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welche die Gefühle — Sympathieen undAntipathieen — durch Poesie und Rhetorik, durchPlastik, Malerei und Musik symbolisch zu verkörpern haben. An die Spitze dieserHauptstände, um dieselben in ihrer Getrenntheit zu vereinigen, ist ein hierarchisch geglie-derter und nachseinereigenenWahlsich ergänzender Priesterstand gestellt. Er solldiejenigen umfassen, in welchen sich die höchste und reinste Liebe für die Gesellschaft offen-bart, mit welcher Liebe, nach der Voraussetzung der St. - Simonisten, die klarste Er-kenntniß des gesellschaftlichen Zustandes und aller Mittel, die zu seinem Heile dienenmögen, verbunden ist. Diesem höchsten Stande zunächst stehen die Künstler, welchegleichsam die lebendigen Werkzeuge für die Verkündigung und Verkörperung der Liebe undder Ideen sind, wofür sich die Priester begeistert fühlen. Die Letzteren bilden die eigentlichregierende Kaste. Sie sind die Messer aller Fähigkeiten, die Vectheiler von Arbeit, Lolmund Strafe, das lebendige Gesetz, das in ihrem pers-uprome als incarnirt erscheint.Wie in der simonistischen Gemeinschaft Alle nach ihren Fähigkeiten zu beschäftigen sind, sosollen auch einem Jeden die entsprechenden Instrumente der Arbeit (Capitalien) zugewiesenwerden. Die verhältnißmäßige Vertheilung des Ertrags der Arbeit soll durch ein Systemvon Banken verschiedener Classen erfolgen, an deren Spitze eine Centralbank steht, dieüber alles Vermögen disponirt und den Credit erwägt, dessen die Industrie in allen Rich-tungen und Verzweigungen bedarf. Hiernach würde die Einnahme im St.-SimonistischenBudget in der Gesammtheit der jährlichen Pcoducte der Industrie, und die Ausgabe in derVertheilung dieser Prdducte durch die Banken bestehen. Die Frage, wie dies All s in dieWirklichkeit eingeführt werden könne, ist aber auch im St. - Simonismus nur mit unbe-stimmten Hindeutungen beantwortet, welche die Schwierigkeiten umgehen, statt sie zubeseitigen.
Mit dieser kurzen Darstellung des Organismus der neuen projectirten Gesellschaftist zugleich die Opposition derSl-Simonistischen Lehre gegen den jetzigen Zustand derselbenim Wesentlichen bezeichnet. Sie behauptet, die Herrschaft der reinsten Liebe, der voll-kommensten Gerechtigkeit auf Erden gründen zu können. Darum verwirft sie die ausdem Christenlhume geschöpfte und freilich oft bis zur höchsten Einseitigkeit verfolgte An-sicht, welche dieses Erdenleben als die Stätte unabänderlichen Jammers und Elends be-trachten und den Menschen mit allen seinen Bestrebungen und Hoffnungen ausschließendauf ein dunkles Jenseits Hinweisen will. Auch verwirft sie den Ausspruch von Jesus,daß Gott ein Geist sei, der im Geiste und in der Wahrheit angebetet werden müsse.Einem nicht sehr ausgebildeten Pantheismus huldigend, will sie vielmehr die Gottheit alsGeist und Materie betrachtet wissen; die St.-Simonistische Gesellschaft aber soll dieVerherrlichung des einen durch die andere, die vollendete Offenbarung und das Bild derGottheit auf Erden sein. Sie sieht darum das Christenthum als unvollkommen und un-vollendet, sich selbst aber für bestimmt an, in der progressiven Reihe der Religionen alshöhere und höchste Evolution zu erscheinen. Weil sodann der St.-Simonismus in seinerPriesterschaft eine dauernde Repräsentation der vollkommensten Liebe und der klarstenEinsicht in die Bedürfnisse der Gesellschaft gefunden zu haben meint, und weil diese Liebeund Einsicht ein unbedingtes Vertrauen aller Regierten in Anspruch nehmen, so erklärter sich gegen alle bis jetzt herkömmlichen Verfassungsformen, namentlich auch gegen dasneuere konstitutionelle System, das auf Garantieen und folglich auf der Idee des Mis-trauens fuße. In gleicher Weise erklärt er sich auf dem Gebiete der politischen Oekonomiegegen da« Concurrenzsystem, das gleichfalls auf gegenseitigem Mistrauen beruhe und die-ses fort und fort erzeuge, da es einen allgemeinen Kampf aller individuellen Interessen umSein oder Nichtsein Hervorrufe, worin stets der Schwächere dem Stärkeren unterliegenmüsse. Im Bereiche des Familienlebens soll zunächst nach dem Grundsätze, daß jedeNutzung Einzelner durch Einzelne wegfallen müsse, die Gewalt der Eltern aufhören, undfür Erhaltung und Erziehung der Kinder soll an die Stelle der Eltern die Gesammtheit,d. h. der Pciestecstand, treten. Und nach dem weiteren Grundsätze: „cimeim selon ss.cspacitä" sollen auch die Unterschiede zwischen Mann und Weib in der rechtlichen undsocialen Stellung derselben verschwinden. Das in freier Liebe seinem Manne verbundeneWeib bildet mit jenem das höhere sociale Wesen im Sk.-Simonistischen Sinne und verrich-