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5 (1847) [Fou - Gir]
Entstehung
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10 Fourier.

bezeichnten, von der Religion angerathenen socialen Vereinigung wird,mehr belohnendals bestrafend.

Das Element der neuen socialen Wissenschaft ist hiernach die Kenntniß der Nei-gungen und Leidenschaften, so wie die Bestimmung der Art und Weise, wie dieselben fürdie Production der materiellen und immateriellen Güter, für Vertheilung und Consumtionderselben in Thätigkeit zu setzen sind. Fourier ist des guten Glaubens, die Lehre Newton svon der Gravitation und den anziehenden Kräften der äußern Natur mit mathematischerBestimmtheit und Eonsequenz auch auf die innere Natur des Menschen, auf das ganzeSpiel der Neigungen und Triebe, angewendet zu haben. Ohne auf die von ihm beliebteElasstsicicung der Leidenschaften und ihren behaupteten Zusammenhang mit den socialenFunctionen einzugehen, genügt es hier, die Idee festzuhalten, daß die Leidenschaften zu-gleich auf die Fähigkeiten Hinweisen sollen, und daß also dieAusbildung der letzteren mit derAnerkennung und Entwicklung der ersteren zusammenhänge. Darauf gründet sich zunächstdas von Fourier und seinen Schülern vorgeschlagene Erziehungssystem. Der Mensch,für die Gesellschaft geboren, soll von Jugend auf in die ihm gemäßen gesellschaftlichen Ver-hältnisse versetzt werden. Hiernach wird sowohl das Rousseau'sche Jsolirungssystem ver-worfen, als auch die gewöhnliche Erziehung in der Familie für ungenügend erklärt, undeS werden dagegen gemeinschaftliche Bildungsanstalten für 300 bis 500 Kinder beiderleiGeschlechts bis zum zwölften oder vierzehnten Jahre für nothwendig gehalten. Weil dieFreundschaft das erste Bedürfniß des Geistes und Herzens ist, das bei den Kindern erwacht,sollen sie sich, nach natürlicher Wahlverwandtschaft, in Gruppen von Cameraden bilden,um als Gleiche und Gefährten zu leben; denn der Einfluß einer guten Lehre werde nurdauernd sein, wenn das Kind diese Lehre mit gleicher Liebe von Seinesgleichen ausgenom-men sehe, wenn seine Meinung in derjenigen seiner Gefährten alsbald eine Stütze undHeiligung erhalte und ihm Gelegenheit gegeben werde, in wetteifernder Thätigkeit mitAnderen die Lehre alsbald in Anwendung zu bringen, um im Erfolge selbst eine neue Ge-währ derselben zu finden. Den Kindern werden alle diejenigen Zweige der Industrie unddes Studiums zugewiesen, die ihrem Geschmack und dem Umfang ihrer Kräfte entsprechen,und die verschiedenen kindlichen Gruppen und Beschäftigungen erhalten eine Organisation,die in ihrer Gliederung den verschiedenen Neigungen derselben gemäß ist, den Wetteiferbei ihnen aufregt, sie von Anfang an für die selbstständige Befriedigung der Bedürfnisseihrer Gesellschaft sorgen lehrt und den Enthusiasmus für die Erhaltung ihrer gesellschaft-lichen Ordnung weckt und aufrecht erhält. Hiernach werden die Kinder in zwei Haupt-classen eingetheilt. Die eine Classe besteht aus den milderen und weicheren Charakteren,welche größere Anstrengungen und schwerer zu beseitigende Hindernisse scheuen, aber fürBesorgung solcher Geschäfte, die hauptsächlich Aufmerksamkeit und Zartsinn erfordern,besonders geeignet erscheinen. Die andere Elasse wird aus den kräftigeren Charakteren ge-bildet, die an waglichen Unternehmungen Gefallen haben und ausdauernd in Ueberwindungvon Schwierigkeiten sind. Für die Behauptung, daß es für alle Arten von Beschäftigung,die der menschlichen Gesellschaft nothwendig und nützlich sind, entsprechende Neigungengebe, beziehen sich Fourier und seine Schüler unter Anderem darauf, daß bei den Kindernein entschiedener Hang hervortrete, mit unsauber» und unreinen Gegenständen sich zu be-fassen, daß man diesen Hang gewöhnlich zu ersticken suche, aber viel besser thun würde,ihn zu benutzen und hierdurch die Wegschaffung des Unreinen, im Interesse der Gesellschaftund für Erhaltung ihres Gesundheitszustandes, zu einem Gegenstände der Industrieaus Neigung zu machen. Zugleich wird darauf hingewiesen, daß bei der jetzigen Bil-dungsweise viele nothwendige Beschäftigungen dieser Art nach verkehrten Vorurtheilen alserniedrigend betrachtet werden, während man doch die nach Mittel und Zweck so ähnlicheBerufsthätigkeit der Pflegerinnen in Hospitälern, der Anatomen, Chirurgen u. s. w- alsehrenwerth gelten lasse. Wie ferner in den verschiedenen Gebieten der Naturwissenschafteneine natürliche Eintheilung in Gattungen, Arten und Varietäten anerkannt werde, sosollen auch die beiden Hauptclassen nach dem Alter und nach der Art der Beschäftigungen inOrdnungen und Serien zerfallen, welche letzteren durch passend associirte Gruppen ge-bildet werden. Diese ganze Eintheilung bestimmt sich durchweg nach den verschiedenen