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Fourier.
ist, daß noch Schule und Leben viel zu scharfgetrennt sind, daß oft häusliche und öffent-liche Erziehung in grellem Widerspruche stehen, daß bei dem Unterrichte und der ganzenAusbildung der Fähigkeiten viel zu wenig Rücksicht auf die gesellschaftlichen Zuständegenommen wird, in welchen diese Fähigkeiten künftig die ihnen gebührende Stelle einzu-nehmen und sich geltend zu machen haben. Nach Fourier's Systeme soll aber der gesel-lige Thätigkeitstrieb der Kinder unmittelbar benutzt werden, um sie in die ihren Neigun-gen und Fähigkeiten gemäßen gesellschaftlichen Verhältnisse zu versetzen, und ihre socialeWirksamkeit als Erwachsene soll sich so innig an diejenige in der Jugend anschließen, wieauch Jahre an Jahre und Tage an Tage sich reihen. Nicht minder ist es gewiß, daßNoth und Willkür, Vorurtheil und Herkommen über den Beruf und die Berufsbildungder Meisten entscheiden, und daß hierin die hauptsächlichste Quelle einer freudelosen, un-erquicklichen Thätigkeit und so vielfach verfehlter Bestimmungen liegt. Fourier's An-hänger wollen dagegen die Wahl der Beschäftigung durchaus von der Neigung abhängenlassen, weil sie von der Grundansicht ausgehen, daß auch die Fähigkeiten diesen Neigun-gen gemäß sind. Man hat sich bereits da und dort zu der Ansicht erhoben, daß das Rechtder freien Meinungsäußerung ein unveräußerliches Menschenrecht sei. Diese Ansichtgründet sich auf den Glauben, daß nur dem ungehemmten geistigen Verkehr und derReibung der Meinungen da^ erleuchtende und erwärmende Feuer der Wahrheit entspringe;daß jeder einseitige Zwang nur eine willkürliche Anmaßung gegen das in der menschlichenNatur erkennbare Gesetz Gottes sei, wodurch ein harmonisches Fortschreiten im Gebieteder Intelligenz gestört und gehemmt werden müsse. Fourier und seine Schüler nehmendieselbe Freiheit, die man auf dem intellektuellen Gebiete in Anspruch genommen, zugleichfür das des Gemüths in Anspruch. Auch in der freien Entwickelung der Neigungenund Triebe, so wie in deren freier Aeußerung innerhalb der ihnen gemäßen Sphären derThätigkeit, finden sie die Basis von Zuständen und Verhältnissen, die nach ihremGlauben befriedigender als die gegenwärtig vorhandenen, sein werden. Das SystemFourier's ist also gleichsam als eine Ergänzung der Meinungsfreiheit, insbesondere derPreßfreiheit, zu betrachten, da es zu vervollständigen und die Herrschaft der Freiheit aufdas ganze Gebi.t des menschlichen Lebens auszudehnen sucht. Zur Rechtfertigung sei-ner Forderung einer vollen Emancipation des Gemüths mit allen seinen Neigungen, gehtes von der Ansicht aus, daß jede Neigung und jede Leidenschaft in ihrer Befriedigung ei-nen bestimmten Genuß suchen, daß also der einseitigen Herrschaft einer besonde-ren Leidenschaft, so wie dem hiermit zusammenhängenden Uebermaße einseitiger Ge-nüsse, die zu Lastern und Verbrechen führen, nur durch die Entwickelung der verschie-denen Neigungen und durch die Mannigfaltigkeit der ihnen entsprechenden Tä-tigkeiten und Genüsse vorgebeugt werden könne. Der Glaubenssatz der Fourieristen be-steht also wesentlich darin, daß einzelne Leidenschaften nur darum überstark werden, dassittliche Gleichgewicht im Menschen stören und ihn demoralisiren, weil die anderen Triebeund Neigungen allzu schwach geblieben sind, weil also nicht das ganze Gemüthslebennach allen Richtungen und eben dadurch harmonisch entwickelt worden ist. Fouriersteht also das Unterdrücken und Ersticken der Naturtriebe als eine Empörung gegen diegöttliche Ordnung selbst an. Und schwerlich möchte sich diese Behauptung durch die Er-fahrung widerlegen lassen, welche unsere herkömmliche Erziehungsweise, die es in sittlicherHinsicht wesentlich auf ein solches Niederhalten natürlicher Triebe abgesehen hat, an dieHand giebt. Sehen wir doch so oft aus diesem Erziehungssysteme eine widerliche Heuche-lei entstehen, welche die verkehrten Neigungen nur zu verstecken sucht und der Lust an derSünde das schimpflichste Laster hinzufügt; und müssen wir doch erkennen, daß mancheNeigungen und Triebe nur niedergehalten werden, um andere Leidenschaften desto üppigerwuchern zu lassen und gerade dadurch verderblich zu machen.
Die Idee einer freien Concurrenz aller Thätigkeit ist, wie die Idee der Freiheit selbst,blos negativer Natur. Sie ist die Opposition gegen jeden positiven Zwang, welcher dieEntwickelung der Tätigkeiten hemmt und die freie Production in Fesseln schlägt. Einesolche Opposition war und ist heilsam und nothwendig im Verhältnisse zu den veralteten,feudalistischen Formen, in welchen die verschiedenen Zweige der menschlichen Thätigkeit sichStaats-Lerikon. V. 2