitzungen zu bestimmen.
Es ist unbeschreiblich, wie sehr die preußischen Staaten durch diesen Krieg gelittenhatten. Aller Erwerb hatte gestockt, die Felder waren großentheils unbebaut geblieben,13,000 Häuser, ganze Städte und Dörfer lagen in Asche; die Bevölkerung zählte einehalbe Million Menschen weniger als vor sieben Jahren. — Friedrich's Absicht war, nichtblos auf Wiederherstellung des früheren Zustandes, sondern auf durchgreifende Verbes-serung hinzuwirken. Vor Allem kam es darauf an, die Hilfe rasch zu reichen. OhneZeitverlust leerte man daher die Militärmagazine, um dem Volke Saatfcucht und Brodzu verschaffen; die Artilleriepferde mußten dem Ackerbaue dienen, und alles noch verfüg-bare Geld erhielt die beste Verwendung, zur Unterstützung der Nation. Bald entstandenallenlh-lben neue Fabriken und Manufacturen (innerhalb 10 Jahren 264 der ersteren).Eine Bank diente zu ihrer und des Handels Beförderung. In allen Provinzen wurdenFelder urbar gemacht, neue Colonieen gegründet, gewerbfleißige Leute aus dem Auslandehccbeigezogen; in Oberschlesien allein entstanden 213 neue Dörfer. Im Jahre 1779 be-lief sich die Volkszahl in den alten Besitzungen auf 1,120,000 Seelen höher, als sie 1740gewesen war. Dabei wendete der König auch der Geistesbildung seine Aufmerksamkeit zu.In den höheren Lehranstalten sollte nicht blos das Gedächtniß, sondern vielmehr der Geistund der Verstand entwickelt werden. Die Volksschulen kamen ebenfalls in Erwägung,und obschon immerfort eine ungeeignete und äußerst verderbliche Rücksicht auf die Anstel-lung invalider Soldaten genommen ward, ließ man doch Lehrer aus Sachsen kommen,verbesserte die Gehalte und hielt die Eltern an, ihre Kinder in tue Schule zu schicken*).
Ganz besondere Rücksicht nahm der König jederzeit auf den Adelstand. Bei allenUnterstützungen ward dieser vorzugsweise, bei allen Anstellungen fast ausschließlich berück-sichtigt. Es ist wahrhaft unbegreiflich, wie der nehmliche Mann, der in seinen Briefenund Schriften die desfallsigen Vorurtheile mitunter so scharf geißelt, im wirklichen Lebenin dieser Beziehung eine Befangenheit bewies, die kaum ärger hätte sein können. Zu denersten Unterstützungen, die nach Beendigung des Krieges gegeben wurden, gehörte einehalbe Million Thaler zur Abbezahlung der Schulden des Adels und eine weitere halbe Mil-lion zur Verbesserung seiner Güter. — In einem Aufsatze, worin der König die nachwiederhergestelltem Frieden beim Militär vorgenommenen Verbesserungen aufzählt, sagter u. A.: man habe die bürgerlichen Ofsiciere möglichst von den Befehlshaberstellen entferntund diese zur Ergänzung selbst mit fremden Adeligen besetzt; denn im Allgemeinen habeder Adel Ehre, obschon man bisw eilen Talente und Verdienste auch bei Personen an-treffe, die nicht von Geburt seien; die Bürgerlichen habe man in die Garnisons-regimenter gesteckt, wo sie wenigstens den Werth gehabt wie Diejenigen, an deren Stellesie gekommen. — Es wäre eine Beleidigung gegen den gesunden Menschenverstand, wennwir heute die Absurdidät jener Behauptungen Nachweisen wollten. Zur Belohnung dafür,daß so viele Nichtadeligen während der Feldzüge ihr Leben blindlings aufs Spiel gesetzt, ent-ledigte man sich hintennach derjenigen, die man zuvor ausgezeichnet hatte, dadurch, daß
*) Friedrich selbst entwarf (unterm 5. Scpt. 1779) in einer Cabinetsordrc die Schulord-nung. Es heißt darin: „Im Altenburgischen ist eine sehr gute Erziehung, die Leute sindda alle so ordentlich und vernünftig. Wenn man von dorther könnte Schulmeister kriegen,die nicht so theuer wären, so würde das sehr gut sei». Ihr (nehmlich der Minister) werdetsehen, wie das zu machen stehet; sonsten ist es auf dem platten Lande genug, wen» sie einBischen lesen und schreiben lernen; wissen sie aber zu viel, so laufen sie in die Städteund wollen Sekretärs und so was werden. Deshalb muß man aus dem platten Lande denUnterricht der jungen Leute so einrichten, daß sie das Nothwendige, was zu ihrem Wissenndthig ist, lernen, aber auch in der Art, daß die Leute nicht aus den Dörfern weglaufen,sondern hübsch dableiben." (!!)
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