Druckschrift 
5 (1847) [Fou - Gir]
Entstehung
Seite
8
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? Fourier.

tet die in der Gesellschaft ihm übertragenen Functionen. Da hierbei aller Zwang, alles aus-schließende Recht des einen Ehegatten gegen den anderen unbedingt wegfällt, so ist dasPrincip der Lösbarkeit der geschlechtlichen Verbindungen im weitesten Umfange anerkannt.Doch sind nicht alle St.-Simonisten so weit gegangen als der bekannte pere knlrmtm.Dieser hatte den Ehebruch förmlich zu sanclioniren und zu organisiren gedacht, indem erden männlichen und weiblichen Mitgliedern des Priesterstandes die besondere Aufgabe er-theilte, bei ihren jeweiligen Beichtkindern des anderen Geschlechts nicht blos in geistigenund sittlichen Bedürfnissen, sondern auch in der physischen Liebe mit dem Versuche der Er-gänzung und Befriedigung einzutreten. Endlich ist die wichtigste Veränderung, die derSt.-Simonismus im Sachenrechte beabsichtigte, die völlige Aufhebung alles Privatver-mögens und folglich auch aller Erblichkeit desselben, da in die Hinterlassenschaft der voneinem Verstorbenen besessenen und benutzten Güter immer nur die Gesammtheiteintutt, welche überhaupt nie aufhört, die Eigenthümerin des gesummten Vermö-gens zu sein.

Die Lehre Fourier's hat mit derjenigen Owen's und der St.-Simonisten die Oppo-sition gegen das von den meisten neuern Staatsökonomen vertheidigte System einer freienund unbeschränkten Eoncurrenz gemein; sodann die projeclirte Gründung einer umfassen-den Association, welche die zerstreuten Kräfte und widerstreitenden Interessen für -inenhöchsten Gesellschaftszweck verbinden und versöhnen soll, und worin man sogar ein baldigesVerschwinden aller nationalen Unterschiede sich träumen läßt; endlich eine gemeinsame Er-ziehung im Namen und Interesse der Gesellschaft, statt der bisherigen häuslichen, vonden Bestimmungen der Eltern wesentlich abhängigen Bildungsweise. Im Widerspruchedamit verwirft sie dagegen die Classeneintheilung Owm's und dessen strenge Theilungder Arbeit, so wie das Institut einer St.-Simonistischen Hierarchie zur Beurtheilung derFähigkeiten und zur Vertheilung der Geschäfte, indem sie vielmehr für das Princip derAbwechselung und Manniqfaltigk.it der Thäligkeiten, nach freier Wahl und Neigung derEinzelnen, sich erklärt. Ohne die Anmaßung, eine neue Religion zu gründen, beschränktsich Fourier aus die Verwerfung einiger Dogmen, die man aus dem Ehristenthume hatableiten wollen, namentlich des katholischen Dogmas von der Unauflösbarkeit des ehelichenBandes und desjenigen von der Erbsünde; denn er betrachtet die menschlichen Neigungenso wenig als an sich böse und verderblich, daß er gerade auf die freieste und allseitigste Ent-wickelung derselben die universelle Harmonie der von ihm beabsichtigten socialen Zuständegründen will. In der Politik spricht er sich auf gleiche Weise gegen Absolutisten undLiberale aus, so wie überhaupt gegen alle politischen Parteien, die in bloßer Veränderungder Formen der Verfassung das gründliche Heilmittel gegen die Gebrechen unserer gesell-schaftlichen Verhältnisse zu finden glauben. Fourier und seine Schüler verweisen vielmehralle Bemühungen zur Besserung vom Gebiete der Politik auf dasjenige der Industrie.Und weil ihnen die Verfassungsformen, unter deren Herrschaft ihre industriellen Opera-tionen beginnen sollen, völlig gleichgiltig sind, wollen sie weder als Gegner der einen nochder anderen Regierungsweise angesehen sein. Immer ist jedoch diese Behauptung nureine cszUatio denevolcutiae, den jetzigen Machthabern gegenüber, und ihre politischeOpposition nur noch etwas versteckter, als diejenige der St.-Simonisten war. Wenig-stens ergiebt eine nähere Betrachtung des Fourier'schen Systems sehr deutlich, daß eineVerwirklichung desselben die jetzigen Verfassungen und Regierungen durchaus entbehrlichund überflüssig machen würde. Ohne Intervention eines besonderen Priesterstandes sinddoch auch in der Fourier'schen Association alle geschlechtlichen Verbindungen auf freieNeigung gegründet und auf die leichteste Weise auslösbar; wodurch aber, so behauptetman, die Bande der Familie zwischen den Gatten so wie zwischen Eltern und Kindernnur noch heiliger und inniger werden. Endlich erkennt die Lehre Fourier's ein Privatver-mögen und die Erblichkeit desselben an, da sie nur eine Vereinigung der Capitalien fürdie ökonomischen Zwecke der Gesellschaft fordert, aber die Vertheilung der gemeinsam er-worbenen Genußmittel zum Theil nach der Größe der von jedem Einzelnen in das Ge-sellschaftsvermögen eingeworfenen Capitalien bemißt. Fourier selbst hat die Abwei-chungen seines Systems von der Lehre Owen's und St. Simon's in einer besonderen