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Friedrich der Zweite.
letzt mit großem Verdrusse entfernte *). Ueberhaupt ist es außer Zweifel, daß diese glän-zenden Talente (etwa d'Argens ausgenommen) den König nicht im eigentlichen Sinne lieb-ten, und daß, so viel er auch in geistiger Beziehung dem Umgänge dieser Leute verdankte,er doch wahre Anhänglichkeit nur bei seinem Volke fand.— Wie dem sei, nach den ernstenRegierungsbeschäfligungen dienten Lectüre der alten und der französischen Classiker, Musik,Poesie und der oft Schlag auf Schlag folgende Witz der Gesellschaft zur Erheiterung undhöheren Geistesentwickelung.
Dem Fenster seinesArbeitszimmers gegenüber hatte der König — sein Grab erbauenlassen. Ehe noch der neue Bau beendigt war, zeigte er einst, zu seinem Begleiter d'Argenssprechend, auf die verborgene Gruft hin: „tzusncl so »ersi» In", rief er aus, „so sersis 8-in»8ouci!" — Dies, wieNicolai erzählt, der Ursprung des Namens jenes Schlößchens.
Bei Anlage des Schloßparks trug sich auch ein oft erzählter Fall zu, nehmlichjener mit dem angeblichen Müller, der seine Mühle nicht an den König abtreten wollteund auf die Drohung des Monarchen, daß er das Eigenthum des Müllers ohne alle Ent-schädigung wegnehmen könnte, von diesem die Antwort erhalten und beherzigt haben soll:„Ja, Ew- Majestät, wenn das Kammergericht in Berlin nicht wäre!" — Das Wahrean der Sache scheint einfach dies zu sein: Es war Friedrich unangenehm, daß die Allee zumHaupteingange von Sanssouci einen Winkel bilden mußte, weil eine arme Frau sich umkeinen Preis zur Abtretung ihres von ihren Eltern ererbten Häuschens verstehen wollte.Bei der königlichen Tafel kam die Sache ebenfalls zur Sprache. Der General Rothenburgbehauptete, der König könne das Weib zur Abtretung gegen, dreifachen Ersatz zwingen.D'Argens ward darüber aufgebracht und rief namentlich mit der ihm eigenen proveneali-schen Lebhaftigkeit: Die Könige seien nicht berechtigt, Jemandem sein Eigenthum, selbstgegen besseren Ersatz, gewaltsam wegzunehmen; denn sonst könnte man den Grundsatzbald auch von einem Hause auf die Frau und die Tochter eines Mannes anwenden. DerKönig sagte: „d'Argens hat Recht", und es unterblieb jeder Gewaltstreich. — Es läßt sichwirklich schwer absehen, wie man über diesen Vorgang (wäre auch die erste Version ganzrichtig) so sehr viel reden, die Gerechtigkeitsliebe des Königs so ganz außerordentlich findenkonnte. Die Sache scheint uns insofern beachtenswerth, alssieAeugnißgiebtvondenin jenerZeit herrschenden Begriffen, wo man es fast wie ein Wunder betrachtete, wenn ein Herr-scher einen Gewaltstreich gegen eine Privatperson unterließ, deren Eigenthum er zu besitzenwünschte; — das Unterlassen einer Handlung, das sich heute so ziemlich von selbst ver-stünde , wenigstens nicht mehr als recht und billig genannt werden könnte.
Es ist begreiflich, daß Maria Theresia den Verlust Schlesiens nie vergaß. DerDresdener Friede war, was früher der Breslauer gewesen, der That nach nur eine ArtWaffenstillstand. Jeder Theil suchte neue Kräfte zu sammeln, sich durch Allianzen zuverstärken, eine vortheilhafte Gelegenbeit abzupassen, um seinen Gegner mit einer ge-wissen Aussicht auf Erfolg angreifen zu können. Oesterreich wünschte das Verlorene zurück-zuerlangen, Preußen sich für alle Fälle sicher zu stellen; die übrigen Mächte sahen sichmeistens entweder durch Friedrich's Eroberertalent gefährdet, oder durch das Beißendeseines Witzes beleidigt.
Es scheint, daß Friedrich die Allianz mit Frankreich etwas vernachlässigte. Erglaubte, nicht immer vertragsmäßig von diesem mit Nachdruck unterstützt worden zu sein(obschon solches im Grunde nichts Anderes als Ausübung des Vergeltungsrechtes für deneinseitigen Friedensschluß von 1742 war). Oesterreich benutzte äußerst geschickt die hier-durch zwischen beiden Staaten entstandene Kälte. Was man nach der ganzen seit Jahr-hunderten befolgten Politik des Versailler und des Wiener Cabinets gar nicht für möglichhätte halten sollen, geschah, besonders dadurch, daß der letztgenannte Hof die damals in
*) Viele Jahre später kam eine Wiederaussbhnung zu Stande. Ueberhaupt verkannteFriedrich niemals das hohe Talent Voltaire's. „Seine Werke", schrieb der König in derFolge, „werden länger dauern als die St. Pcterskirche zu Rom, als das Louvre und alsalle Gebäude, welche die Eitelkeit der Menschen für die Ewigkeit aufführt. Man wird nichtmehr französisch reden, wenn Voltaire noch in die dem Französischen folgende Sprache über-setzt werden wird."