Druckschrift 
5 (1847) [Fou - Gir]
Entstehung
Seite
234
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234 Frieden, Friedensschlüsse.

Staatenspstemes , als den politischen Messias einer den Slaven angehörenden Ankunft derWeltgeschichte, damit fortan die Letzten die Ersten seien: gewiß genügte alsdann aufeinem russischen Throne nur ein gewöhnlicher und nicht einmal verwerflicherEhrgeiz, selbst ohne das seltene Genie eines Napoleon, um mit leichterer Mühe imNorden und Osten die gleichen oder größere Erfolge zu erringen, als sie dieser im Westenund in der Mitte des Welttheils errang. Wer dürfte dann erwarten, daß Czechen, Slo-waken und alle jene Millionen Slawen an den Granzen Deutschlands und Ungarns dieVerheißungen der neuen Zukunft in den Wind schlagen , daß sie mit ihren Leibern einenWall bilden würden, um den im Ueberrest der Vertrage von 1815 garantirten Statusquodes deutschen Bundes zu schützen, um zu ihrer Germanistrung den Deutschen ausreichendeZeit und bequeme Muße zu verschaffen? Für einen solchen russenfeindlichcn Enthusias-mus der mit Deutschland politisch verbundenen Slavenstämme bedürfte es doch wohl an-derer Triebfedern als der Heiligkeit der nicht mehr heilig geachteten Vertrage; es bedürftedazu ihrer Verbindung mit den Deutschen durch den Segen einer gemeinschaftlichen Frei-heit und eines bis in die untersten Volksschichten verbreiteten Wohlstands.

Oder sind die deutschen Stammgenossen in den sieben und dreißig Staaten des deut-schen Bundes durch gleiche Liebe und gleichen Haß, durch gleiches Interesse und gleicheMeinung in sich selbst so fest vereinigt, um jeder Gefahr Trotz bieten zu können? Derweite Begriff einer deutschen Partei des Fortschritts hat kernen Inhalt, der zur gemeinsa-men That führen könnte: diese sogenannte Partei ist in zahllose Fraktionen zersplittert.Darum gehören die Furcht oder die Hoffnung auf eine allgemeine Umgestaltung durch eineVolksbewegung von innen heraus, zu den wesenlosen Traumen. Die doctrinäre deutscheReiterei auf den Steckenpferden aller gelehrten unmaßgeblichen Meinungen wird keineEarres sprengen ; und gegen die zerstreuten örtlichen Ausbrüche der Unzufriedenheit desVolks werden die bereiten Mittel der Unterdrückung noch lange ausreichen. »Allein nichtum Das gilt es, was das deutsche Volk thun, sondern was es nicht thun wird, wenn ineinem neuen Kriege mit dem Auslande nur die begeisterte That seiner einmüthigen Er-hebung den Sieg zu verbürgen vermöchte. Gäbe es in Deutschland eine Opposition mitbestimmter Richtung und klar erkanntem Ziele, man würde selbst noch im drängendenAugenblicke der Noth durch Gewährung ihrer gerechten Forderungen die ganze Nation zumkräftigen Handeln forkreißen können. Aber eine lähmende Misstimmung ist allgemeinergeworden, während die Quellen dieser Misstimmung sich vervielfältigt haben und nun anallen Orten zugleich um so schwerer zu verschließen sind. Jener naive Enthusiasmus fürdeutsche Einheit und Freiheit, wie er in und nach dem Befreiungskriege zum Vorscheinkam, ist schon lange verbraucht. Wie wäre es anders möglich , da eine eiskalte Politikbemüht war, mit wiederholten Sturzbädern die patriotische Fieberhitze bis zum politischenBlödsinn herunter zu curiren? Giebt es doch nur in Deutschland ein Häuflein solcherThoren, welche Vaterland und Vaterlandsliebe, Staat und Nationalität zum Aberglau-ben stempeln möchten. Nirgends auch ist eine hervorragende Persönlichkeit in einfluß-reicher maßgebender Stellung zu entdecken. Finden noch jetzt, wie früher, die Gewalt-haber ihre ofsiciellen Schmeichler, so hat sich doch mehr noch die Zahl der heimlichen undschleichenden Tadler vergrößert, die ihre Schwächen und Fehler übertreiben, die selbst jedeihrer wohlmeinenden Absichten von vorn herein verdächtigen, und mitten inne steht einegleichgültige oder durch unerfüllt gebliebene Verheißungen getäuschte Menge, die sich unterder Herrschaft des Preßzwangs für berechtigt hält, selbst jeder Lüge und Vcrläumdung aufKosten der Mächtigen ein gieriges Ohr zu leihen. Die gleiche Anarchie der Richtungenund Ansichten herrscht im Gebiete der Religion. Hier das steinerne Medusenbild eineserstarrenden Buchstabenglaubens, dort die Fratzen eines sogenanntenfreien Geistes" undeiner sogenanntenfreien Liebe". Hier theologische Zeloten und.Proselyten werbendeSeelenkäufer, dort die toll gewordenen atheistischen Kläffer, die dem katholischen und pro-testantischen Jesuitismus die Beute in die Garne jagen. Hier die großen Paraden desAberglaubens, dort die kleinen des Unglaubens. Hier ein heuchlerischer Spiritualismus,der aus dem irdischen Jammerthale nach einem himmlischen Jenseits weist und dem Volkevorpredigt, sich einstweilen aus seiner Noth seine Tugend zu machen; dort ein platter