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Fox
wahren Grundsätze der Freiheit und die wesentliche Natur und Nothwendigkeit der franzö-sischen Revolution, der britischen und europäischen Reform nicht getauscht werden. Wasfrüher der Anblick und die Furcht der Mißbrauche nicht vermochten, das gelang auch jetztnicht dem abtrünnigen Bu rke und seiner eben so geist- und phantasiereichen als leiden-schaftlichen und sophistischen Vermischung von Wahr und Falsch zur Vertheidigung destoryistischen Aristokratismus- Fox mochte freilich nicht, wie viele andere Zeitgenoffen,diesen reichbegabten Staatsmannund Schriftsteller für den feinsten Berechner und Jesuitenhalten, wenn auch dieses äußerlich dadurch unterstützt wurde, daß Burke arm war unddes allmächtigen Ministers Gunst durch poetische Ausschmückung der nackten toiyistischenund engherzigen ministeriellen Grundsätze eintauschte*). Das aber mußte für Fox immerklarer werden, was E h a lmers von Bu rke urtheilte, daß er bei einer einmal zur Ver-theidigung ergriffenen Ansicht sich durch glühende Einbildungskraft und Schultheorieenweit über alle Wahrheit Hinausreißen ließ und daß er, wie Goldsm ith sagte, seine un-vergleichlichen Talente, statt sie zum Besten der Menschheit anzuwmdin, blos zur Unter-stützung seiner Partei gebrauchte. So wird jeder unbefangen prüfende Leser bei Burke'sleidenschaftlicher absoluter Verwerfung der gegen die scheußlichste Verderbniß unternom-menen französischen Revolution, aller ihrer Grundsätze und aller ihrer Werke urtheilenmüssen. S§ insbesondere, wenn Burke selbst in der ersten französischen Constitutionnichts als Irreligiosität, Anarchie, Laster und Elend finden wollte. Und muß man nichtvollends so oder noch schlimmer urtheilen, wenn man es hörte oder las, wir kurz vorherderselbe, jetzt jeder Neuerung abholde Vertheidiger der Autorität und alles geschichtlichenmonarchischen und aristokratischen Rechts, nicht etwa als unbedachtsamer Jüngling, nein,als ein gereifter Staatsmann von fünfzig Jahren, mit dem hinreißendsten Feuer der Be-geisterung, mit allen Donnern seiner Beredsamkeit für die Revolution und den blutigenBürgerkrieg der Nordamerikaner, für ihre auf die Erklärung der Menschenrechte gebautedemokratische Freiheit stritt, wenn man las, wie derselbe bald nachher mit niederschmet-ternder Beredsamkeit und schonungsloser Härte gegen den angeklagten Gouverneur Ha-stings, dessen angebliche tvryistische Misbräuche aufLeben und Tod verfolgte, wie er end-lich nach früherer Bemühung, die Krone ihres halben Einkommens zu berauben, in desKönigs vorübergehender Geisteskrankheit den greisen Monarchen auf das Empörendsteherabsehte und schmähte! Wer dieses Alles las, gewiß der wird nicht von der ihm zum Lohnseiner späteren Vertheidigung der aristokratischen und monarchischen Autorität zu Theilgewordenen großen Pension tvon 40,000 fl.) Argumente gegen die gewissenhafte Prüfungdieser Vertheidigung hernehmen. Kann wohl je ein reiner Freund der Freiheit ausUeberzeugung ein Sachwalter des Despotismus werden, wie Sheridan nicht mit UnrechtBurkenennt? Auch wirdmaninBurke'sRedenund in seinem Werke über die fran-zösische Revolution nur zu oft in Ausführungen, die übrigens durch alle Vorzüge reicherKenntniß und Phantasie, herrlicher Darstellung und selbst eines Anscheins von glühendersittlicher Wärme anziehen, unwillkürlich an jene unglückliche Geschichte vom Dolche erin-nert- Einst nehmlich in einer der feurigsten Reden gegen die verpesteten Franzosen, nachlängerer Ausführung, daß selbst hinter ihren brüderlichen Küssen die Erdolchung lauere,zog Burke plötzlich einen Dolch, den er zu diesem Zwecke in Papier gehüllt zu Hause zusich gesteckt hatte, aus seiner Einhüllung, schwang ihn in erkünstelter höchster Steigerungseiner moralischen Begeisterung einigeMale in der Luft und schleuderte ihn dann abscheuvollzu den Füßen des Sprechers. Doch ein allgemeines Gelächter des Hauses war dieses Maldie Belohnung des Rhetors**).
Ungeirrt also durch solche Ausführungen, durfte Fox fortfahren, die französische Re-volution eine der glorreichsten Begebenheiten der Geschichte und wohlthätig für alle Völkerzu nennen, und nicht in der Freiheit, sondern eben so wie in deren Misbräuche, auch in ihrerAnfeindung, Unterdrückung oder Bedrohung die wahren Gefahren zu finden. Er kämpftemit seinen Freunden, so wie früher gegen die Unterdrückung Amerikas, so jetzt gegen die
*) Küttner, „Beiträge zur Kenntnis des Innern von England", XIV. S. 12.
**) Küttner, a. a. O. S. 14.