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Friedrich der Zweite.
Auf dem Regensburger Reichstage deliberirte man über die Reichsachterklärung gegenFriedrich. Alle Achtung vor dem Reichskörper war aber längst verschwunden, und sokonnte nicht blos der König, sondern selbst sein Gesandter zu Reg nsburg sich Hohn undGewaltthat gegen die Abgesandten jener Versammlung erlauben Man fürchiete schondamals die Macht der Presse und verbot allen Buchhändlern und Buchdruckern, bei Ver-lust ihrer Privilegien (Concessionen), die Verbreitung preußischer Staatsschriften, alleinohne den geringsten Erfolg. —
Da es nicht gelungen war, Sachsen zu einer Allianz mit Preußen zu nöthigen, soverwandelte Friedrich die bis dahin milde Behandlungsweise des Landes in außerordentlicheHarte. Es ist unberechenbar, welche ungeheure Masse von Requisitionen diese Gegendenvon nun an während des ganzen Krieges liefern mußten; und wenn man preußischer Seiksauch durch das Gebot der eisernen Nothwendigkeit getrieben war, so ist es doch leicht be-greiflich , daß bei den Sachsen eine fast unauslöschliche Erbitterung gegen Diejenigen ent-stehen mußte, welche ihnen so enorme Opfer auferlegten.
Friedrich eröffnete den Feldzug von 1757 dadurch, daß er in Böhmen einfiel. Dieblutige Schlacht von Prag (6. Mai) schien ihn zum Herrn des ganzen Königreiches zumachen. Allein da erfolgte (18. Juni) die Schlacht bei Kollin — ein Meisterstück der An-lage nach, aber verloren durch die Fehler einiger Generale und die Schwäche der Truppen-zahl. (In der Verzweiflung soll hier der König gegen seine weichenden Truppen in denempörend rohen Ausruf ausgebroch.n sein: „Ihr Hunde, wollt Ihr ewig leben?") Diesefurchtbare Niederlage versetzte ihn für die ganze übrige Dauer des Krieges in die Unmög-lichkeit, einen festen selbstständigen Plan zu verfolgen; „er schwamm von jetzt an blos nochauf dem Strome der Begebenheiten, den seine Riesenkraft zwar brechen, abernicht mehrableiten konnte." Schlesien siel in die Gewalt der Oesterreicher, die sogar einen Streif-zug bis Berlin machten; die Hannoveraner schlossen die Eapitulation von Kloster-Zeven,wodurch sie kampfunfähig wurden; Hannover, Braunschweig, Hessen und die westlichenBesitzungen Preußens waren durch die Franzosen besetzt; eben so Pommern durch dieSchweden und das eigentliche Preußen durch die Russen. So schien Friedrich ohne Ret-tung verloren. Da vernichtete er bei Roßbach (5. Nov.) die ihm an Zahl dreifach über-legene combinirte französische und Reichsarmee, eilte nach Schlesien und schlug (5. Der.)durch die bewundernswertheste Taktik, die er jemals entwickelte, mit 33,000 großentheilszuvor besiegten Truppen 80,000 Oesterreicher bei Leuthen, so daß in kurzer Zeit nur noch17,000 die böhmische Gränze erreichten. Die Schweden wurden aus Pommern, dieFranzosen aus Hannover vertrieben, und den russischen Feldherrn vermochte englischesGold zum Rückzuge aus Preußen, denn Großbritannien hatte sich zu thätiaer UnterstützungFriedrich's, zur Stellung eines Heeres und Bewilligung einer jährlichen Subsidiensummevon 670,000 Pfund Sterling entschlossen. Der ältere Pitt stand damals bereits an derSpitze des Londoner Eabinets.
Im folgenden Jahre (1758) schlug Friedrich die Russen bei Zorndorf. Allein baldbegann eine Reihe von Unglücksfällen. Der König ward bei Hochkirch überfallen, imnächsten Feldzuge (1759) bei Kunnersdorf aufs Haupt geschlagen, einige preußische Heer-abtheilungen sielen vereinzelt in die Gewalt der Feinde. Die Hilfsmittel schmolzen immermehr zusammen. Vergebens, daß der König Frieden anbot. Selbst die Siege von Lieg-nitz und Torgau (1760) gewährten nur eine sehr vorübergehende Erleichterung. Preußenschien aus Entkräftung unterliegen zu müssen. Friedrich trug, als letztes Retmngsmittelvor persönlicher Schmach, stets Gift bei sich, um im äußersten Fall wie Hannibal zuendigen. Er sprach sich darüber aufs Bestimmteste in mehreren seiner Briefe and'Argens aus.
Allein da trat ein eben so unerwartetes als für den König glückliches Ereigniß ein.Die Kaiserin Elisabeth von Rußland starb (5. Jan. 1762 neuen Kalenders). Ihr Nach-folger, Peter Hl-, ein Verehrer Friedrich's, ließ die im Felde stehenden russischen Truppenohne Weiteres mit den Preußen vereinigen. Und obwohl Peter schon nach einem halbenJahre ermordet ward und seine Gattin und Thronfolgerin Katharina II. ihr Heer zurück-beries, >o verschaffte doch der mit ihr lasbald geschlossene Friede dem Könige eine nicht zu