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Friedrich der Zweite.
reichischen Landen zurück; die Franzosen folgten ihm nicht, wie sie gesollt hatten; Englandund Sachsen erklärten sich entschieden für den Wiener Hof; Maria Theresia wendete sichneuerdings an die Ungarn; allenthalben griff dieses letztgenannte Volk freiwillig zu denWaffen. Friedrich sah sich plötzlich von allen Seiten, besonders durch die leichte Reitereiseiner Gegner abgeschnitten; ohne Nachrichten aus Preußen, ohne Lebensmittel, dabeidurch Krankheiten unter seinen Truppen geschwächt. Mit bedeutendem Verluste mußte ernach Schlesien zurückkchren. „Der König hat selbst gestanden ", schrieb dieser in der Ge -schichte seiner Zeit, „daß er diesen Feldzug für seine Schule in Hinsicht der Kriegs-führung betrachte und (den österreichischen General) von Traun als seinen Lehrer... KeinGeneral beging wohl mehr Fehler als der König in diesem Feldzuge."
Der Winter ward beiderseits dazu benutzt, die Fortsetzung des Krieges vorzubereiten.Sachsen und Oesterreich schloffen unterm 18. Mai 1745 zu Leipzig den sogenannten „even-tuellen Partagetrackat", dessen Zweck war, Preußen für die Zukunft dadurch ungefährlichzu machen, daß man ihm außer Schlesien auch noch andere Theile seiner Staaten entreiße.Zudem war der unglückliche Kaiser Karl VH. mittlerweile gestorben, und sein Sohn, derKurfürst von Baiern, hatte mit der österreichischen Herrscherin Maria Theresia Friedengeschlossen.
Jetzt erkannte Friedrich die Nothwendigkeit, eine Hauptschlacht zu wagen. Mit70,060 Mann brachte er am 4. Juni dem 90—92,000 Mann starken österreichisch-säch-sischen Heere eine Hauptniederlage bei. Es war dies die Schlacht von Hohenfriedberg oderStriegau, durch das Musterhafte der taktischen Anordnungen eine der ausgezeichnetstenKriegsthaten Friedrichs. Allein das System der großen militärischen Operationen standdamals noch nicht auf gleicher Höhe mit der Taktik der Schlachten. Die in Schlesien cin-gedrungenen Ocsterrcicher mußten sich zwar nach Böhmen zurückzichen, wohin ihnen derKönig folgte; dieser sah sich aber, nach Verlauf von einigen Monaten, mit einem äußerstgeschwächten Heere von allen Seiten umringt. Die Preußen sollten am 29. Septembervernichtet werden. Sie befanden sich in einer durchaus ungünstigen Stellung, bei Sorr,kaum 20,000 Mann stark, gegenüber 40,000 Feinden. Allein, anstatt einen Rückzugzu versuchen und damit einer unvermeidlichen Vernichtung entgegenzugehen, griff ganz un-erwartet der König an und erlangte nochmals einen entschiedenen Sieg, der ihm wenigstensdie Rückkehr nach Schlesien möglich machte. Indessen standen die Dinge noch immeräußerst schwankend. In Berlin selbst, wohin sich der König momentan begab, herrschteFurcht vor dem vereinigten sächsisch - österreichischen Heere. Doch auch dies ward am 15.December von dem preußischen Generale Fürsten von Anhalt beiKesselsdorf geschlagen, undFriedrich zog in Dresden ein. Diese Ereignisse und die mittlerweile zwischen Preußen undEngland geschloffene „hannöverische Convention ", auf der Grundlage des Breslauer Frie-dens von 1742 beruhend, führten endlich am 25. Der. 1745 einen neuen (denDresdener)Frieden herbei, demgemäß Preußen gerade im vorigen Besitzstände blieb. „Schätzt mandie Dinge nach ihrem wahren Werthe", schreibt Friedrich in der Geschichte seinerZeit,„so muß man gestehen, daß dieser Krieg in gewisser Hinsicht ein unnützes Blutvergießenverursachte, und daß eine Reihe von Siegen zu weiter Nichts diente, als Preußen im Besitzevon Schlesien zu bestätigen .. - Dieser Krieg kostete dem letzteren Staate 8 MillionenThaler" (und wie viel Menschen? wie viel zu Grunde gerichtetes Bürgcrglück ?) „und beiUnterzeichnung des Friedens waren 15,000 Thaler die einzigen noch vorhandenen Geldmit-tel zur Fortsetzung des Krieges." — Die beiden Feldzüge von 1744 und 1745 waren offen-bar nicht mehr und nicht weniger als eine natürliche Folge der rechtlosen Aneignung Schle-siens, und es ist sehr gut zu begreifen, daß Oesterreich und Sachsen einen Nachbar unschäd-lich zu machen suchten, von dem sie gewärtigen mußten, daß er Theile ihrer Besitzun-gen an sich reißen werde, sobald sie auf irgend eine Weise in schwierige Verhältnissekommen würden.
Glücklicher Weise hatte Friedrich vor anderen Eroberern d as voraus, daß er dieUebeleinsah, welche durch Kriege über die Völker gebracht werden, und daß er sein eigenes In-teresse richtig genug erkannte, um sich von der Nothwendigkeit, den verheerten Gegendenso viel möglich wieder aufzuhelfen, vollkommen zu überzeugen. Gleich nach wiederherge-