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Friedrich der Zweite.
abgeschlossen. Friedrich blieb im Besitze fast von ganz Schlesien; er übernahm die daraufhaftenden Schulden von 1,700,000 Thalern und versprach, keine Veränderungen hinsicht-lich des Zustandes der katholischen Religion vorzunehmen. Seine Verbündeten überließ erihrem Schicksale; er hatte erlangt, was er für sich begehrte, und — im preußischen Staats-schatz« befanden sich nur noch anderthalb Millionen.
Ohne alles Gepränge langte der König am 12. Juli 1742 wieder zu Berlin an. —Bisher war es üblich gewesen, daß die schlesischen Stände bei jeder Huldigung dem neuenRegenten ein Geschenk von 100,000 Thalern machten. Friedrich lehnte es ab: „das Landsei zu sehr durch Unglücksfälle erschöpft, als daß er dieses Geschenk annehmen könne; erwolle vielmehr darnach trachten, dem Volke wieder aufzuhelfen, damit eS Ursache bekomme,sich seiner Regierung zu freuen/' — Eine allgemeine Toleranz in religiösen Dingen wardmit der weisen Rücksichtnahme eingeführt, welche die bisherigen Verhältnisse Schlesiensforderten. Das früher oft in Willkür und Bedrückung ausgeartete Abgabensystem wardgeregelt. Man bildete zwei Oberamtsrcgierungen (zu Breslau und Glogau). Jeder Kreiserhielt einen Physicus. Eine eigene Handlungscommission sollte über alle mercantilischenStreitigkeiten entscheiden. Künstler, Manufacturisten und Gewerbsleute wurden in dasLand gezogen, wobei der König namentlich die bis dahin mitGrund gehegte Furcht vor dengewaltsamen preußischen Werbungen zu beseitigen suchte. Man gründete Messen undMärkte, verbesserte die Landstraßen und beschleunigte die Posten. Im Geiste der damali-gen, noch nicht mit den Principien einer richtigen Nationalökonomie bekannten Zeit wollteman den allgemeinen Zustand auch durch mancherlei specielle Begünstigungen verbessern.
In gleicher Weise strebte der König, das Aufblühen der älteren Provinzen zu beför-dern. So ward bei Plauen ein Canal gegraben und die Seidenzucht (auf künstliche Weise)sehr befördert. — Die Privilegien, welche den ihrer Religion wegen aus ihrem VaterlandeAuswandernden gestattet waren, erhielten eine Ausdehnung auf alle nach Preußen ziehendeprotestantische Franzosen.
Die Musen waren Friedrich aus dem freundlichen Rheinsberg nach dem zum Aufent-haltsorte des Staatsoberhauptes vortheilhaft.r gelegenen Potsdam gefolgt. Auch hier um-gab ihn eine kleine, aber ausgewählte Gesellschaft, in deren Mitte sich auch Voltairewährend längerer Zeit befand.
Zu Königsberg ward eine „gelehrte Gesellschaft" gegründet und zu Berlin erhob sichnun die „königliche Akademie der Wissenschaften." Mehrere neue, nach den damaligenAnsichten sehr schöne Bauten wurden ausgeführt. Künste und Wissenschaften blühetenvielfach auf.
Ein wichtiger Schritt im Geiste der Humanität war es, daß Friedrich die Tortur ab-schaffte und die mit dem Staupenschlage verbundene Landesverweisung aufhob.
Der König wünschte zwar Erhaltung des Friedens, versäumte aber doch nicht, seinHeer auf einen noch mehr als bisher Achtung gebietenden Stand zu bringen. Der zwischenOesterreich, England und Sardinien zu Worms geschlossene Vertrag ließ ihm keinen Zwei-fel, daß man ihm Schlesien wieder zu entreißen beabsichtige. Unter diesen Verhältnissenkonnte die zu treffende Wahl nicht zweifelhaft sein: es wurden unverzüglich Verbindungenmit Frankreich angeknüpfk, und am 22. Mai 1744 kam die sogenannte FrankfurterUnion zu Stande, zwischen dem Kaiser Karl VII. (dem früheren Kurfürsten von Baiern),dem Könige von Preußen, dem Kurfürsten von der Pfalz und dem Könige von Schweden,als Landgrafen von Hessen, zur Demüthigung Oesterreichs abgeschlossen. Das Ansehendes Kaisers sollte hergestellt, das Wiener Cabinet von allen Seiten durch Waffengewalt be-drängt und kein einseitiger Friede eingegangen werden. Preußen hatte sich als Belohnungdie drei nächsten an Schlesien gelegenen Kreise von Böhmen bedungen.
Die österreichische Regierung, in der letzten Zeit entschieden siegreich gegen ihre Feinde,verwarf das ihr gesendete Ultimatum der Verbündeten. In den ersten Tagen des August1744 erfolgte derBruch, und gegen Mitte des nehmlichen Monates standen bereits 100,000Preußen in Böhmen. Prag ward genommen, und die 12,000 Mann starke Besatzungmußte sich kriegsgefangen ergeben. Allein bald änderten sich die Dinge. Der Prinz vonLothringen, der die Franzosen bis in das Elsaß zurückgetrieben hatte, eilte nach den öfter-