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Frieden, Friedensschlüsse.
Kresse der Eigenthümer gelingen, einer plötzlichen Umwälzung vorzubeugen, doch schwer-lich wird man eine Währung verhindern können, zu deren dauernder Beschwichtigung esaußerordentlicher Mittel bedarf. Bon jeher war es aber ein nahe liegendes Nothmittelder Politik, der aufkcimenden Zwietracht im Innern durch einen Krieg gegen das AuslandEinhalt zu thun. So wird früher oder später die eine oder andere französische Regierung,und es werden die besitzenden Elassen Frankreichs durch dieselbe Furcht vor dem Proletariat,die den Frieden erhalten hat, um ihrer eigenen Existenz willen zum Friedensbruche gc-nöthigt sein. Wohl hat die alte abgenützte Propaganda ihre frühere Bedeutung, wennnicht für Italien, doch wohl für Deutschland verloren. Aber schwerlich wird Frankreichnoch einen Krieg beginnen, ohne zugleich seinem Proletariat wenigstens einige Conces-sionen gemacht und ihm weitere Aussichten eröffnet zu haben; und kann es erst wieder, aufdie überredende Kraft einer solchen Thatsache gestützt, sich mit neuen Verheißungenan die gedrückte Bevölkerung der Nachbarstaaten wenden, werden sie dann bei der Centra-lisation seiner Macht, bei der kriegerischen Lust, dem kriegerischen Muthe und den krie-gerischen Fähigkeiten seiner Bewohner, dem Andrange so leicht widerstehen ?
Ob aber der nächste europäische Krieg von Westen oder Osten komme, für Deutsch-land ist er gleich gefährlich, wenn es mit gebundenen Armen und geknebeltem Munde seinVerhängniß erwarten muß. Aus den Reihen der Polen haben sich Stimmen erhoben,welche davon faselten, daß Deutschland bis an die Elbe, ja bis an die Weser slavisch wer-den müsse. Mit gleich thörichter Leichtfertigkeit über die Arbeit der Weltgeschichte weg-springend, haben Deuksche in ihrer nationalen Traumseligkeit von einer Germanistrungder Polen phantastrt. Seit tausend Jabren ist der slavische Stamm der Ezechen mitDeutschland eng verknüpft, und wie weit haben wir es mit der „Germanisirung" gebracht?Auch die polnische Nationalität wird nicht mit deutschen Federstrichen ausgemerzt. Der Geistdieses Volks wird fortan in anderer Gestalt, mit anderen Hoffnungen und Bestrebungen er-scheinen; aber immer noch wird es Banquo's Geist sein, der die Gewalthaber schreckt undverwirrt. Hat etwa Oesterreich an Macht gewonnen, daß es nun vor den anderen nordischenMächten den Frieden auch in Krakau bewachen muß? Nur das Eine ist damit erreicht,daß mit der Hoffnung der Polen auf eine revolutionäre Herstellung ihres Vaterlands zu-gleich die feindselige Gesinnung gegen Rußland mehr und mehr verschwinden wird; daßsie nur mit diesem und durch dieses wenigstens dietheilweise Erfüllung ihrer Wünscheund die Aussicht auf eine bessere Zukunft erwarten können. Es rüag sein, daß Rußland' von seiner jetzigen Stellung aus, so lange es noch an der überlieferten Politik eines dieVölker abstoßenden Despotismus festhält, in einem Offensivkriege kein allzu furchtbarerGegner ist; es mag sein, daß es in einem Kriege gegen Frankreich wohl ein gefährlicher,aber kein starker Bundesgenosse Deutschlands wäre. Allein es hängt nur von ihm selbstab, sogar ohne eine mögliche Verbindung mit Frankreich, zu einer erobernden Macht zuwerden, der nur mit Mühe und sicher nicht mit den gewöhnlichen Vertheidigungskräftenzu widerstehen ist. Nicht der „eiserne Despotismus Rußlands" ist für Deutschland zufürchten, sondern eine Politik der Milde oder des Scheins der Milde, gegenüber allenZweigen der „großen slavischen Völkerfamilie". Hatte es doch Napoleon thatsächlichgezeigt, daß sich der absolute Herrscher eines großen Reichs mit einer Reihe souverän ge-heißener Vasallenstaaten umgeben kann, ohne an unumschränkter Gewalt einzubüßen.Wohl hätte noch lange das französische Kaiserthum mit seinem unterthänigen Staaten-gesolge bestehen können, ohne einen russischen Winter, den aber nicht Rußland zu fürch-ten hat. Und doch war dieses Reich eine Zusammensetzung der widersprechendsten volks-thümlichen Bestandtheile, während der im Norden herrschende Stamm der Großrussenvon einer langen Kette verwandter Völker begränzt ist. Schon jetzt ist der Ueberqang zueiner anderen Politik, als die persönliche Politik des jetzigen russischen Kaisers ist, durchdie von Rußland in allen slavischen Landern unterhaltenen Verbindungen hinlänglich vor-bereitet. Tritt aber ein legitimer Czar von Gottes Gnaden als Beschützer aller slavischenStämme der griechisch- wie der römisch-katholischen Confession auf, ohne da oder dort die reli-giösen Interessen zu verletzen, was bei der Gliederung dieser Stämme kaum eine schwierigeAusgabe ist; verkündigt er sich als den lebendigen Mittelpunkt eines osteuropäischen