6 Fourier.
um, durch Subscription und auf Aktien vorerst eine Erziehungsanstalt für 3 — 400 Kin-der nach Fourier's Grundsätzen zu errichten und sodann zum wiederholten Versuche derGründung einer Phalanx überzugehen.
Nach der Lehre von Robert Owenist es ein Hauptirrthum, den Menschen für seineGesinnungen und Handlungen verantwortlich zu machen, ihn zu belohnen oder zu bestra-fen, da Glaube, Gesinnung und Handlungen immer nur das Resultat natürlicher Ein-drücke und Einflüsse seien. Dieser Jrrthum soll nun namentlich die Quelle des indivi-duellen Eigcnthums und einer i n d i v i d u e l l e n Classificirung der Menschen sein, auswelcher der Egoismus entspringen und welche als das größte Hinderniß physischer und gei-stiger Entwickelung betrachtet werden müsse. Als Hilfsmittel dagegen schlägt er eine neueClassificirung vor, wodurch alle Menschen Mitglieder einer und derselben Gesellschaftwerden, gemeinschaftlich besitzen und erwerben und aus diesem Erwerbe erhalten werden.Auch soll Allen eine gemeinschaftliche Erziehung zu Theil werden, die in regelmäßigenUebungen, ohne Lohn und ohne Strafe, die Kräfte der Jugend entwickelt, ihr Liebe undZuneigung zu Anderen einflößt und den Egoismus im Keime erstickt, um sie von früh anihr eigenes Glück in der Zufriedenheit der Anderen finden zu lassen- Wie hernach alle Ge-fühle eine zwanglose Ausbildung erhalten, so soll sich namentlich der Gclchlechtstricb zwang-los befriedigen können, indem Nichts unsittlicher sei, als wenn Männer und Frauen fort-während vereinigt blieben, deren frühere Zuneigung nicht mehr in derselben Stärke fort-dauere. Die Classificirung selbst besteht in einer Eintheilung aller Menschen nach ihrenverschiedenen Altersstufen von 5 zu 5 und von 10 zu 10 Jahren, so wie in einer Verthei-lung der verschiedenen Arten der Geschäfte nach Maßgabe des Alters. Owen betrachtetalso die gesammte Menschheit als eine einzige Körperschaft, deren einzelne Glieder, nachseiner sehr willkürlichen Eintheilung, durch die verschiedenen Altersklassen der Bevölkerunggebildet werden. Auf diese Weise bleibt die lebensvolle, natürliche Mannigfaltigkeit derAbstufungen und Individualitäten völlig unbeachtet und soll durch eine schulmeisterlicheHierarchie der Classen in eine tobte und künstliche Einförmigkeit aufgelöst werden. Owen'sganzer Plan ist jedoch in völliger Unreife geblieben und nicht einmal mit der Consequenzdes Jrrthums bis ins Einzelne ausgebildet worden. So hat er sich namentlich in seinenVorlesungen zu Paris auf die Art und Weise, wie der Uebergang vom jetzigen gesellschaft-lichen Zustande in seinen projectirten erfolgen könne, keineswegs einlassen mögen und selbstüber die Frage nach der Organisation der Arbeit nur ausweichende Andeutungen gegeben.
Eine viel größere Ausbildung hat das System der St. - Simonisten erhalten. Alsbisheriges Schicksal, wie es in der Geschichte sich offenbart, erkennt der St.-Simonismuseine fortdauernde Ausbeutung und Nutzung der Menschen durch Menschen, jedoch instufenweisen Uebergängcn von härteren zu milderen Formen. Nachdem man den über-wundenen Feind nicht mehr getödtet und der Rache geopfert, habe man ihn zum Sklavengemacht, von der strengen Sklaverei sei man zur milderen Leibeigenschaft und von dieserzur Abhängigkeit des Lohnarbeiters von dem Capitalisten und Arbeitsherrn übergegangen.Auch dieses letztere Verhältniß erscheine als eine die Menschheit herabwürdigende Dienst-barkeit, denn ob es gleich auf Vertrag beruhe, sei doch der Arbeiter um seiner Existenzwillen zu einer Thätigkeit genöthigt, die oft ebenso wenig seinen Fähigkeiten entspreche, alssie ihm einen verhältnißmäßigen Antheil am Product der Arbeit sichere. Der St. - Simo-nismus hielt sich also für berufen, auch diese letzte Art von einseitig vortheilhafter Nutzungder Menschen durch Menschen zu beseitigen. Hiernach soll die ganze menschliche Gesell-schaft in einen Verein von Arbeitern verwandelt werden undnurderSelbstthätige, nachdemMaße seiner Thätigkeit, an dem gemeinsamen Erwerbe Theil nehmen, nach dem Grund-sätze : „Okucun selon su csp-rcite et cbague cupscit» «eiou les »euvres." Zur Errei-chung eines solchen Zustandes ist eS die Aufgabe der Erziehung, die besonderen Fähigkeitenund Sympathie«« für die verschiedenen Arten der menschlichen Thätigkeit zu entwickeln.Nach der Art und dem Grade dieser Entwickelung sind sodann die Einzelnen dem Standeder Industriellen zuzuweisen, die mit der materiellen Produclion sich befassen; oder demStande der Gelehrten und Wissenschaftlichen, die vorzugsweise in geistiger Thätigkeit allemZusammenhänge von Ursachen und Wirkungen nachforschen; oder dem der Künstler,