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Friedrich der Zweite.
Wie dem nun aber sei, Oesterreich schlug eine Ausgleichung der Anstände in Gütevor, mit anderen Worten, es suchte durch Unterhandlungen Zeit zu gewinnen. Allein dieseAbsicht war leicht durchschaut, und Friedrich ging nicht darauf ein.
Der König versammelte die Osst'ciere um sich. „Ich unternehme einen Krieg", spracher zu ihnen, „in welchem ich keine anderen Bundesgenossen habe als Ihre Tapferkeit undIhren guten Willen- Meine Sache ist gerecht" (dies will natürlicher Weise immer jederTheil von sich glauben machen!) „und meinen Beistand suche ich bei dem Glücke!" —
Am 23. December 1740 überschritt das preußische Heer, 24—28,000 Mann stark,die Gränze. In ganz Schlesien standen, außer den Festungsbesatzungen, kaum 3000österreichische Soldaten. Es war sonach leicht, in einem Marsche das Land zu besetzen.
Schon Ende Januars 1741 kehrte Friedrich nach Berlin zurück. Das Benehmenverschiedener Nachbarstaaten schien ihm zweideutig; er traf Vorbereitungen, um gegenUeberraschung sicher zu sein. — Der König äußert in seinen hinterlassenen Schriften, die-sen Augenblick hätte das Wiener Cabinet benutzen sollen, um sich mit ihm zu verständigen;gegen Abtretung des Fürstenthumes Glogau würde er demselben Beistand wider seinesämmtlichen Feinde geleistet haben; „allein überall ward leise angefragt, überall unterhan-delt, überall heimlich gearbeitet, um sich in Achtung gebietenden Stand zu setzen und Bünd-nisse zu verschaffen; aber die Truppen keiner Macht waren in marschfertigem Zustande,keine hatte Zeit gehabt, Magazine anzulegen, und der König benutzte diesen entscheidendenMoment, seine großen Absichten auszuführen." Hierin lag das Hauptgeheimniß derpreußischen Ueberlegenheit. —
Mitte Februars war Friedrich wieder in Schlesien. Der Feldzug begann von beidenSeiten. Es kam am 10. April zur Schlacht bei Mollwitz, in welcher die Oesterreicherdurch Schwerins Geschicklichkeit geschlagen wurde. Der König beeilte sich, das ihm vonFrankreich angetragene Bündniß zur gemeinsamen Bekämpfung Oesterreichs und Erhe-bung des Kurfürsten von Baiern zum deutschen Kaiser anzunehmen. Indessen blieb er8 Wochen lang unthätig im Lager von Strehlen, indem er offenbar die Hauptlast derKriegsführung durch seine Allnrten getragen sehen wollte; ja er knüpfte sogar insgeheimUnterhandlungen mit dem Feinde an, und man kam zu einer Art Waffenstillstand, indemdie noch statthabenden Manöver blos zum Scheine ausgeführt wurden.
Friedrich benutzte diese Zeit, die Hilfsquellen Schlesiens möglichst zu ordnen und sieaufs Vortheilhafteste anzuwenden. Die Erwerbung dieses Landes vermehrte die preußi-schen Staatseinkünfte um 3,600,000 Thaler. Dies diente zunächst dazu, das Heer wie-derholt zu verstärken und auf 106 Bataillone Fußvolk und 191 Escadronen Reiterei zubringen. (Es hatte sich gezeigt, daß die preußische Cavalerie an moralischem Wecthe weitunter der österreichischen stand, während das umgekehrte Verhältniß bei der Infanterie er-probt war.)
Mitten unter dem Drange der militärischen Bewegungen vergaß der König nicht, aufdie inneren und geistigen Kräfte Preußens zu wirken. Einerseits wurden Colonisten, ander-seits Gelehrte und Künstler vom Auslande herbeigezogen und Verschiedenes in der Verwal-tung, besonders Schlesiens, zu verbessern gesucht.
Die Unterhandlungen mit Oesterreich führten nicht zu dem gewünschten Ziele. Des-halb eröffnet« Friedrich schon zu Anfänge des Februars 1742, in Verbindung mit einemfranzösisch - sächsischen Corps, einen neuen Feldzug, indem er in Mähren einrückte und inkurzer Zeit fast das ganze Land besetzte, welches eine sächsische Provinz werden sollte. Man-gel an Lebensmitteln, vielleicht auch zum Theil eine Misgunst gegen die Sachsen, bestimmteden König, die Truppen bald nach Böhmen zu führen. Aufs Neue versuchte FriedrichUnterhandlungen; der englische Gesandte am preußischen Hofe, Lord Hinfort, machtewieder den Vermittler. Da aber das Wiener Cabinet zu sehr auf sein Waffenglück rechnete,so erlangte die Sache keinen Fortgang und der König überzeugte sich, daß ein neuer Siegfür ihn nothwendig sei. Er schlug am 17. Mai die ihm an Zahl bedeutend überlegenenOesterreichcr bei Chotusitz (es war die erste Schlacht, deren Gewinn auf Rechnung seinesFeldherrntalentes gesetzt werden darf). Dieser Schlag wirkte. Am 11. Juni 1742 wur-den zu BreSlau die Präliminarien und am 28. Juli zu Berlin der definitive Kriedensvertrag