Druckschrift 
5 (1847) [Fou - Gir]
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

24 Fonrier.

Beseitigung ihres materiellen, geistigen und sittlichen Nothstands zur vorzüglichen Auf-gabe zu machen, war Fourier selbst der angreifcnde Lheil. Erging Von der Ansichtaus, daß sich der wahre Liberalismus mit allen Form n civilisirter Regierungen ver-trage. Er wollte in seiner Menschheit keine Nationen mehr, sondern nur Phalangen,Cantone, Provinzen, Regionen und eine Welthauptstadt. Aber bei allem theore-tischen Verkennen der Bedeutung der Nationalität, konnte er aus seiner nationalenfranzösischen Haut so wenig auch nur in Gedanken herausspringen, daß nach ihmdie französische Sprache, wenigstens bis zur Entdeckung der kosmisch universellen,die allgemeine Sprache werden sollte. In der Meinung, daß sich die sociale Reformunter jeder Regierung, sogar unter den Inquisitoren von Goa durchsetzen lasse, erwar-tete er schon 1808 die Einführung der Harmonie von Napoleon, und in seinerVorliebe für eine Eentralregierung lobte er den Versuch der Welteroberung. Znseinen Hoffnungen getäuscht, galt ihm später Napoleon als Usurpator, und Lud-wig XVIll. kam an die Reihe. Für Täuschungen solcher Art war der kindlicheGlaube Fourier's erforderlich, der nach einer Erzählung Bcranger's währendzehn Jahren täglich um 12 Uhr nach Hause ging, weil dies die Stunde war, die erin seinen Schriften zum Stelldichein für den Reichen bestimmt halte, der ihm zurErrichtung des ersten Phalansteriums eine Million anvertrauen wolle. Diesen Illu-sionen gegenüber hatten die literarischen Vertreter der verschiedenen Schattirungen derpolitischen Opposition leichtes Spiel, indem sie jede Hoffnung auf allgemeine So-cialreform so lange als thöricht bezeichnten, als nicht vorerst in Frankreich undden anderen Staaten Europa's die politische Macht der Aristokratie der Reichen ge-brochen sei.

Man muß indeß den Schülern Fourier's zum Lobe nachsagen, daß sie imKampfe mit ihren verschiedenen Gegnern den Kampf selbst gelernt haben. Aufdem religiösen Gebiete wissen sie es zu vermeiden, irgendwie Aergerniß zu geben;und indem sie die Grundsätze ihrer Doctrin mit den Principien des ChristenthumSin Einklang zu setzen suchen, zeichnen sie sich vorteilhaft vor einem Theil der Eom-munisten und einigen deutschen Schulphilosophen aus, welche ihre täppischen Versuchezur Emancipation des Volks damit beginnen, daß sie die religiösen Ueberzeugungen desVolks vor den Kopf stoßen. An allen politischen Fragen, wie zumal an derjenigender Wahlreform, nehmen sie in neuerer Zeit lebhafteren Antheil und sind einsichtig ge-nug, den unauflöslichen Zusammenhang der Politik und der gesellschaftlichen Reformin jeder Weise anzuerkennen. Während die ganze Schule Fourier's aus streng-gläubigen Anhängern zu bestehen scheint, die wenigstens öffentlich kaum einen direktenZweifel an den Offenbarungen ihres Meisters laut werden lassen, sind sie doch so klug,den mathematisch starren und willkürlichen Behauptungen desselben eine dem Lebenangepaßte Geschmeidigkeit zu geben und zugleich alle bedenklichen oder anstößigenLehren, wie über Ehe und Familie, in den Hintergrund zu schieben. Die Schicksaledes St.-Simonismus haben ihnen, wie es scheint, zur Warnung gedient. Dieserging zu Grunde, als er seine Auswüchse zur Hauptsache machte und sich mit seinenauf die Spitze getriebenen Thorheiten dem Urtheile der öffentlichen Meinung blosstellte.Der Fourierismus dagegen machte eine entgegengesetzte Entwickelung durch: er hatsich von seinen Schlacken mehr und mehr gereinigt und eins Gestalt gewonnen, inwelcher er an daß wirkliche Leben anzuknüpfen vermag. Darum findet er in wach-sendem Kreise Achtung und Anerkennung, und ist in eine Periode des Fortschrittsgetreten, nachdem er schon dem Erlöschen nahe schien.

Letzteres war der Fall, als Vaudet-Dulary, Verfasser derOrisc sociale",damals noch Deputirter, seine Besitzungen in Conde'-sur-Vesgres bei Versailles denFourieristen zur Verfügung gestellt hatte, um auf einem Gebiete von 500 Hectarenden Versuch zur Gründung einer ersten Phalanx zu machen. Man hatte zu raschbegonnen, das Capital mangelte und das Unternehmen mußte aufgegeben werden.Dieses erste Mislingen brachte den ganzen Foucierismus in Mscredit- Jetzt mußteauch die Zeitschrift 1'iralanslörc" oderI^a rctorrne 8ociaIc" aufhören, der sich