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5 (1847) [Fou - Gir]
Entstehung
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Friedrich der Zweite. 255

stellten, Frieden sehen wir denn allenthalben Aufnahme des verursachten peeuniären Scha-dens vornehmen, und schon im Mai 1746 erfolgten Entschädigungszahlungen aus denStaatscassen; die Ges ammtheit sollte die Verluste tragen, nicht die einzelnen Bürger,die zufällig gelitten hatten.

Friedrich suchte während der nun herrschenden Ruhe die materiellen wie die geistigenKräfte Preußens möglichst zu befördern. Viele zweckmäßige Anordnungen, die Errichtungverschiedener nützlichen und wohlthätigen Anstalten folgten rasch aus einander. Die zustrenge Bestrafung des Kindörmordes ward im Geiste der Humanität gemildert, die Be-strafung der unehelichen Geburten ganz abgeschafft; ebenso die durchaus unpassende Kirchen-buße völlig beseitigt. Au Berlin ließ der König ein bedeutendes Jnvalidenhaus errichten.Die leer gewordenen Militärmagazine füllten sich neuerdings; Schweidnitz ward befestigt;man verbesserte und verstärkte die Werke anderer Orte Alles nothwendige Uebel der da-maligen Zustände.

Ganz besonders lag aber Friedrich eine durchgreifende Reform des Justizwesensam Herzen. Hier war ein Augiasstall zu reinigen. Vor Allem ward eine Masse von Ge-cichtspersonen aus dem Amte gestoßen eine Handlung, die heute jedenfalls als in keinerBeziehung zu beschönigender Gewaltstreich erscheinen müßte, die man aber damals durch-gängig so ansah, als sei sie nur die rechtliche Ausübung der unbeschränkten Regentengewalt;

> dabei angewendet, nicht um, wie man seitdem so oft gesehen hat, die Gerichte zur Aus-führung des Unrechtes und der Gewaltstreiche zucorrumpiren, sondern, im Gegentheile,dieselben zu reinigen von Denen, welche die Heiligkeit ihres Berufes entweiht und geschändethatten. Edenso ward ein neues G esetzbuch verfaßt, hauptsächlich die Arbeit des Groß-kanzlers von Eocceji, eines Mannes vom reinsten Charakter, dessen Leistungen in dieserBeziehung auch für die damalige Zeit von hohem Verdienste waren.

Eine Menge von Morästen und öden Feldern wurden urbar gemacht, namentlich ander Oder, wo sich nun über 3000 Familien ansiedelten. Es entstanden 280 neue Dörfer.Am Ausflusse der Swine in die Oder ward eine neue Stadt, Swinemünde, gegründet undder dortige Hafen mehr ausgegraben. Allenthalben entstanden neue Fabriken und Manu-fakturen , und der Handel erlangte einen größeren Schwung. In Folge dessen stiegen dieStaatseinkünfte, ohne irgend eine Erhöhung der Abgaben und, blos in den älteren Pro-vinzen, bis zum Jahre 1756 um 1,200,000 Thaler, und die Volksmenge vermehrte sichim Ganzen bis auf 5 Millionen, so daß sich Preußens Einwohnerzahl innerhalb 16 Jahrenverdoppelte (vom Tode Friedrich Wilhelm's 1-, 1740, bis zum Beginne des siebenjährigenKrieges, 1756).

Unter Friedrichs weisen Anordnungen entstand eine bis dahin nirgends bekannteDuldsamkeit in kirchlichen Dingen. Jede Confession, jede die öffentliche Ordnung nichtverletzende Secte ward unbedingt in den ihren Gliedern als Menschen und Staatsbürgerngebührenden Rechten geschützt. Dagegen suchte man die Ueberzahl der Feiertage zu be-schränken, die stets Trägheit und Unwissenheit zu Begleitern haben. Der Zustand derhöheren Lehranstalten und Universitäten (auch Hebammenunterricht u. dgl.) hob sich eben-falls bedeutend. Wenn uns aber des Königs Zeitgenossen auch davon erzählen, daß er dasVolksschulwesen sehr verbessert habe, so können wir dies nur als übel angebrachte Schmei-chelei , oder als Beweis der eigenen Befangenheit der Berichterstatter betrachten. Mochteauch Friedrich, was wir nicht bezweifeln dürfen, den Wunsch hegen, die geistige Bildungder Nation mehr zu entwickeln, so begriff er doch offenbar viel zu wenig, was hierin ge-leistet werden könne und wie cs geschehen müsse. Die Volksschulstellen waren für ihnzunächst nur Versorgungsposten für verkrüppelte, invalide Soldaten, von denen vielleichtdie Hälfte nicht einmal selbst gehörig lesen und schreiben konnte. Hierin hätte billigerWeise mehr geschehen sollen.

Nach dem Dresdener Frieden lebte Friedrich meistens bei Potsdam, wo er das einfach-schöne Schlößchen Sanssouci bewohnte, dessen Bau im Jahre 1746 beendigt ward.Auch hier vereinigte er eine Gesellschaft geistreicher Männer um sich. Außer seinen Brüdernumgaben ihn besonders d'Arqens, d'Arget, de la Mettrie und Algarotti, mehrere Jahrelang auch Voltaire, der indessen des Königs Wohlwollen oftmals misbrauchte und sich zu»