16
Fourier.
nicht das allgemeine Nahrungsmittel sein könne, treten als künftiges >,pnint »I'imrnwnie"in Zucker eingemachte Früchte, die als zusammengesetztes Nahrungsmittel das Productverschiedener Zonen vereinigen und hie,nach dem Nalurplane, der in Allem Associationfordere, gemäßer sind. Man wird Teleskope erfinden, die 40,000 Mal mehr als dasHe rsch el'sche vergrößern. Dann wird man mit Planeten und Fixsternen in telegra-phische Correspondenz treten und namentlich wird uns der Planet Merkur das Alphabetund die ganze Grammatik einer neuen Universalsprache,der ,,!imgue ii->rmonii»s unitsirv",mittheilen u- s. w.
Dieser burleske Unsinn und diese phantastischen Spielereien haben ihre Quellein einer Kosmologie, welche den Grundsatz der Einheit des Menschen mit dem Universumund einer allgemeinen Analogie an die Spitze stellt, und nach welcher auch alle menschli-chen Leidenschaften und Tugenden mit ihren eigenthümlichen Einflüssen und Wirkungenin den verschiedenen Naturgebieten ausgeprägt sind. Hiernach wird das Universum gleich-sam als eine fort und fort schaffende Association angesehen, worin jeder Planet und jedeSonne, nach ihren eigenthümlichen Neigungen und Fähigkeiten, als Mitglieder undMitarbeiter erscheinen- Der besonderen Art von Thatigkeit, womit jeder Himmelskör-per in diese Universal-Jndustrieanstalt eingreift, entsprechen dann auch die besonderen Er-scheinungen und Productionen, die wir auf d.r Erde gewahren. So versichert Fourier mitgroßer Bestimmtheit, daß unter den Blumen die Rose das Werk Merkur's und die Hor-tensia, das Symbol der Koketterie, dasjenige der Kleopatra sei, daß die Frauen den Ka-schemirshawl dem besonderen Einflüsse der Venv.s verdanken u. dergl. mehr. Ueberhauptist das Werk Fourier's über die „sssocmtion liomesticjns sgrieols" eines der seltsamstenErzeugnisse des menschlichen Geistes. Die Gedanken wälzen sich in dem Kopfe des Ver-fassers wie die Loose in einem Glücksrade, und in buntester Mischung kommen Weis-heit und Narrheil, Treffer und Nieten zum Vorscheine. In emsiger und redlicher For-schung glaubt er, einige Grundwahrheiten entdeckt zu haben, aber in der Freude überseinen Fund erscheint er nun sich selbst als göttlich inspirirt. So überläßt er sich denn ingutem Glauben dem Strome seiner Phantasieen und giebt selbst die wunderlichsten Ein-fälle seines wachen Traums für baare Wahrheit aus. Durch diese Hingebung an alleLaunen und Sprünge der Phantasie, so wie durch die zu Grund gelegten Principien unddie Art ihrer Entwickelung und Anwendung, erinnert Fourier's System, obgleich darinAlles auf Berechnung gegründet sein soll, an diejenigen der Mystiker des Mittelaltersund bietet auch in dieser Beziehung eine merkwürdige Erscheinung dar. Besondersauffallend ist es, daß diese den herkömmlichen Ansichten so widersprechende Lehre in Frank-reich und in einem Lande entstehen konnte, wo alle Vorurtheile und alle gesellschaftlichenVerhältnisse besonders darauf abzuzielen scheinen, jeden geistigen Aufschwung in einervon Meinung und Mode gezogenen Gränze fcstzuhalten. Schon früher wurde bemerkt,daß sich viele Schüler Fourier's von den meisten Verirrungen ihres Lehrers frei erhaltenund sein System mehr in den Gesichtskreis des gemeinen Menschenverstandes und derpraktischen Ausführbarkeit gestellt haben. Wenn aber die seltsame Art und Weise, wieFourier selbst sein System darstellte, dieses alsbald dem Angriffe und dem Spotte bei ei-nem Volke aussetzte, wo Alles, was einmal für lächerlich gilt, sogleich der Vernichtunganheimsällt, und wenn dieses System gleichwohl eine nicht unbeträchtliche Anzahl vonAnhängern und weitere Ausbildung gewinnen konnte, so liegt wohl schon darin ein Be-weis, daß den mannigfachen Verirrungen auch unleugbare Wahrheiten zur Seite stehenmüssen , deren Anerkennung und Geltendmachung eine Forderung und ein Bedürsniß un-serer Zeit sind.
In der That läßt sich nicht in Abrede stellen, daß die Lehre Fourier's manche Ge-brechen unseres gesellschaftlichen Zustandes deutlich erkannt und manche zweckmäßige Mit-tel zur Abhilfe vorgeschlagen hat- Besonders gilt dies von unserer jetzigen öffent-lichen Erziehung so wie von dem in der politischen Oekonomie herrschend gewordenenEoncurrenzsysteme. Vor Allem ist Fourier scharf in seiner Kritik der Ungebühren desjetzigen Handels, von der Agiotage bis zum Wucher im Kleinen, wie er denn von sichselbst ausgesagt, daß er „den Eid Hannibal's gegen den Handel" geleistet habe. Unleugbar