Fourier. 11
Neigungen für die verschiedenen Arten von Thätigkeit. Der Unterricht wird hauptsächlichvon Stufe zu Stufe, vom gereiften Manne dem Jünglinge, von diesem dem Knaben rc.,ertheilt. In den Arbeiten findet Abwechslung und rascheFolge statt. Lohn undStrafe sollen wesentlich den Zöglingen selbst überlassen bleiben und hierbei Alle lernen, daßderjenige des größeren Lohnes sich erfreue, der am Meisten für Seinesgleichen gethan, unddaß der Ruhm im Verhältnisse mit den überwundenen Schwierigkeiten stehe. Die erstenKosten für ein solches Etablissement, als einer besonderen Bildungsanstalt und außerVerbindung mit der vollständigen Fourier'schen Gesellschaft, werden nun freilich auf einebeträchtliche Summe berechnet, aber zugleich wird die Erwartung ausgesprochen, daß baldder größere Theil derselben durch die Production in solchen Bildungsanstalten gedeckt wer-den könne.
Der Organismus der gesellschaftlichen Verhältnisse überhaupt ist nun nach Fourier'sSystem nichts Anderes als eine Erweiterung und Ausdehnung dieser Bildungs- undJndustrieanstalt für Kinder auf alle Classen der D.völkerung. Die socialen Elemente,aus welchen diese Gesellschaft sich zusammenseht, sind die von Fourier sogenanntenPhalangen. Die einzelne Phalanx ist eine Vereinigung von 1200 bis 1800 Indivi-duen jedes Alters und Geschlechts. Wie die St.-Simonisten bei Entwicklung ihres Systemsweniger die landwirthschaftliche als die Gewerbe treibende Bevölkerung vor Augen hatten,so haben es sich dagegen Fourier's Anhänger nicht zur ausschließenden, aber doch zur vor-züglichen Aufgabe gemacht, den Organismus einer Phalanx, der besonders mit landwirth-schafilichen Beschäftigungen zu thun hat, näher darzustellen. Einer solchen Phalanx istein Gebiet von einer halben bis ganzen Quadratlieue zugewiesen. Alle Glieder derselbenwohnen in einem umfassenden Gebäude, Phalanstere, und alle Wohnungen der Einzelnenstehen unter sich in Verbindung. In passender Lage und Entfernung reihen sich daran dieWirlhschaftsgebäude und die Locale für die verschiedenen Gewerke- Das Grundeigenthumwird gemeinschaftlich ausgebeutet; das bewegliche Vermögen soll Pcivateigenthum derEinzelnen sein und auch Weiber, so wie Kinder, deren Erziehung bis zum Alter der Selbst-ständigkeit die Phalanx übernimmt, werden persönliche Eigenthümer des von ihnen Er-worbenen. Man arbeitet in freiwillig sich bildenden Gruppen und in Serien. Nach einerArbeit von einer bis zwei Stunden wird zu anderen Beschäftigungen und zu anders com-binirten Gruppen und Serien übergegangen. Selbst der größere Theil der wissenschaft-lichen Arbeiten, so behauptet man, könne vortheilhaft in Gruppen und in kurzen Sitzungenvorgenommen werden. Nur selten und ausnahmsweise werden besondere Beschäftigungenvon denselben Arbeitern längere Zeit fortgesetzt. Fourier nimmt nicht weniger als dreißigverschiedene Arten von Beschäftigung an, welchen jeder Einzelne sich widmen kann. Fürdie schnellen Uebergänge von einer Arbeit zur anderen, ohne daß hierdurch derWerth desProducts beeinträchtigt werde, beruft man sich auf die angebliche Erfahrung, daß selbstdiejenigen Geschäfte, welche die anhaltendste Uebung und die größte Fertigkeit erfordern,vollkommen gut erlernt und ausgeübt werden, wenn man ihnen an vier Tagen der Wochejedesmal vier Stunden widme. Jede Gruppe zählt wenigstens 7 bis 9 Mitglieder, da sienur unter dieser Voraussetzung für fähig gehalten wird, in sich selbst verschiedene Riva-litäten rege zu machen, die sich gegenseitig in harmonischem Gleichgewichte halten. EineSerie besteht aus wenigstens drei Gruppen, damit sie ein Mittelglied habe, das diebeiden Extreme aus einander hält und balancirt. Hat eine Serie viele Gruppen, sozerfällt sie in drei bis sieben Corporationen, in ein Centrum und zwei Flügel, zwei Neben-flügel, nebst Vorposten und Hinterposten. Da alle Mitglieder der einzelnen Gruppenund Serien in der Wahl ihrer Beschäftigungen nur ihrer Neigung folgen, so ist in einersolchen Serie eine Gattung von Neigungen repräsentirt, während die einzelnen Grup-pen den verschiedenen Arten dieser Gattung entsprechen. So theilt sich z. B. die Serie derBlumisten in die Gruppen der Rosenpfleger, Tulpenpfleger u. s. w. Und hiermit hängtes zusammen, daß die Serien „se'ries passionnc'es" heißen, und daß die ganze Art ihrerThätigkeit als „Industrie sttruvsnte et swssinnne'e" bezeichnet wird. Auch die verschie-denen Serien mit ihren verschiedenen Gattungen von Thätigkeit sollen unter sich rivalistren,contrastiren und zugleich dadurch gegenseitig in einander greifen , daß die Einzelnen, nach